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Eileiterschwangerschaft: Die Warnzeichen erkennen

Die Extrauteringravidität gehört zu den besonders gefürchteten Schwangerschaftskomplikationen und kann unbehandelt immer noch tödlich sein. Diagnoseweisend sind Verlaufsbestimmungen des beta-hCG-Titers.

Die Mortalität bei Extrauteringravidität ist zwar in den letzten Jahren etwas zurückgegangen, beträgt jedoch weiterhin 0,1 Prozent. Auch nach neueren Erhebungen ist sie für zehn Prozent der schwangerschaftsassoziierten Todesfälle verantwortlich, so Prof. Daniel Fink von der Klinik für Gynäkologie des Universitätsspitals Zürich bei der 19. Interdisziplinären Sommer-Seminar-Woche für Medizin Ende Juli in Davos. Die Inzidenz liegt bei einer pro 100 bis 200 diagnostizierten Schwangerschaften. Der häufigste Sitz einer ektopen Schwangerschaft ist die Tube (95 Prozent). In selteneren Fällen ist sie im Zervix, im Ovar, interstitiell oder intraabdominal lokalisiert.
Die wichtigsten Risikofaktoren sind ein Zustand nach einer Extrauteringravidität bzw. einer Tubenoperation oder eine abgelaufene Adnexitis. Aber auch nach einem abdominalchirurgischen Eingriff und nach einem induzierten Abort besteht ein erhöhtes Risiko. Auch wenn trotz eines Intrauterinpessars eine Schwangerschaft eintritt, besteht ein deutlich höheres Risiko. Deshalb sollte in solchen Situationen bei einem induzierten Abort der Uterusinhalt genau histologisch untersucht werden.

Klinisches Bild

Das klinische Bild und der Verlauf sind je nach Lokalisation sehr unterschiedlich. Im Allgemeinen setzen bei einer Eileiterschwangerschaft kurz nach dem ersten Ausbleiben der Regelblutung Schmierblutungen und krampfartige Unterleibsschmerzen ein. Eine langsam zunehmende Blutung aus dem Eileiter verursacht auch Schmerzen und Druckgefühl im kleinen Becken. Unterleibsschmerzen sind ein sehr unspezifisches Symptom, sodass auch bei Nachweis einer Schwangerschaft eine Reihe anderer Erkrankungen diskutiert werden muss.

Niedriger beta-hCG-Titer

Sofort ab dem Zeitpunkt der Implantation wird vom Synzytiotrophoblasten das Glykoprotein beta-hCG gebildet. Deshalb wird der Schwangerschaftstest in der Regel bereits zwischen dem vierten und achten Tag nach der Nidation positiv. Dagegen kann die Schwangerschaft sonographisch erst ab dem 14. Tag sicher nachgewiesen werden. „Gerade in diesem diagnostischen Fenster von zehn Tagen gilt es, die Extrauteringravidität nachzuweisen oder auszuschließen“, so Fink. Diagnoseweisend seien Verlaufsbestimmungen des beta-hCG-Titers. Bei einer normalen Schwangerschaft verdoppelt sich der Titer alle 48–72 Stunden. Bei einer Extrauteringravidität ist er meist niedriger, als es für die Gestationszeit zu erwarten ist, und zeigt keine normale Verdopplungszeit. „Liegt der beta-hCG-Anstieg innerhalb von 48 Stunden unter 50 Prozent, so liegt in rund 99 Prozent eine abnorme Schwangerschaft vor“, sagte Fink.
Finde sich sonographisch ein leerer Uterus, so sei dies höchst verdächtig für eine Extrauteringravidität. Der zusätzliche Nachweis eines einseitigen Adnextumors mache die Diagnose noch wahrscheinlicher. Dann bestehe die Indikation für eine Laparoskopie, wodurch die Diagnose bestätigt wird. Grundsätzlich gilt es, die Extrauteringravidität zu diagnostizieren, bevor das fatale Ereignis der Tubarruptur eingetreten ist.

Zwei Therapieoptionen

Für die Therapie stehen zwei Optionen zur Verfügung, nämlich die chirurgische und die medikamentöse mit Methotrexat. Nach Meinung von Fink ist aufgrund der vorliegenden Evidenz die laparoskopische Chirurgie der offenen vorzuziehen. Bei einer Operation sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um den Eileiter zu erhalten. Die Salpingotomie mit Entfernung des Schwangerschaftsproduktes und Wiederherstellung der Tube ist immer günstiger als eine Salpingektomie, weil ein tubenerhaltender Eingriff die Chance für eine spätere uterine Gravidität verbessert. Die medikamentöse Therapie mit Methotrexat – bei nicht rupturierter Extrauteringravidität – erfordert eine Überwachung mittels beta-hCG-Titer-Bestimmung und Sonographie. Kommt es nach einmaliger Methotrexatgabe nicht zu einem signifikanten Abfall des beta-hCG-Spiegels, ist eine zweite Methotrexatdosis erforderlich. Was die Tubendurchgängigkeit und spätere intrauterine Schwangerschaften betrifft, sind die Methotrexattherapie und die Salpingotomie gleichwertig. Nur das Risiko einer späteren Extrauteringravidität ist nach operativem Eingriff größer als bei medikamentöser Therapie.

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