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Ein Drittel der Todesfälle bei Schwangeren durch Thrombosen

Düsseldorf. Thromboembolische Komplikationen stehen nach wie vor an der Spitze der Todesursachen bei Schwangeren und Wöchnerinnen. Und das, obwohl es effektive Präventionsmaßnahmen gibt, kritisiert Professor Werner Rath von der Universitätsklinik Aachen.
Um die Situation zu verbessern, plädiert der Leiter der Frauenklinik dafür, bei Schwangeren rechtzeitig nach genetisch bedingten Gerinnungsstörungen wie der APC (aktiviertes Protein C)-Resistenz zu fahnden und eventuell konsequent mit niedermolekularen Heparinen zu behandeln.

Ältere Schwangere und Schnittentbindungen

"Etwa 30 bis 40 Prozent der Todesfälle bei Schwangeren und Wöchnerinnen gehen auf das Konto thromboembolischer Komplikationen", sagte Rath beim Fortbildungskongress der Frauenärztlichen Bundesakademie in Düsseldorf.
Und die Tendenz hierfür sei steigend, betonte der Gynäkologe. Ein Grund hierfür ist das steigende Durchschnittsalter der Schwangeren. Ein weiterer Grund: Es werden - häufig auf Wunsch der Frauen - immer häufiger Schnittentbindungen vorgenommen. Bei einer Sectio ist das Risiko für thromboembolische Komplikationen um den Faktor 2,5 bis 10 höher als bei einer vaginalen Entbindung, wie Rath berichtet hat. Und: Bei 45.000 vaginalen Entbindungen stirbt eine Frau an einer Lun- genembolie, im Vergleich dazu stirbt eine Frau bei 17.000 Schnittentbindungen.

Gerinnungsstörungen beachten

Deutlich verringern lässt sich das Risiko für thromboembolische Komplikationen durch eine rechtzeichtige Prophylaxe bei Schwangeren mit erhöhtem Thromboserisiko, so Rath. Und das seien vor allem Frauen mit genetisch bedingten Gerinnungsstörungen, etwa einer APC-Resistenz, einem Protein-C- oder einem Antithrombin-III-Mangel. "Um solche Patientinnen herauszufinden, sollten wir bei allen Schwangeren, die bereits selbst einmal eine Thrombose hatten, oder deren Mütter eine solche Gefäßkomplikation hatten, ein Thrombophilie-Screening machen", sagte Rath in einem Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Heparinprophylaxe

Wird eine Gerinnungsstörung gefunden, empfiehlt der Gynäkologe, ab der zwölften Schwangerschaftswoche konsequent mit niedermolekularen Heparinen zu behandeln. Denn: Aus den Daten einer Studie mit 119 Frauen wurde berechnet, dass bei Schwangeren, die zum Beispiel eine Faktor-V-Mutation haben, die Wahrscheinlichkeit, eine Venenthrombose zu entwickeln, eins zu 500 beträgt, und bei einer Prothrombin-Mutation beträgt sie eins zu 200 (NEJM 342, 2000, 374).
Zum Vergleich: Bei schwangeren Frauen ohne eine Gerinnungsstörung ist nur bei einer von 1.500 Frauen mit einer Venenthrombose zu rechnen.

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