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Die mammographische Dichte als Risikoparameter

Frauen unter Hormonsubstitution zeigen höhere Proliferationsraten im Epithel der Brust, insbesondere wenn Östrogen-Gestagen-Kombinationen angewandt werden.

„Das zentrale Element einer möglichen Tumorentstehung sind Proliferationen“, erklärte Prof. Dr. Adolf Schindler, Direktor des Instituts für klinische Forschung und Fortbildung in Essen, Deutschland, beim Menopausekongress 2005 in Wien. „Wenn sich die Zellen des Epithels nicht vermehren, treten keine Malignome auf. Anwenderinnen einer HRT weisen verstärkte Proliferationsraten im Brustgewebe auf.“ Ein früher Eintritt der Menarche sowie eine späte Menopause sind mit höherer Brustkrebswahrscheinlichkeit verbunden. Demgegenüber konnte gezeigt werden, dass Schwangerschaften vor dem 30. Lebensjahr das Risiko senken, während spätere die Gefahr einer Entartung erhöhen. Die Stillzeit trägt zur Risikoreduktion bei, es kommt zu einer Unterdrückung der Ovarialfunktion, wobei auch eine Stillamenorrhoe auftreten kann. „Die Gewebedichte der Brust, nicht der Flüssigkeitsanteil, steht in direktem Bezug zum Mammakarzinom-Risiko“, erklärte Schindler und fügte hinzu: „Dieser Zusammenhang konnte nicht nur in Europa, sondern auch bei Frauen in Asien gesehen werden.“ Sarsten et al. verglichen 2005 die mammographische Gewebedichte der Brust bei Frauen ohne und mit verschiedenen Formen der HRT.

Unterschiede sind mit Hormonkombination assoziiert

Die Autoren konnten eine erhöhte Dichte bei HRT-Anwenderinnen feststellen. Dabei zeigte die Kombination von Östrogen mit zyklisch verabreichtem Gestagen günstigere Ergebnisse als eine kontinuierliche Kombination mit einem Gestagen. Die alleini-ge Östrogensubstitution war mit niedrigeren Dichtewerten verbunden als Östrogen-Gestagen-Kombinationen. Schindler: „In einer weiteren Studie von Harvey et al. wurde herausgefunden, dass die transdermale Applikation der Östrogen-Gestagen-Kombination mit geringeren Dichtezunahmen als unter oraler Einnahme verbunden ist. Zudem konnte gezeigt werden, dass so genannte Ultra-Low-Dose-Kombinationen keine Dichtezunahme des Brustgewebes zur Folge hatten.“

Nach Spannungsgefühl in der Brust fragen

„Mit der Mammographie steht ein potentes diagnostisches Werkzeug sowohl für die prätherapeutische Risikoabwägung als auch zum Monitoring einer HRT zur Verfügung. Die Sonographie der Brust stellt wahrscheinlich eine noch besser geeignete Methode dar, jedoch gibt es zu dieser Technik derzeit noch keine ausreichenden Daten“, fasste Schindler zusammen. „Stehen beide Verfahren nicht zur Verfügung, sollte im klinischen Alltag zumindest die regelmäßige Frage nach Spannungsgefühl in der Brust nicht vergessen werden.“ Besonders dem Monitoring könnte in Zukunft große Bedeutung zukommen. Der Vergleich aktueller Mammographien mit Vorbefunden kann mitunter rasante Veränderungen der Gewebedichte unter einer HRT zum Vorschein bringen. Erfreulich dabei ist, dass die beschriebenen Verdichtungen unter Anpassung des HRT-Regimes zumindest teilweise reversibel sein dürften.

Dr. Alexander Lindemeier, Ärzte Woche 22/2006

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