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Die schmerzfreie Geburt birgt Gefahren

Die geburtshilfliche Anästhesie unterscheidet sich schon deshalb von allen anderen Narkoseformen, weil sie gleichzeitig zwei "Patienten" betrifft. Bei den Schwangeren handle es sich meist um gesunde Frauen, die sich eine sanfte, natürliche und möglichst schmerzarme Geburt zum Zeitpunkt ihrer Wahl wünschen. "Alles unrealistisch, wenn dabei nicht an die Anästhesie gedacht wird!" kommentierte Dr. Angelika Flynn, Anästhesistin im Krankenhaus der Stadt Wien Lainz, bei einem "Collegium Publicum´. "Die Vorteile der Wunschsectio mit Epiduralanästhesie sind durchaus bekannt, die Risiken der Anästhesie in der Schwangerschaft jedoch nicht." Die Beteiligten haben eine hohe Erwartungshaltung und befinden sich immer in einer emotionalen Ausnahmesituation. Der Anästhesiebedarf bestünde in 70 Prozent wegen der Schmerzen. Das Risiko bei einer Anästhesie erhöht sich durch Adipositas, vorangegangene Kaiserschnitte, Geburt "nach Plan" und höheres Alter.

Risiken der Allgemeinnarkose

Als häufigste Todesursachen finden sich Thrombosen/Embolien bei 36 Prozent der Todesfälle, das ist 6mal häufiger als bei Nichtschwangeren und erhöht sich bei Sectio auf das 10- bis 20-fache. Die nächsthäufige letale Komplikation sind Blutungen (16 Prozent). Flynn: "Anästhesiebedingte Todesursachen belegen derzeit den Platz 6 bei den Todesursachen in der Geburtshilfe, nehmen aber kontinuierlich ab. 

Die Hauptrisiken bei Allgemeinnarkose sind:

  1. Hypoxie und Asphyxie. Aspiration, Intubationsprobleme und insuffiziente Beatmung werden unter dem Begriff "difficult airway" zusammengefasst, Risiko 1 : 200 bis 300
  2. Atemstillstand (Lysthenon!)
  3. Anaphylaxie
  4. Intraoperative Wachheit
  5. fetale Depressio

Der Leitsatz lautet daher: Allgemeinnarkose ist kontraindiziert, wenn Lokalanästhesie möglich ist!

Rechtzeitig aufklären

Natürlich gibt es auch Risiken und Kontraindikationen für die Regionalanästhesie. Zu den wichtigsten absoluten KI gehören ablehnende oder unkooperative Patientinnen, Gerinnungsstörungen, Infektionen an der Punktionsstelle und erhöhter Hirndruck. Relative KI gibt es bei neurologischen, kardialen oder systemischen Erkrankungen. Zu erwähnen sei aber auch eine Versagerquote von 10 Prozent, so die Expertin. Hauptvorteile der Regionalanästhesie sind Reduktion der mütterlichen und fetalen Mortalität, fehlende Aspirationsgefahr und erhaltenes "Geburtserlebnis". Das Verfahren ist daher bei jeder Operation in der Schwangerschaft indiziert, jedenfalls bei vaginalen Entbindungen mit Pathologie, mit Sectiowahrscheinlichkeit, Wunsch nach Schmerzlinderung und bei Adipösen. "Über die Risiken aller Verfahren sollten schwangere Frauen zeitgerecht aufgeklärt werden. Eine gute Gelegenheit dazu bietet das Schwangerenturnen. Im Mutter-Kind-Pass sollte das Gespräch dokumentiert sein", so Flynn abschließend.

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