zur Navigation zum Inhalt
© fuxart / fotolia.com
Im Ernstfall wie diesem wären die meisten Testteilnehmer bei der Schnittführung der Episiotomie weit daneben gelegen.
 

Goldener Schnitt

Die Crux mit dem richtigen Winkel im Kreißsaal.

Nur wenige Ärzte und Hebammen sind möglicherweise in der Lage, einen Dammschnitt im richtigen Winkel vorzunehmen, wie eine britische Studie offenlegt. Nur 15 % der Studienteilnehmer gelang es, an einem Modell den Schnitt im richtigen Winkel in der Sicherheitszone zwischen 40° und 60° links oder rechts der Mittellinie zu führen.

Ärzte unter anderem von der Universitätsklinik in Croydon haben für ihre kleine Untersuchung die Hypothese aufgestellt, dass alle Ärzte und Hebammen in der Lage sind, eine Episiotomie an einem Modell korrekt in einem Winkel von 60° zu führen. Anders als in Österreich und Deutschland, wo die 45°-Marke empfohlen wird, empfiehlt in England das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) die Schnittführung in einem Winkel zwischen 45° und 60°, um das Risiko für Sphinktertraumen (OASIS: Obstetric Anal Sphincter Injuries) zu minimieren.

Die Wenigsten setzten den Schnitt korrekt

An dem Test nahmen 106 Ärzte und Hebammen teil, die während zweier Tagungen oder am Allgemeinkrankenhaus in Poole dazu eingeladen worden waren. Sie wurden jeweils gebeten, den Schnitt im Winkel von 60° zur Mittellinie zu führen. Es blieb ihnen überlassen, die Episiotomie links oder rechts der Linie zu machen. Dokumentiert wurde, wie groß der Anteil der Studienteilnehmer war, die den Schnitt jeweils in einem bestimmten Winkel geführt hatten. Berücksichtigt wurden Bereiche unter 40° bis über 80° und dazwischen in jeweils in 5°- oder 10°-Schritten.

Das Ergebnis war erschütternd. Nur 15 Prozent der Teilnehmer schafften es, die Episiotomie in einem Winkel zwischen 58° und 62° zu setzen. Mit einem Anteil von 35 Prozent (37 Teilnehmer) wählten die meisten unbewusst einen Winkel zwischen 40° und 50° – und wähnten sich damit auf der sicheren Seite. Fast zwei Drittel der Teilnehmer unter- oder überschätzten sich bei der Entscheidung, wie der Schnitt zu führen sei: Bei 44 Prozent lag der Winkel unter 55°, bei 18 Prozent über 66°. Im Median lag der Schnitt 5 mm von der Mittellinie entfernt.

Um die Episiotomie in dem Moment vorzunehmen, in dem der Kindsscheitel zu sehen ist, müssen Ärzte und Hebammen beim restriktiven Vorgehen in der Lage sein, gedanklich einen 45°-Winkel nochmals zu dritteln, um einen Winkel von 60° richtig abschätzen zu können, wie die Studienautoren betonen. Während der Dehnung des Perineums beim Erscheinen des Köpfchens sei dies eine besondere Herausforderung. Erleichterung könnten nach Ansicht der Ärzte Hilfsmittel sein, mit denen sich der Winkel bestimmen lässt.

Originalpublikation: Naidu M et al. Cutting an episiotomy at 60 degrees: how good are we? Int Urogynecol J 2015; 26: 813–816. DOI: 10.1007/s00192-015-2625-9

springermedizin.de, Ärzte Woche 26/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben