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Babys: Optimierung statt Maximierung des Gewichts

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat aufgrund aktueller Studien neue Wachstumskurven veröffentlicht. Ausschließlich gestillte Kinder zeigen keine nachteilige Entwicklung.

Ob ein Baby ausreichend wächst und Gewicht zunimmt, wird bekanntlich anhand der Perzentilenkurven überprüft. „Ein Problem dabei ist, dass es unterschiedliche Wachstumskurven gibt bzw. diese teils auf Untersuchungen zurückgehen, die schon 20 Jahre oder länger zurückliegen“, berichtet die Fachärztin für Kinderheilkunde, Dr. Barbara Bednar IBCLC, OA an der Linzer Landesfrauen- und -kinderklinik. Dabei gäbe es ausreichend aktuelle Daten, auf die zurückgegriffen werden könnte, meint Prim. Dr. Karl Zwiauer, Leiter der Kinder- und Jugendabteilung am Landesklinikum St. Pölten. Die WHO hat nun aufgrund ak-tueller Studien neue Wachstumskurven veröffentlicht (www.who.int/childgrowth). Eine der zentralen Aussagen: Grundsätzlich macht – anders als bisher angenommen – die Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe keinen so großen Unterschied, ob ein Kind gut gedeiht. Eine deutlich größere Rolle spielen beeinflussbare Faktoren wie Umwelt- und Hygienebedingungen, Art und Weise der Ernährung sowie der Status der Gesundheits-versorgung von Mutter und Kind. Für die Studien zu den aktualisierten Wachstumskurven wurden erstmals ausschließlich gestillte Kinder aus verschiedenen Erdteilen herangezogen. „Muttermilch ist in den ersten sechs Lebensmonaten die optimale Form der Ernährung“, heißt es in den Erklärungen der WHO. Auch weit darüber hinaus würde sie eine bedeutende Rolle für das körperliche und geistige Gedeihen des Kindes spielen.

Ärzte können Eltern beruhigen

Zwischen den neuen Wachstumskurven der WHO und vorhandenen Perzentilen bestehen keine gravierenden Unterschiede. „Gestillte Kinder nehmen im zweiten Lebenshalbjahr manchmal nicht so stark zu wie Kinder, die mit Muttermilchersatzprodukten ernährt wurden“, erklärt Bednar. Eltern, die Angst um das ausreichende Gedeihen von ausschließlich gestillten Kindern haben, „können von uns Ärzten nun mit noch besserem Gewissen beruhigt werden“, ergänzt Zwiauer. Er bedauert, dass auch Ärzte oder Pflegepersonal in einigen Fällen zu schnell das Zufüttern empfehlen. Für die Begleitung der Eltern erinnert Zwiauer daran, dass die Prämisse sowohl für Allgemein- als auch Kinderärzte schon seit längerem „die Optimierung statt der Maximierung des Gewichts“ sei. Aktuelle Daten stellen einen Zusammenhang her zwischen starkem Zufüttern und damit verbundener Gewichtszunahme im ersten Lebensjahr und einer höheren Wahrscheinlichkeit z.B. für Adipositas und Diabetes. Die Auszeichnung „Stillfreund-liches Krankenhaus“ von UNICEF und WHO ist international anerkannt: 19.000 Spitäler in 150 Ländern – davon 14 in Österreich – haben die erforderlichen Kriterien erfüllt. Soeben ausgewertet wurden Rückmeldungen aus neun heimischen stillfreundlichen Spitälern von über 800 Frauen. „Sie fühlten sich mehrheitlich sehr gut betreut und unterstützt“, fasst Anne-Marie Kern IBCLC zusammen. Sie ist Koordinatorin der stillfreundlichen Krankenhäuser in Österreich. Nicht bestätigt hat sich die teils zu hörende Befürchtung, es würde Zwang zum Stillen ausgeübt. „Oft wünschten sich die Mütter noch mehr Information und Beratung“, betont Kern.

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