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Es geht auch Frauenärzte etwas an

Der weibliche Hormonstatus beeinflusst den Knochenstoffwechsel erheblich.

Die Sorge um die Knochengesundheit ist nicht nur Sache des Osteologen. Es gibt gute Gründe dafür, sich auch als Frauenarzt für die Knochen der Patientinnen zu interessieren.

Den ersten Grund liefert bereits der Blick auf die Häufigkeit der Osteoporose. Nach einer Erhebung aus dem Jahr 2009 liegt die Prävalenz in Deutschland bei insgesamt 6,3 Millionen, davon sind aber nur 1,1 Millionen Männer. „Frauen sind fünfmal häufiger von einer Osteoporose betroffen“, rechnete Prof. Dr. Peyman Hadji, Leiter der Sektion Osteoonkologie, Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt, vor.

Insgesamt erkranken 24 Prozent der Frauen, aber nur 6 Prozent der Männer am Knochenschwund. Besonders häufig ist Osteoporose bei Frauen über dem 74. Lebensjahr: Bei 48 Prozent lässt sich in dieser Altersgruppe eine Osteoporose diagnostizieren. Bei ähnlich alten Männern ist das nur bei 15 Prozent der Fall. Wichtig ist es deshalb, sich auch und gerade um die ältere Frau zu kümmern.

Zum zweiten ist der Zusammenhang zwischen dem Estrogenspiegel und der Knochendichte klar belegt.

Estrogen reguliert den Knochenstoffwechsel

Knochenaufbau und Knochenabbau stehen unter dem regulatorischen Einfluss des Estrogens. In der Menopause geht mit der Senkung des Estrogenspiegels auch die Knochendichte deutlich zurück. Dass selbst noch „homöopathische“ Estrogenkonzentrationen im Serum günstig für die Knochengesundheit sind, zeigte eine Studie, die Frauen ohne endogene Estrogenbildung verglich mit Frauen, die noch geringe Estrogenmengen produzierten, nämlich zwischen 5 bis 9 pg/ml. Selbst unter der niedrigen Estrogenkonzentration traten 50 bis 70 Prozent weniger Schenkelhalsbrüche und Wirbelkörperbrüche auf, als wenn kein Estrogen mehr produziert werden konnte.

Auch der Blick in die Onkologie betont die Notwendigkeit, sich als Gynäkologe mit dem Knochen zu befassen. Denn bei Frauen, die wegen eines Estrogenrezeptor-positiven Mammakarzinoms mit einem Aromatasehemmer behandelt werden, steigt das Risiko für eine Osteoporose massiv an. Und damit auch die Gefahr von Frakturen. „Um diese Frauen müssen wir uns kümmern“, sagt Hadji.

Gleichzeitig wies er auf die erheblichen Auswirkungen der postmenopausalen bilateralen Ovarektomie hin, die in einer kürzlich publizierten Studie gezeigt wurden. Nach Ausschluss von Frauen, die Estrogene oder Bisphosphonate erhielten, erleiden diese Patientinnen nach einem solchen Eingriff einen deutlichen stärkeren Rückgang der Knochendichte als Frauen im vergleichbaren Alter ohne Ovarektomie.

HRT zur Primärprävention

Last but not least, hat der Frauenarzt mit der Hormonersatztherapie eine effektive Behandlungsoption gegen Osteoporose in der Hand. Fazit von Hadji: „Der Knochen gehört zu unserem Arbeitsgebiet dazu. Wir sollten uns deshalb mehr um die Knochen der Frauen kümmern.“

Quelle: Hadji P.: „Senium“ in der Vortragsreihe: „Welche Diagnostik und Therapie in welchem Lebensalter – von der Adoleszenz bis ins Senium?“. 6. Hauptthema: Sie fragen – Experten antworten. FOKO Fortbildungskongress, Düsseldorf, 6. März 2015

springermedizin.de, Ärzte Woche 23/2015

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