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Gebärmutterhalskrebs: Vorbeugen durch Impfung

Rund 14.000 Frauen sterben in Europa jedes Jahr an einem Cervixkarzinom. Einzige Chance zur erfolgreichen Behandlung ist derzeit die Früherkennung. Ab 2006 soll es durch einen Impfstoff möglich sein, HPV-induzierte Karzinome zu verhindern.

200 Frauen in Österreich erkranken jedes Jahr an einer bösartigen Neubildung am Gebärmutterhals als Folge einer Infektion mit HPV. Rund zwei Prozent der Gesamtbevölkerung leiden (meist) rezidivierend an Genitalwarzen. Verursacher der Erkrankung sind humane Papillomaviren, von denen 100 Genotypen bekannt sind und die ausschließlich auf sexuellem Wege übertragen werden. 70 Prozent aller ÖsterreicherInnen sind mit HPV infiziert, bei 80 Prozent bleibt die Infektion klinisch unauffällig. 20 Prozent können im günstigsten Fall an Kondylomen, im schlimmsten Fall, das betrifft etwa drei Prozent der Infizierten, an einer malignen Veränderung, wie dem Cervix-, Vaginal-, Penis- oder Analkarzinom erkranken.

Fehlerhaftes Screening

Die HPV-Genotypen sechs und elf verursachen Genitalwarzen, 16 und 18 sind für 70 Prozent aller Cervixkarzinome verantwortlich. Gebärmutterhalskrebs ist, nach dem Mammakarzinom, die zweithäufigste Krebs-Todesursache bei Frauen zwischen 25 und 50 Jahren. Nur bei einigermaßen früher Erkennung ist eine Heilung in über 90 Prozent aller Fälle möglich. Regelmäßige Screening-Programme konnten in Europa die Zahl der Todesfälle aufgrund von Cervixkarzinom senken. Trotzdem tritt diese Krebserkrankung nach wie vor auf. Das hat zwei Gründe: „Damit ein Screening-Programm
erfolgreich ist, müssen die Frauen auch regelmäßig hingehen“, stellte Prof. Dr. Ole Erik Iversen von der Universitätsklinik für Gynäkologie am norwegischen Krankenhaus Bergen anlässlich der 13. European Cancer Conference, die von 30. Oktober bis 3. November in Paris stattfand, fest. „60 Prozent aller Cervixkarzinome treten allerdings bei jenen 15 Prozent Frauen auf, die nie an einem Vorsorgeprogramm teilnehmen“, zeigte Iversen die Schwäche vieler Screening-Programme auf. Dazu kommt, dass die PAP-Testung zwar die häufigeren squamösen Karzinome anzeigt, Adenokarzinome, die zu den selteneren Cervikalkarzinomen gehören, über einen PAP-Test allerdings nur sehr schwer zu entdecken sind: „Diese Krebserkrankung manifestiert sich am oberen Ende des Gebärmutterhalses. Die Zellen für den Pap-Test werden eher am Cervixeingang entnommen“, erläuterte die spanische Epidemiologin Dr. Nubia Munoz in ihrem Statement. Wird die Krebserkrankung erst in einem späteren Stadium entdeckt, ist eine Heilung aufgrund unzulänglicher Therapieoptionen sehr oft nicht mehr möglich.

Aggressive und leider sehr wirkungsarme Krebstherapie

Die Wirksamkeit der vorhandenen therapeutischen Möglichkeiten zur Heilung eines fortgeschrittenen Cervixkarzinoms ist gering: Eingesetzt werden Tumorresektion, Radio- und Chemotherapie, deren Wirksamkeit stark limitiert ist. „So zeigt etwa Cisplatin eine Responserate von nur 23 Prozent“, erläuterte Dr. Antonio Casado vom Universitätskrankenhaus San Carlos in Madrid in seinem Vortrag. „Damit gehört es bereits zu jenen Chemotherapeutika, die am Besten gegen das fortgeschrittene Cervixkarzinom wirken.“ Neue Therapieoptionen werden in nächster Zeit nicht erwartet. Getestet werden Chemotherapiekombinationen, die allerdings sehr toxisch sind und derzeit nur unter Studienbedingungen eingesetzt werden. Bis dato galt die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung als einzige Möglichkeit, das Auftreten eines Cervixkarzinoms hintan zu halten.

Impfen schützt erfolgreich

Ab 2006 soll es in Österreich erstmals auch eine Impfung geben, die eine solche Krebserkrankung verhindern kann. Der quadrivalente Impfstoff Gardasil wirkt gegen die HPV-Genotypen sechs, elf, 16 und 18 und zeigte in Studien an insgesamt 25.000 Patientinnen weltweit bisher eine Wirksamkeit von 100 Prozent. Die vom Joint Venture Sanofi Pasteur MSD entwickelte und im Rahmen des 13. ECCO Ende Oktober in Paris vorgestellte Vakzine besteht aus künstlich nachgebauten unschädlichen HP-Viren, die das Immunsystem zur Antikörperbildung stimulieren, damit eine HPV- Infektion verhindert wird.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 46/2005

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