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Erste Down-Syndrom-Ambulanz in Wien

Immer weniger Geburten von Kindern mit Down-Syndrom dürfen das Thema Trisomie 21 nicht gänzlich vergessen machen. Selbsthilfeorganisationen verstärken ihre Aktivitäten und setzen neue Signale.

Am 21. März 2006 war erster weltweiter Down-Syndrom-Tag. Das Datum wurde mit Bedacht gewählt und verweist auf die Trisomie 21. Das Down-Syndrom (DS), benannt nach dem britischen Erst-beschreiber John Langdon Haydon Down (1828 bis 1896), gilt als häufigste Chromosomensatzanomalie mit Überlebensmöglichkeit. Vor allem bei Müttern über dem 40. Lebensjahr ist das Risiko für die Geburt eines Kindes mit DS empfindlich erhöht. Screening-Methoden wie die Amniozentese bieten allerdings die Möglichkeit einer pränatalen Analyse, weshalb in Österreich 2004 nur elf Kinder mit DS geboren wurden. Die Entwicklungsmöglichkeiten von Menschen mit DS werden weitläufig unterschätzt. Experten verlautbaren, dass für Kinder mit DS, sofern sie eine Frühförderung erhalten, eine gesellschaftliche Integration gut möglich ist und das Bild des komplett hilflosen DS-Patienten revidiert werden muss. Die Bandbreite von Leistungs- und Verhaltensmöglichkeiten scheint nach diesen Erkenntnissen breiter als bisher angenommen. Freilich ist die geistige und körperliche Entfaltung von Kindern mit DS gegenüber nicht gehandicapten Menschen insgesamt verzögert. Nichtsdestotrotz unterstreichen Eltern, ungeachtet der umfangreichen Belastung und Verantwortung, die große Bereicherung, die ihnen ein Kind mit DS gibt.

Frauen oft allein gelassen

Schwangere, die vor der Wahl stehen, ein Kind mit DS zu behalten oder abzutreiben, haben eine schwierige Entscheidung zu treffen, mit der sie häufig allein gelassen werden. Nur eine Beratung mit gut informierten und geschulten Gesprächspartnern kann letztlich authentische Einblicke in ein Leben mit einem DS-Kind geben. Vor allem Selbsthilfegruppen bieten dieses Service glaubwürdig an. Nur wenige Ärzte, klagen Betroffene, sind sich der speziellen Bedürfnisse von DS-Patienten bewusst, auch wenn sie sonst außerordentlich bemüht sind. Einen beherzten Schritt, um Menschen mit DS bei gesundheit-lichen Fragen beizustehen, machte man jetzt in der Wiener Rudolfstiftung. Dort wurde anlässlich des Down-Syndrom-Tages die erste DS-Ambulanz eröffnet. Deren Leiterin, Dr. Bettina Baltacis, hofft, mithilfe präventiver Intervention gesundheitliche Probleme bereits im Keim ersticken zu können.

Umfassende Beratung

Neben medizinischen Gesichtspunkten hat die Beratung einen besonderen Stellenwert. So werden für Hilfe suchende Menschen mit DS auch Gespräche über ihre Sexualität angeboten. Die Ambulanz, die Baltacis zusammen mit der Psychologin Karin Lebersorger und der Sozialarbeiterin Ingrid Teufel betreut, ist mit anderen Fachkräften innerhalb der Rudolfstiftung vernetzt und wird von einem eigens dafür gegründeten Verein finanziell unterstützt. Auch für Nicht-Wiener ist die ambulante Einrichtung zugänglich, eine einfache Überweisung vom niedergelassenen Arzt genügt (Terminvereinbarung unter Tel. 01/71165-2611 oder via Mail:

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