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Osteoporose: Mehr als verringerte Knochendichte

Diagnose und Therapie der Osteoporose sollten sich nicht allein nach den Abweichungen der Knochendichte richten, sondern werden zunehmend im Kontext zu anderen mitbestimmenden Faktoren, allen voran dem Frakturrisiko, gesehen. Dieses wiederum steigt massiv mit dem Alter an. Die Aufmerksamkeit müsse daher in Zukunft vermehrt auf die primäre Osteoporoseprävention und das rechtzeitige Erkennen von Risikoparametern gerichtet werden, so die Meinung von Experten.

Zu einem sehr hohen Prozentsatz (70 bis 80 Prozent) dürfte die Osteoporose genetisch determiniert sein, und weltweit läuft die aufwändige Suche nach anschuldbaren Genen. Funktionelle Kandidatengene sind solche, die bereits bekannterweise für Zustände mit hoher oder niedriger Knochenmasse verantwortlich sind (Osteogenesis imperfekta, Osteopetrose, Pyknodysostosis) oder Gene, die im physiologischen Knochenstoffwechsel eine gesicherte Rolle spielen (z.B. Kollagen Typ 1-Gene, Vitamin Rezeptor-Gen, Estrogen Rezeptor-alphagen). Gesichert ist die in der Menopause durch den Östrogenabfall gesteigerte Knochenresorption, die bis zu über zehn Jahre mit einem deutlich vermehrten Knochenmasseverlust (physiologisch sind 0,5 bis ein Prozent pro Jahr) einhergeht. Klinisch manifest wird die Erkrankung meist erst nach dem 60. Lebensjahr. Oft schmerzhafte Wirbelkörpereinbrüche treten in der Mitte der siebenten Lebensdekade auf, wieder ein Jahrzehnt später häufen sich hüftgelenksnahe Frakturen bei Frauen.

Prävention: Von der Kindheit bis ins hohe Alter sinnvoll

Beeinflussbar sind die den Krankheitsausbruch und Krankheitsverlauf bestimmenden Umweltfaktoren. Jede Gesundheitsförderung ist auch primäre Osteoporoseprävention, die in der Kindheit beginnt und bis ins hohe Alter Sinn macht. Erziehung zu einem aktiven, bewegten Lebensstil mit regelmäßigem Aufenthalt im Freien, gemeinsam mit einer gesunden Ernährung, entsprechend den derzeit gültigen Ernährungsempfehlungen (Ernährungspyramide) legt die Grundlage für einen (nicht nur) „knochengesunden“ Lebensstil. Zu Lebensstilmaßnahmen zählen auch Vermeidung von Nikotin und Alkohol in toxischen Mengen sowie die Sturzvermeidung. Da wir das symptomatische Stadium der Os­teoporose verhindern wollen, ist es notwendig, rechtzeitig Risikopatientinnen zu erkennen. Zahlreiche prädisponierende Erkrankungen (endokriner, gastrointestinaler, rheumatologischer, onkologischer Formenkreis, Nephrologie, Transplantationsmedizin) und bestimmte Medikationen (Kortison, Anti­epileptika, Antikoagulantien, Antihormone, Zytostatika, Immunsuppressiva) fordern eine Osteoporoseabklärung unabhängig vom Alter mittels exakter Anamnese, klinischer Untersuchung sowie Knochendichtemessung mittels DEXA und weiteren radiologischen und laborchemischen Befunden. Frauen mit anderen Risikofaktoren, wie erstgradig Verwandte mit osteoporotischer Fraktur, niedrigem Körpergewicht (BMI<19), langer Immobilisation oder anderen Lebensstilbesonderheiten wie übermäßigem Alkoholkonsum, Nikotinabusus, einseitiger, kalziumarmer Ernährung oder Auffälligkeiten in der Sexualanamnese sollten ab dem 60. Lebensjahr bezüglich Osteoporose untersucht werden. Die Frakturwahrscheinlichkeit steigt mit dem Alter, früheren Bagatellfrakturen, einem Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent, bei niedrigem Körpergewicht, länger dauernder Immobilität, Abnahme der Körpergröße um mehr als vier Zentimeter sowie hohem Sturzrisiko (zwei oder mehr Stürze im letzten halben Jahr).

Individuelle Therapieentscheidung

Wurde die Diagnose Osteoporose gestellt, muss eine individuelle Therapieentscheidung getroffen werden, die von Alter, Begleiterkrankungen, Menopause-Status und dem Stadium der Osteoporose abhängig ist. Grundlage jeder Therapieempfehlung sind die angeführten Lebensstilmaßnahmen mit täglicher Bewegung an frischer Luft, Muskelaufbau, -kraft und –koordinationstraining, sowie ausgewogener, kalziumreicher Ernährung. Da selbst gesunde Frauen in Österreich nur durchschnittlich 561 mg Kalzium und 94 IU Vit. D täglich zu sich nehmen ist bei Osteoporose eine zusätzliche Kalzium und Vit. D Gabe als Basistherapie unbedingt erforderlich. Vit. D hat zusätzlich zur Verbesserung der Kalziumaufnahme und Knochenmineralisierung auch einen Effekt auf die muskuläre Funktion und somit auf die Sturzprävention. Der Gesamtbedarf bei Osteoporose liegt zwischen 1.000 bis 1.500 mg Kalzium und mindestens 800 IU Vit. D pro Tag. Bei der spezifischen medikamentösen Therapie kann zwischen knochenresorptionshemmenden Substanzen (Bisphosphonate, SERMs) und knochenanabol wirkenden (Teriparatide) sowie anderen (Strontiumranelat – für welches von der Herstellerin beide Wirkweisen postuliert werden), unterschieden werden. Sollte wegen einer anderen Indikation (schweres klimakterisches Syn­drom) eine Hormonersatztherapie durchgeführt werden, ist eine zusätzliche spezifische Osteoporosetherapie nicht notwendig. Auf Grund der derzeitigen Datenlage und Abwägen des Nutzen-Risikoverhältnisses ist eine Hormonersatztherapie als Osteoporosetherapie nicht indiziert. Zur Therapiedauer existieren keine einheitlichen Empfehlungen. Gesichert ist eine Wirkung auf die Frakturhäufigkeit für fünf Jahre Bisphosphonattherapie und Nebenwirkungssicherheit für zehn Jahre. Ob eine sequenzielle Therapie einer kontinuierlichen vorzuziehen wäre, kann auf Basis der heutigen Datenlage nicht beantwortet werden.

Internet: Ludwig-Boltzmann Institut, www.osteologie.at

Zwettler, Ärzte Woche

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