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Prä-Menopause: Zyklus-abhängige Erkrankungen

Bei (chronischen) Erkrankungen in der Prä-Menopause sollte immer nach dem zeitlichen Muster des krankhaften Auftretens gefragt werden.

Zahlreiche Erkrankungen weisen eine Zyklusabhängigkeit auf, betonte Prof. Dr. Ludwig Wildt, Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Sterilität der Medizinischen Universität Innsbruck, beim Kongress „Menopause-Andropause-Anti-Aging“ in Wien. Als Beispiele für zyklusabhängige Erkrankungen in der Prä-Menopause nannte er unter anderem den systemischen Lupus erythematodes, die rheumatoide Arthritis, katameniale Epilepsie, PMS und das chronische Hyperventilationssyndrom. „Auch Fieber oder Kopfschmerzen können eine Zyklusabhängigkeit besitzen“, so der Experte. Von systemischem Lupus erythematodes sind Frauen zehnmal häufiger betroffen als Männer. 80 Prozent der Schübe (Flares) treten in der Lutealphase auf, sind also eher progesteronbedingt. Laut Wildt dürfte unter Kontrazeptiva das Exazerbationsrisiko nicht erhöht sein. Wildt: „Bei rheumatoider Ar-thritis finden sich in der Lutealphase und perimenstruell stärkere Beschwerden. Die Erkrankung wird durch orale Kontrazeptiva (bzw. Hormonersatztherapie) günstig beeinflusst. Speziell durch die Langzyklus-Anwendung monophasischer Kontrazeptiva kann die rheumatoide Arthritis eine Verbesserung erfahren.“ Im Fall einer katamenialen Epilepsie treten die Anfälle gehäuft perimenstruell und periovulatorisch auf. Daten zum Verlauf in der Postmenopause fehlen. Wildt: „An sich weiß man, dass Östrogen die neuronale Erregbarkeit erhöht und somit prokonvulsiv wirkt. Progesteron hingegen hemmt die neuronale Erregbarkeit.“ Durch die Gabe des GnRH-Analogons Triptorelin könne in einem hohen Prozentsatz der Fälle von katamenialer Epilepsie eine Anfallsfreiheit erzielt werden Wie der Endokrinologe weiters erläuterte, treten zyklusabhängige Kopfschmerzen während der Menstruation und periovulatorisch gehäuft auf. Wichtig sei hier, den Östrogenabfall durch Substitution aufzufangen. Bei Migräne sei die Situation nicht so eindeutig und eine Hormontherapie eher selten erfolgreich.

Prämenstruelles Syndrom

Zunehmende Aufmerksamkeit erfuhr in den letzten Jahren das Prämenstruelle Syndrom (PMS). „Hier sind gute Erfolge in der Behandlung mit Hilfe von GnRH-Analoga und einer Hormon­­sub­stitution (Addback-Therapie) zu erzielen“, erklärte Wildt. Auch das chronische Hyperventilationssyndrom – Symptome ähnlich wie beim PMS, hinzu kommen Zittern und Blähbauch – ist als zyklusabhängige Erkrankung anzusehen. Wildt: „Bereits Ende der 40er-Jahre konnte Döring zeigen, dass es in der Lutealphase physiologischerweise zur Hyperventilation und einer Verringerung des endexspiratorischen pCO2 kommt.“ Die entsprechende Publikation erschien 1948 in der Physiologie-Zeitschrift „Pflügers Archiv“. Eine Besserung der beim chronischen Hyperventilationssyndrom auftretenden Beschwerden ist laut Wildt unter anderem durch eine Biofeedback-Therapie oder Serotonin-Reuptake-Hemmer – diese erhöhen übrigens den pCO2-Wert – möglich. Generell sollte der behandelnde Arzt bei jeder (chronischen) Erkrankung nach dem zeitlichen Muster des Auftretens fragen, empfahl Wildt. Weiters müsse die Behandlung zyklusabhängiger Erkrankungen unbedingt interdisziplinär erfolgen.

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