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Im Falle von Verhütungspannen

Die „Pille danach“ aus der Apotheke sichert die kompetente Beratung.

Für einen möglichst effizienten Zugang zur Notfallkontrazeption ist diese in Österreich bereits seit Ende 2009 rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Die Apotheke als niederschwelliger Zugang mit kompetenter Beratung hat sich als praktikable Lösung für Frauen nach Verhütungspannen etabliert. Wie Umfragen zeigen, ist der Umgang mit der „Pille danach“ durchaus verantwortungsvoll.

Der weibliche Zyklus wird durch verschiedene Sexualhormone reguliert. Für den Eisprung von besonderer Bedeutung ist das luteinisierende Hormon (LH), das auch als Lutropin bezeichnet wird. Ausgehend vom 1. Tag der Menstruation (Zyklusbeginn) kommt es in der Mitte des Zyklus nach kontinuierlich ansteigender Konzentration zu einem LH-Gipfel (LH-Peak), der die Ovulation, also den Eisprung, auslöst.

Die Notfallkontrazeption wird über einen Eingriff in den LH-Spiegel vermittelt. Dafür stehen die Wirkstoffe Levonorgestrel und Ulipristal-acetat zur Verfügung.

Levonorgestrel. Das synthetische Gestagen verhindert beziehungsweise verschiebt den LH-Peak und damit auch die Ovulation. Hat diese bereits stattgefunden, ist es wirkungslos. Ebenfalls kann die Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle nicht gehemmt werden.

Ulipristalacetat. Der selektive Progesteron-Rezeptor-Modulator verhindert, dass das Hormon Progesteron an seinem Rezeptor andockt. Dadurch wird der Eisprung ebenfalls verschoben. Das ist – im Gegensatz zu Levonorgestrel – auch dann noch möglich, wenn der LH-Spiegel bereits angestiegen ist. Weitere Wirkmechanismen wie ein Einfluss auf die Gebärmutterschleimhaut und das Verhindern der Einnistung der befruchteten Eizelle (Nidation) werden diskutiert.

Tipp: Empfehlen Sie Frauen, die sich unsicher sind, ob die „Pille danach“ bei ihnen angebracht ist, z. B. weil sie ihren Zyklus nicht genau kennen, den Arztbesuch. Auch dann, wenn weiterer Klärungsbedarf, zum Beispiel zur Kontrazeption, besteht.

Im Rahmen des Beratungsgesprächs sollten neben der unmittelbaren Information zur Eignung im jeweiligen Fall auch andere Faktoren angesprochen werden.

Infektionen. Notfallkontrazeptiva bieten keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie Gonorrhoe, Syphillis, HIV, Hepatitis oder der Infektion mit Chlamydien und Humanen Papillomviren. Äußert die Kundin Bedenken in dieser Hinsicht, muss sie den Arzt aufsuchen.

Interaktionen. Diese sind potenziell möglich mit den Arzneistoffen Johanniskrautextrakt, Hypericin, Phenytoin, Pheno-barbital, Carbamazepin, Oxcarbazepin, Primidon, Ritonavir, Efavirenz, Nevirapin, Rifampicin und Rifabutin.

Verdacht auf Gewalt. Auch dieser Punkt sollte im Beratungsgespräch behutsam angesprochen werden. Nach der (eventuellen) Abgabe des Notfallkontrazeptivums ist es wichtig, der Frau weitere Hinweise zu geben, wo sie Hilfe bekommt und sie sollte sich unbedingt zügig einem Arzt vorstellen, damit eventuell vorhandende Spuren zeitnah dokumentiert werden können.

springer-gup.de

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