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© Friso Gentsch / dpa
Biopsien können zytologische Gewebeveränderungen hervorrufen, die sogar als Malignome fehlgedeutet werden können.
 

Nachwirkung der Brustbiopsie

Veränderungen der Mamma nach Gewebeentnahme können Krebs vortäuschen.

Benigne reaktive Gewebeveränderungen nach einer Biopsie per Exzision oder Stanze können bei späteren Kontrollen als maligne Tumoren fehlgedeutet werden.

Die veränderte Architektur und zytologische Zusammensetzung des Gewebes, die sich nach Brustbiopsien ergeben können, lassen sich teils sogar mammografisch nachweisen. Das ist aber nicht das wesentliche Problem, zumal es die Interpretation von Screening-Mammografien in der Regel nicht beeinträchtigt. Echte Schwierigkeiten kann es freilich geben, wenn nach ursprünglicher bioptischer Diagnose etwa einer atypischen duktalen Hyperplasie, einer papillären Läsion oder einer anderen nicht karzinomatösen Veränderung eine Folgebiopsie vorgenommen wird. Hier kann es zur Verwechslung benigner Gewebereaktionen mit infiltrierend wachsenden Malignomen kommen, etwa mit Adenokarzinomen.

Entnahmegebiet unter dem Mikroskop

Pathologen um Lester Layfield von der University of Missouri in Columbia haben 100 Mastektomiepräparate von Frauen untersucht, die sich vor der Entfernung der Brustdrüse einer Exzisions- oder Stanzbiopsie unterzogen hatten. Der Stichkanal bzw. das Exzisionsgebiet kamen unters Mikroskop, die dabei festzustellenden Gewebeveränderungen wurden protokolliert: Die häufigsten Befunde waren Fettnekrosen (62%), Hämorrhagien (32%), Fibrosen (25%) und Fremdkörperriesenzellen (22%). Sie bereiteten den Pathologen keine Probleme. Die Differenzialdiagnose zu Malignomen stellte sich dennoch relativ häufig. So wurden in 16 Prozent der Präparate atypische gangähnliche Strukturen gefunden, die oft an ein gut differenziertes invasives duktales Karzinom erinnerten. Die Abgrenzung gelang hauptsächlich über den Nachweis einer Schicht von myoepithelialen Zellen – oft, aber nicht immer in HE-Färbung; manchmal bedurfte es eines immunhistochemischen Nachweises.

Immunhistochemie hilft weiter

Darüber hinaus enthielten zwölf Prozent der Präparate atypische Spindelzellen, die Knötchen im Stroma bilden und als Sarkome missdeutet werden können. In neun Prozent der Fälle fanden sich atypische Zellen, die das Granulationsgewebe infiltrierten oder unreifes Fasergewebe. Abnorme Gefäße waren in acht Prozent der Mastektomiepräparate präsent, in sechs Prozent fanden die Pathologen Plattenepithelmetaplasien des Drüsenläppchen- oder Gangepithels.

„Die Kenntnis der großen Palette von benignen Veränderungen in Zytologie und Gewebeaufbau nach Biopsien hilft, reparative von malignen Veränderungen abzugrenzen“, stellen Layfield und Kollegen fest. Speziell gelte dies für die relativ häufigen atypischen gangähnlichen Strukturen und die Bezirke mit Plattenepithelmetaplasien. Hier sei die immunhistochemische Färbung myoepithelialer Marker hilfreich, um eine Fehlinterpretation als invasives duktales Mammakarzinom zu vermeiden.

 

Originalpublikation: Layfield LJ et al. Histomorphologic Features of Biopsy Sites Following Excisional and Core Needle Biopsies of the Breast. Breast J 2015, DOI: 10.1111/tbj.12414

springermedizin.de, Ärzte Woche 22/2015

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