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„Verlassen können, ohne es zu sein“

Urlaub bedeutet Reisen, möglicherweise andere Zeitzonen und oft auch mehr entspannten Sex. Die Schattenseiten der sonnigen Zeit sind der Wunsch nach Regelverschiebung, Pille vergessen oder gar gastrointestinale Erkrankungen, die Einfluss auf die sonst so zuverlässige hormonelle Verhütung nehmen können.

„Während ‚Frau’ im Inland bei Fragen zu Reisen und Verhütung leicht ihre Gynäkologin oder ihren Hausarzt anrufen kann, stellt sich die Situation bei Auslandsreisen völlig anders dar. Hier steht in der Regel nicht sofort ein Arzt des persönlichen Vertrauens zur Verfügung. Daher sollte man über einige Erkrankungen, die das Risiko einer Schwangerschaft erhöhen beziehungsweise die Wirksamkeit von Kontrazeptive, insbesondere der Pille, herabsetzen, Bescheid wissen“, sagte Dr. Andrea Weghofer vom Medical Center der Yale-University USA bei einer Pressekonferenz in Wien. An erster Stelle steht hier sicher die Gruppe der infektiösen Gastroenteritiden. Schon einfaches Er-brechen binnen drei Stunden nach Einnahme der Pille schwächt deren Wirkungsweise, Ähnliches gilt für heftige Diarrhoen (siehe Tab. 1).

Hitze kann Schaden anrichten

„Eine Überhitzung von Hormonpräparaten über 50 Grad kann grundsätzlich zu einem Wirkverlust führen. Sie dürfen daher nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden“, erklärte Prof. Dr. Sepp Leodolter, Univ.-Frauenklinik Wien. Außerdem gibt es bei Fernreisen auch noch das Problem der Zeitverschiebung. Leodolter: „Hier gilt es, die 12-Stunden-Regel zu beachten. Das bedeutet, dass eine Verschiebung der Pilleneinnahme innerhalb von 12 Stunden zu keinem erhöhten Schwangerschaftsrisiko führt. Ein Problem, das bei der Verwendung des Verhütungsringes oder des Pflasters nicht gegeben ist.“ Zu beachten sei auch, dass Frauen, die viel schwimmen oder stark schwitzen, laufend den korrekten Sitz und die Haftung des Verhütungspflasters kontrollieren sollten. Werden zusätzlich zur Pille Me-dikamente eingenommen, kann es ebenfalls zu einer Veränderung der Zuverlässigkeit kommen. „Verantwortlich dafür ist vor allem das Cytochrom-P-450-System der Leber, das den Abbau der Östrogenkomponente der Pille beschleunigt. Kon-sequenz dieser Enzyminduktion ist ein zu geringer Wirkspiegel und damit die Verminderung des Empfängnisschutzes“, betonte Prof. Dr. Elisabeth Vytiska-Binsdorfer, Univ.-Frauenklinik Wien. Zu den Substanzen, welche die Wirkung der Pille vermindern, gehören unter anderen auch Antibiotika (siehe Tab. 2). Erstes Anzeichen dafür sind Schmierblutungen. „Um auf der sicheren Seite zu sein, ist der Einsatz zusätzlicher Verhütungsmethoden anzuraten“, so die Gynäkologin. Vielen dieser Probleme kann mit dem Verhütungsring aus dem Weg gegangen werden. Durch die Aufnahme der Hormone über die Vaginalschleimhaut werden Darm und damit Leber übergangen. Erbrechen, Durchfall und Medikamenteninteraktionen sind somit bedeutungslos. „Die ‚Vergessensfalle’, die im Urlaub eine wichtige Rolle spielt, entfällt beim Ring. Kommt dann noch eine Zeitverschiebung dazu, wird die Pilleneinnahme zur mathematischen Herausforderung“, sagte OA Dr. Monika Schaffer, Univ.-Frauenklinik Graz. Ein weiterer Vorteil ist der so genannte „Quick-Switch“. Das bedeutet den sofortigen Wechsel von jeglicher Art der hormonellen Kontrazeption auf den Vaginalring. Soll eine Abbruchsblutung vermieden werden, kann ohne Bedenken unmittelbar nach drei Wochen ein weiterer Ring eingesetzt werden. Schaffer: „Der Vaginalring stellt derzeit das kompletteste hormonelle Kontrazeptionssystem dar.“

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