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Zu viele ungewollte Schwangerschaften

Jedes zehnte Mädchen hatte bereits im Alter von 14 Jahren Geschlechtsverkehr, bei den 15-jährigen sind es sogar 25 Prozent. Das „erste Mal“ findet für die meisten völlig überraschend und ohne Verhütungsmittel statt, die Zahl der Schwangerschaften und der Abbrüche ist ansteigend. Auch sexuell übertragbare Krankheiten entwickeln sich immer mehr zu einem Jugendproblem. ÄrztInnen sind gefordert!

Junge Mädchen werden immer früher geschlechtsreif. Durchschnittlich bekommen sie ihre erste Periode bereits mit zwölfeinhalb Jahren, bei vielen ist es aber auch schon mit acht oder neun so weit. Aufgrund der hormonellen Umstellung, aber auch durch die ständige Präsenz des Themas „Sex“ in den Medien erwacht die sexuelle Neugier immer früher. Junge Mädchen auf der Suche nach ihrer weiblichen Identität benötigen heute nicht nur mehr oder bessere Aufklärung, sondern sie müssen sehr früh wirklich handlungskompetent sein. Die meisten Erwachsenen halten die heutigen Jugendlichen für besonders aufgeklärt – schließlich gab es zuvor keine Generation, die unbegrenzteren Zugang zu Informationen über Sexualität hatte und leichter an Verhütungsmittel herankam. Viele Eltern haben die falsche Vorstellung, dass die Medien genügend Aufklärung bieten, weil Sex dort ein tagtägliches Thema ist. Da die Medien jedoch keinem pädagogischen Anspruch verpflichtet sind, sondern sich vielmehr um Einschaltquoten und Auflagenhöhe sorgen, wird Sexualität häufig verzerrt dargestellt. Beziehungsmuster in Soaps, die Rollenklischees in Filmen, die perfekten Körper in Video-clips, Superstars als Vorbilder und die Propagierung von Sex als Muss für Winner-Typen geben nur unzuverlässige Informationen wieder, so dass viele Teenager verwirrt sind und sich unrealistische Vorstellungen aufbauen. So denken sie beispielsweise, dass 70 bis 90 Prozent der Gleichaltrigen bereits sexuell erfahren sind – die realen, sehr viel niedrigeren Zahlen werden nur ungläubig zur Kenntnis genommen.

Um diese Missverständnisse zu vermeiden und den Jugendlichen die Tragweite einer sexuellen Beziehung zu verdeutlichen, muss vor allem im Elternhaus und in der Schule besser und früher aufgeklärt werden. Frauenärztinnen oder -ärzte können dazu beitragen, insbesondere Mädchen zu helfen und Sicherheit zu geben. Viele Ärzte bieten bereits eine Teenagersprechstunde an, in der sie jungen Mädchen durch verständliche Sprache und einfühlsames Engagement helfen, Ängste abzubauen und den eigenen Körper besser verstehen zu lernen. Ärztinnen haben bei dieser Aufgabe einen großen Vorteil: neben der ärztlichen Kompetenz können sie ihre Lebenserfahrung als Frau und oft auch als Mutter in die Waagschale werfen und sind daher für junge Mädchen als Identifikationsmodell besonders glaubhaft. Dies scheint äußerst wichtig, da Mädchen prinzipiell schwerer zu ihrem Körper und zu ihrer Sexualität finden als Jungen. Die wenigsten Mädchen haben jemals Gelegenheit, legitim und kompetent etwas über ihren Körper zu erfahren. Das Wichtigste ist und bleibt aber das persönliche Interesse und fürsorgerische motivierte Engagement, damit die jugendliche Patientin spürt, dass sie tatsächlich mehr als willkommen ist.

Der Gynäkologe, Springer Verlag

Der vollständige Beitrag „Weil ich ein
Mädchen bin...“ von Dr. G. Gille, Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung
der Frau e.V., Lüneburg, ist
soeben in „Der Gynäkologe“, Ausgabe 07/2004, erschienen

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