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Ist Testosteron gut fürs Herz?

Während Androgene bei Frauen negative Effekte auf das Herz-Kreislauf-System ausüben, dürften die Wirkungen bei Männern positiv sein.

„Testosteron wird heute nicht selten als ‚Teufelszeug’ für das kardio-vaskuläre System angesehen“, so der Münchner Gynäkologe und Anti-Aging-Spezialist Dr. Michael Klentze beim Kongress „Menopause-Andropause-Anti-Aging“. Bei genauerer Betrachtung der Datenlage treffe dies aber nur für Frauen zu; bei Männern sei von positiven Wirkungen auf Herz und Kreislauf auszugehen. Klentze nannte zunächst Faktoren, die einen negativen Einfluss auf den Testosteronspiegel von Männern haben. Neben dem Alter sei dies etwa ein großer Bauchumfang, wobei diese beiden Faktoren oft kombiniert sind. Laut Klentze weisen sehr schlanke, nicht-athletische Männer die höchsten Testosteron-Konzentrationen im Blut auf, gefolgt von athletischen Männern mit geringem Bauchumfang, aber relativ hohem BMI. Die niedrigsten Werte hätten nicht-athletische Männer mit Bauch. Der Einfluss der Komorbidität auf die Testosteronspiegel wurde in einer österreichischen Studie, die von Schatzl et al. 2003 in „Urology“ publiziert wurde, untersucht. Die meisten Studienteilnehmer hatten sich einer Gesundenuntersuchung unterzogen (n=526).

Freies Testosteron verglichen

Personen mit einem BMI unter 30, einem Nüchtern-Cholesterin­spiegel kleiner 200 g/dL und einem diastolischen Blutdruck unter 95 mm Hg wurden dabei als gesund angesehen (n=133). Die restlichen 393 Männer fungierten als Vergleichsgruppe. Zusätzlich wurden für die Studie noch 35 Männer rekrutiert, die nach dem strengen SENIEUR-Protokoll als gesund galten. Bei allen wurde im Serum Gesamt-Testosteron und SHBG (Sex hormone-binding globulin) bestimmt und in weiterer Folge daraus das freie Testosteron (cfT) errechnet. Bei den gesunden Männern waren die Testosteronspiegel in praktisch allen Altersgruppen höher als in der Vergleichsgruppe. „Super-gesunde“ Studienteilnehmer (laut SENIEUR-Protokoll) wiesen die höchsten Werte auf. „Body-Mass-Index, Cholesterin-, Triglyzerid- und Glukosespiegel korrelierten negativ mit den Testosteronwerten“, so die Autoren. Die jährliche Testosteron-Abnahme fiel in der SENIEUR-Gruppe am niedrigsten aus (Gesamt-Testosteron 0,2%, cfT 0,4%), während sie bei den nicht gesunden Männern am höchsten war (Testosteron 0,8%, cfT 0,9%). Im Rahmen der Studie wurden auch altersabhängige Referenzwerte für Testosteron errechnet. Diese betrugen beispielsweise für 20- bis 29-jährige Männer 3,1 bis 8,3 ng/mL und für über 70-Jährige 1,7 bis 4,9 ng/mL. In einer finnischen Studie entwickelten im Lauf von elf Jahren 147 von 702 Männern mittleren Alters ein Metabolisches Syndrom und 57 Diabetes. Das Risiko dafür war bei Männern mit niedrigem Testosteronspiegel deutlich erhöht. Die Berücksichtigung anderer Risikofaktoren änderte an der Assoziation wenig. „Testosteron bewirkt“, so Klentzke, „einen Abfall des LDL, einen Anstieg des HDL und eine Stickoxid-bedingte Blutdruckreduktion.“

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