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Schonende Hysterektomie setzt sich durch

Die laparoskopische suprazervikale (subtotale) Hysterektomie (LASH) bietet gegenüber dem vaginalen oder abdominalen Zugang deutliche Vorteile für die Patientinnen.

Die Hysterektomie zählt mit 5,7 Operationen pro 1.000 Frauen zu den häufigsten operativen Eingriffen in der Gynäkologie. Die meisten Hysterektomien werden auf Grund gutartiger Erkrankungen beziehungsweise Störungen des Corpus uteri wie Endometriose, Myombildung und Wachstum, Verwachsungen, Blutungsstörungen und Adnextumoren durchgeführt, wobei auch neoplastische Veränderungen des weiblichen Genitale wie Endo-metrium-, Ovarial- oder Zervixkarzinom Indikationen zur Hysterektomie darstellen können. Auf Grund des zunehmend effizienten Einsatzes minimal-invasiver Operationsverfahren stellt neben vaginalem und abdominalem Zugangsweg der laparoskopisch durchgeführte Eingriff am Uterus eine wesentliche Alternative zu der noch oftmals gebräuchlichen abdominalen Hysterektomie dar.
Im Gegensatz zu der bei der abdominalen Hysterektomie vorhandenen längeren postoperativen Verweildauer im Krankenhaus, dem erhöhten Risiko der Narbenhernienbildung und des oft unbefriedigenden kosmetischen Ergebnisses bietet die laparoskopische Hysterektomie einige wesentliche Vorteile (siehe Tab. 1).
Eine Erweiterung der minimalen Invasivität des Eingriffes stellt neben der total laparoskopischen Variante (Entfernung der gesamten Gebärmutter) die laparoskopisch supracervikale (subtotale) Hysterektomie (LASH, partielle Gebärmutterentfernung) dar. Der wesentliche Unterschied zur totalen Hysterektomie besteht in der selektiven Entfernung des krankhaft veränderten Gebärmuttergewebes mit Belassen der Zervix uteri, welche im Gegensatz zum Restgebärmutterkörper auch unterschiedliche physiologische Aufgaben (zum Beispiel Schleimproduktion, unterschiedliche Nervenversorgung) erfüllt. Der Einsatz der LASH ist jedoch nur bei gutartigen Erkrankungen des Uterus möglich, wodurch sich folgende klassische Indikationsstellungen ergeben:

  • Meno-/Metrorrhagien bei Therapieresistenz, Adenomyosis uteri
  • Uterus myomatosus mit multiplen Myomen
  • rezidivierende Blutungen nach hysteroskopischen Eingriffen (zum Beispiel Endometriumresektion, Endometriumkoagulation...)

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Das im Gegensatz zu den erwähnten Techniken stehende Belassen der Zervix uteri wurde in den verganenen Jahren oftmals diskutiert, bietet jedoch dem geeigneten Patientengut einige wesentliche Vorteile:

  • auf Grund minimaler Traumatisierung des Peritoneums kommt es postoperativ zu keiner nennenswerten Schmerzsymptomatik
  • durch Belassen des vegetativen zervikalen Nervenplexus (Frankenhäuser) zeigen einige vergleichende Studien eine bessere sexuelle Erlebnisfähigkeit verglichen mit totaloperierten Patientinnen
  • deutliche Verminderung der Rate an postoperativem Harnverhalt und Darmentleerungsstörungen durch minimale Traumatisierung der vegetativen Nervenversorgung
  • Verminderung der postoperativen Prolapsrate durch Belassen des uterinen Aufhängeapparates (Ligg. sacrouterina)
  • im Gegensatz zu operativ hysteroskopischen Eingriffen bei ähnlicher Indikationsstellung Erhöhung postoperativer Amenorrhoe, definitiv bestehende Kontrazeption, fehlendes Risiko eintretender Pathologien (zum Beispiel Endometriumkarzinom) des abladierten/koagulierten Restendometriums.
  • geringere urogynäkologische Komplikationsrate durch fehlende Mobilisation der Harnblase und sichere Distanz des Eingriffes zum Ureter

Durch das Belassen des Gebärmutterhalses gilt jedoch das Fehlen einer zervikalen Pathologie, der Ausschluss eines zervikalen Myoms oder einer Endometriose im Zervikalbereich sowie eine fortbestehende Compliance der Patientin hinsichtlich regelmäßiger gynäkologischer Kontroll- beziehungsweise Abstrichuntersuchungen als Vorbedingung für den Eingriff.
Zwischen 1999 und 2003 wurden an der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe des LKH Villach 210 suprazervikale Hysterektomien durchgeführt. In Tab. 2 sind verschiedene operative Parameter beziehungsweise postoperativ aufgetretene Komplikationen aufgelistet. Die Befindlichkeit der Patientinnen nach der Operation konnte die obig genannten Vorteile bestätigen. Die LASH in der beschriebenen Form stellt eine äußerst komplikationsarme Operationsmethode mit rascher Rekonvaleszenz der Patientin dar. Die Methode verkürzt die Operationszeit, reduziert peri- und postoperative Komplikationen und scheint die Befindlichkeit der Patientinnen im Vergleich zur Totaloperation zu verbessern. Durch den weitgehenden Verzicht auf Einmalgeräte kann diese Methode auch als kostengünstig angesehen werden und sollte das Mittel der Wahl bei einem dafür geeigneten Patientenkollektiv darstellen. n

Kontakt, Literatur:
OA Dr. Othmar Kandolf
Dr. Gernot Hudelist
Prof. Dr. Jörg Keckstein
Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe,
Landeskrankenhaus Villach

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