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70 Prozent der fragilen Frühchen überleben in Wien, doppelt so oft wie im weltweiten Schnitt.
 

Erfreuliches aus dem AKH Wien

Neonatologie-Erfolg: MedUni Wien und AKH sind bei der Versorgung der Allerkleinsten weltweit top.

Die Zahlen aus dem Jahr 2014 zeigen: An den Stationen der Neonatologie im Perinatalzentrum der MedUni Wien/AKH Wien gab es bei den unreifsten Frühgeborenen noch nie so gute Überlebensraten wie im vergangenen Jahr.

Von den unreifsten Frühgeborenen in der Schwangerschaftswoche 23, die derzeit als Grenze der Überlebensfähigkeit angesehen wird, überlebten an der Neonatologie im AKH Wien über 70 Prozent aller Kinder. „Weltweit betrachtet liegt der Wert bei einer Überlebensrate von 35 Prozent, damit überleben bei uns doppelt so viele dieser Allerkleinsten“, sagt Angelika Berger, Leiterin der Klinischen Abteilung für Neonatologie, Pädiatrische Intensivmedizin und Neuropädiatrie.

Gleichzeitig wurde das Outcome bei den so genannten „Very-low-birthweight-infants“ (VLBWI), also bei Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm, weiter verbessert: Von allen Frühgeborenen mit weniger als 1,5 kg Geburtsgewicht überlebten an der MedUni Wien/AKH Wien im Vorjahr 161 von 171 Neugeborenen. Das ist eine Überlebensrate von 94,2 Prozent. International gesehen liegt die Rate an den Neonatologien des Vermont-Oxford-Neonatal-Networks, eines Netzwerks von über 900 führenden Neonatologien, bei 85 Prozent.

„Besonders erfreulich ist, dass das Überleben dieser fragilen Patienten nicht auf Kosten einer erhöhten Morbidität erzielt wurde“, erklärt Berger. „Trotz des besseren Überlebens war die Rate an chronischer Lungenerkrankung oder Hirnblutung signifikant niedriger als im internationalen Netzwerk.“

Lob der Geburtshilfe

Der Erfolg fußt auf dem Versorgungskonzept der Neonatologie im AKH Wien, wobei die optimale Betreuung schon vor der Geburt beginnt. „Wir können diese hervorragenden Ergebnisse nur in engster Zusammenarbeit mit unseren Kollegen der Geburtshilfe erzielen“, betont Berger. Ein wichtiger Erfolgsfaktor dieses Versorgungskonzeptes, das 2009 eingeführt wurde, ist eine innovative Behandlungsmethode bei der Erstversorgung extrem unreifer Frühgeborener, die ursprünglich in Köln erfunden und an der MedUni Wien wissenschaftlich weiterentwickelt wurde. Dabei wird die lebensnotwendige Substanz „Surfactant“ ohne Notwendigkeit der künstlichen Beatmung am spontan atmenden Kind verabreicht.

Eine ausreichende körpereigene Surfactantbildung beginnt erst etwa mit der 28. Schwangerschaftswoche, ab der 34. Woche wird die Substanz in den meisten Fällen in ausreichenden Mengen produziert. Surfactant ist eine emulgierende, oberflächenaktive Substanz, die hilft, die Lungenbläschen (Alveolen) offen zu halten. Die Gabe von Surfactant erfolgt mit dieser Methode schonend über eine dünne Sonde am spontan atmenden Kind.

Das neue Versorgungskonzept wirkt. Berger: „Seit 2009 haben sich die Überlebensraten von extrem unreifen Frühgeborenen signifikant immer weiter verbessert.“ Und das, obwohl die Rahmenbedingungen nicht optimal sind: „Wir betreuen diese Kinder derzeit auf fünf Stationen an fünf unterschiedlichen Standorten im AKH, sehr weit voneinander entfernt.“ Durch das Zusammenlegen aller geburtshilflichen und neonatologischen Bereiche im Perinatalzentrum „Universitätsmedizin Wien 2020“ werden weitere Verbesserungen in der Versorgung dieser Hochrisikopatienten und ihrer Familien angestrebt.

MedUni Wien, Ärzte Woche 24/2015

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