zur Navigation zum Inhalt
 

Testosteronersatztherapie: Risiko für die Prostata?

Auch das Risiko einer Testosterontherapie bei hypogonadalen älteren Männern wurde beim Kongress „Menopause-Andropause-Anti-Aging 2005“ hinterfragt.

„Seit 1941 ist bekannt, dass das Prostatakarzinom androgensensitiv ist“, erklärte Prof. Dr. Gerhard Lunglmayr, Leiter der Abteilung für Urologie am NÖ Landesklinikum Weinviertel-Mistelbach beim Kongress „Menopause-Andropause-Anti-Aging“ Ende letzten Jahres in Wien. Interessant sei, so Lunglmayr, dass das Risiko für ein Prostatakarzinom mit dem Alter zunimmt, obwohl die Testosteronspiegel abnehmen. Die Testosteron-Ersatzbehandlung von älteren Männern mit spät einsetzendem Hypogonadismus (Late-Onset Hypogonadism LOH) findet daher in jenem Lebensabschnitt statt, in dem das Risiko, an einem Prostatakrebs zu erkranken, ansteigt. Bei älteren Männern finden sich in einem hohen Prozentsatz latente Prostatakarzinome, „aber auch bei den 40-jährigen Männern lassen sich in über 20 Prozent schon prämaligne Läsionen nachweisen“, sagte der Experte. Höhere Testosteronspiegel gehen laut Lunglmayr nicht mit einem höheren Prostatakarzinom-Risiko einher. Hingegen waren niedrige Konzentrationen mit einem hohen Gleason-Score assoziiert, wie auch eine österreichische Studie (Schatzl et al., Prostate 2001) zeigen konnte.

Inkonsistente Studienlage

Niedrige Testosteronspiegel können zudem die Aussagekraft des PSA-Werts reduzieren. Dies könne zur Maskierung eines Prostatakarzinoms führen. Eine Demaskierung durch Testosteronbehandlung mache die PSA-Erhöhung dann oft erst sichtbar. Insgesamt seien die Ergebnisse von Studien, die sich mit der Entwicklung von Prostatakarzinomen unter einer Testosteron-Ersatztherapie beschäftigten, inkonsistent und mit kleinen Fallzahlen über kurze Beobachtungsperioden behaftet. Aus einer Metaanalayse der bisher vorliegenden Studien gehe hervor, dass die Inzidenz von Prostatakarzinomen unter der Testosteron-Ersatzbehandlung bei rund 1,1 Prozent liege. Zusammenfassend gäbe es über langfristige Auswirkungen einer Testosterontherapie auf die Prostata derzeit keine aussagekräftigen, prospektiv-kontrollierten Studien, betonte Lunglmayr. Ob „die Testosterontherapie hypogonadaler älterer Männer ein Risiko für die Prostata ist?“, wäre daher derzeit nicht zu beantworten. Da ältere hypogonadale Männer von einer Behandlung mit Androgenen profitieren können, sollte ihnen diese Therapie jedoch nicht vorenthalten werden, so die Meinung des Experten. Dabei sei ein sorgfältiges Monitoring das Um und Auf. Vor Beginn der Behandlung müsse ein Prostatakarzinom ausgeschlossen werden. Bei auffälligem Tastbefund und PSA-Werten über 4,0 ng/ml wird von „Rhoden and Morgentaler“ eine Prostata-Biopsie empfohlen (Risks of testosterone-replacement therapy and recommendations for monitoring, NEJM 2004;350:482-492). Im ersten Behandlungsjahr sollte das PSA alle drei Monate kontrolliert werden, später in Intervallen von sechs bis 12 Monaten. Wenn der PSA-Wert in einem Jahr um mehr als 0,75 ng/ml oder über 4,0 ng/ml ansteigt, sollte auf jeden Fall biopsiert werden. Lunglmayr: „Generell ist bei Bewertung von PSA-Werten die Anstiegsgeschwindigkeit (Velocity) von großer Bedeutung.“ Nicht vergessen werden sollte, dass PSA nicht nur aus Prostatakarzinom-, sondern auch normalen Prostatazellen exprimiert wird und daher nicht karzinomspezifisch ist.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben