zur Navigation zum Inhalt
 

Kaiserschnitt schadet Folgeschwangerschaften

Die Sectio gilt als Risikofaktor für nachfolgende Schwangerschaften. Störungen der Plazentation und vorzeitige Plazentalösungen treten danach deutlich häufiger auf.

Bahl R et al. untersuchten im Rahmen einer Kohortenstudie retrospektiv den Einfluss einer Sectio auf das Risiko eines intrauterinen Fruchttodes (IUFT) nach 24 Schwangerschaftswochen (SSW) in der darauf folgenden Schwangerschaft (British Medical Journal. Vol. 328(7435); 311). Die Daten basieren auf den zwei umfassenden schottischen Kranken- und Sterberegistern (Scottish Morbidity Record 1980-1998/ Scottish stillbirth and infant death enquiry 1985-1998). Unter insgesamt 120.633 Einlings-Folgeschwangerschaften fanden die Autoren signifikant mehr IUFTs bei Frauen nach Sectio im Vergleich zu Frauen nach vaginaler Geburt (2,39 versus 1,44 von 10.000 Frauen pro Woche; p<0,001). Signifikant höher war die Fruchttod-Rate ohne erklärbare Ursache, während sich die Rate der Fruchttode mit bekannter Ursache (etwa aufgrund von Uterusrupturen) nicht unterschieden. Das erhöhte Risiko eines unerklärten IUFT zeigte sich ab der 34. SSW und nahm mit weiterer Schwangerschaftsdauer zu. In 39 und mehr Schwangerschaftswochen lag das absolute Risiko für einen unerklärten IUFT nach Sectio bei 1,1 auf 1.000 Frauen versus 0,5 auf 1.000 Frauen nach vaginaler Geburt. Damit ist das Risiko einer unerklärten Totgeburt doppelt so hoch wie das eines perinatalen Todes aufgrund einer intrapartalen Uterusruptur (0,45 auf 1000). Als Erklärungsmodell führen die Autoren eine Beeinträchtigung des uterinen Blutflusses durch Ligatur größerer uteriner Gefäße mit konsekutiver Plazentationsstörung an. Fazit: Die Autoren halten es aufgrund ihrer Daten für erforderlich, das Risiko eines unerklärten IUFT in das Aufklärungsgespräch einzubinden, insbesondere bei Sectiowunsch ohne medizinische Indikation. Darüber hinaus regen die Autoren an, diese Zahlen bei der Geburtsplanung zu berücksichtigen. Ob, wie die Autoren vorschlagen, eine geplante Re-Sectio in 39 SSW zur Senkung des IUFT-Risikos sinnvoll ist, insbesondere in Hinblick auf die steigenden Zahlen von „Wunschsectiones“, bleibt Gegenstand kritischer Diskussion.

Medizine-online.de, Ärzte Woche 4/2005

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben