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Die sanfte Tour mit Säure-Peeling

Vier von fünf Frauen mit HPV-induzierte Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs konnten mit Schälkur geheilt werden.

Wiener Forscher haben eine neue Therapie gegen die Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs entwickelt, die durch eine Infektion mit dem humanen Papillomavirus entstanden sind. Mittels 85-prozentiger Trichloressigsäure wird eine Art „Peeling“ durchgeführt. Die Wissenschafter zeigten, dass bei 82 Prozent der Patientinnen, nach nur einer Anwendung, eine komplette Remission erzielt werden konnte.

Die klassische Therapie der schwerwiegenden Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs besteht aus einem operativen Eingriff, der sogenannten Konisation. Ihre wesentlichste Nebenwirkung ist ein deutlicher Anstieg der Frühgeburtsrate. Eine kürzlich erschienene Arbeit belegt, dass es möglich ist, Betroffenen den belastenden Eingriff und das erhöhte Risiko einer Frühgeburt zu ersparen: durch einen schonenden und vergleichsweise einfachen Eingriff, bei dem 85-prozentige Trichloressigsäure auf die betroffenen Areale am Gebärmutterhals lediglich aufgetupft werden (Geisler S. et al., Obstet Gynecol. 2016 Feb;127(2):353-9).

Die Anwendung der starken Säure führt dazu, dass die erkrankten Bereiche verschorft werden. Die wenigen Nebenwirkungen bestehen im Wesentlichen aus geringen Schmerzen im Zuge des Eingriffs und einem Ausfluss, der rund zwei Wochen dauert und von der Schleimhaut herrührt, die nach der Behandlung abgestoßen wird. Ihnen gegenüber steht das eindrucksvolle Ergebnis der Studie: Acht Wochen nach der Anwendung konnte bei 82 Prozent aller behandelter Frauen eine komplette Remission festgestellt werden.

Eine Option für arme Länder

Prof. Dr. Paul Speiser, Abteilung für allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie der Universitätsfrauenklinik der MedUni Wien/ AKH Wien, Mitglied des Comprehensive Cancer Centers Wien (CCC) und Leiter der Studie: „Das Ergebnis ist äußerst positiv, denn der Eingriff ist für Experten auf dem Gebiet der HPV-bedingten Veränderungen am Gebärmutterhals sehr einfach durchzuführen: Es bedarf außerdem lediglich einer geringen Einschulungszeit, man benötigt keine Geräte oder andere OP-Infrastruktur und die Säure selbst ist auch günstig. Damit steht uns eine echte Alternative bei der Therapie dieser Erkrankung zur Verfügung, die auch für ärmere Länder sehr interessant ist.“

Die 85-prozentige Trichloressigsäure wird schon seit langer Zeit bei medizinischen und kosmetischen Schälkuren eingesetzt. Darüber hinaus wird sie für die Behandlung von Gewebeveränderungen eingesetzt, die durch HPV-Infektionen im Analbereich herrühren. Dieser Anwendungsbereich brachte Speiser auch auf die Idee, die Substanz im Bereich des Gebärmutterhalses einzusetzen. Die vorliegende Studie, die im Rahmen einer Diplomarbeit an der Abteilung für allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie der MedUni Wien entstanden ist, ist allerdings noch keine Grundlage für die breite Anwendung. Speiser: „Dafür fehlen uns noch weitere Daten. In einer neuen Studie werden wir außerdem prüfen, ob man den Therapieerfolg durch eine zweite Behandlung erhöhen kann. Erste Daten deuten darauf hin, dass man mit einer zweiten Behandlung die Erfolgsrate auf über 90 Prozent steigern kann.“

Weitere Herangehensweisen

Die Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV) kann über eine Vorstufe (zervikale intraepitheliale Neoplasie) zu Gebärmutterhalskrebs führen. In Europa sind davon jedes Jahr 205.000 Frauen betroffen, die meisten im Alter zwischen 25 und 30 Jahren. Da leichte Ausprägungen in vielen Fällen spontan abheilen, wird therapeutisch meistens nicht eingegriffen, die Selbstheilung aber mittels engmaschiger Kontrollen überwacht.

Die Standardtherapie bei schwereren Formen ist die Konisation. Dabei werden die veränderten Areale kegelförmig aus dem Gebärmutterhals herausgeschnitten. Der Eingriff erhöht das Risiko einer Frühgeburt erheblich und ist mit weiteren Nebenwirkungen wie Infektionen oder Blutungen verbunden. Alternativ dazu werden Behandlungen mit Kälte (Flüssigstickstoff), Hitze (mit Hilfe eines Elektrogenerators) oder Laser durchgeführt. Diese Verfahren sind alle technisch aufwändig, benötigen ein eigenes Equipment sowie eine Spezialausbildung und sind daher teuer.

PK/MedUni Wien, Ärzte Woche 14/2016

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