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Aktion "Schwanger und verzweifelt?"

Das Thema Kindesweglegung ist stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Vor allem auch durch die Diskussion, wie eine anonyme Geburt legal ablaufen kann oder wie ein "Babynest" genau aussehen soll. Inzwischen gibt es in mehreren Bundesländern entsprechende Angebote und gesetzliche Bestimmungen. Das alleine, ist Salzburgs Gesundheitslandesrätin Dr. Maria Haidinger überzeugt, reicht aber nicht aus.

Daher wurde im Land Salzburg ein Maßnahmenpaket ausgearbeitet, das verzweifelte, wegen einer ungewollten Schwangerschaft in Not geratene Frauen auffangen und ihnen unbürokratisch und anonym medizinische und psychologische Betreuung bieten soll. Denn anonyme Geburt und Babynest können lebenserhaltende Maßnahmen für die betreffenden Kinder sein, lösen aber nicht andere Probleme, die sich für verzweifelte Schwangere stellen.

Frühe Begleitung

Prim. Dr. Josef Rücker, der auf der Neonatologie im St. Johanns-Spital - dort gibt es auch ein Babynest - arbeitet, hat im Auftrag des Landes ein psychologisches Begleitprojekt ausgearbeitet. Dieses soll die nächsten zwei Jahre lang laufen. Zentrales Element: Frauen soll möglichst früh Begleitung angeboten werden. Von den Ergebnissen dieser erstmals durchgeführten Studie erhofft man sich wertvolle Ergebnisse über psychische Störungen während der Schwangerschaft und nach der Geburt. Dadurch soll eine Verbesserung der prophylaktischen Maßnahmen zur Vermeidung von Kurzschlusshandlungen erreicht werden. 

Maßnahmenpaket

Vorgesehen ist im Rahmen des Maßnahmenpakets eine enge Kooperation mit niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Gynäkologen: Frauen, die ungewollt oder ungeplant schwanger wurden, sollen sich ernst genommen fühlen und eben möglichst früh Unterstützung bekommen. Eingebunden in diese Kooperation sind auch verschiedene Beratungsstellen: das Frauenhaus und der Frauennotruf, die Kinder- und Jugendanwaltschaft, die Telefonseelsorge, Familienberatungsstellen sowie regionale Vereine und die Bezirkshauptmannschaften. Weiters eingebunden werden alle geburtshilflichen Abteilungen, die demnächst von Haidinger und einem Expertenteam zum Thema besucht und informiert werden. 

Geplant sind auch gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte und die Mitarbeiter dieser Stellen - sie sollen die reibungslose gegenseitige Kommunikation sicher stellen und Fachwissen für die Begleitung von Schwangeren in Notsituation kontinuierlich vermitteln. Zum Start der Umsetzung des Maßnahmenpakets wurde zusätzlich eine Krisenhotline eingerichtet, die 24 Stunden lang kostenlos unter 0800/539 935 zu erreichen ist. Sie wird von der Kriseninterventionsstelle von Pro Mente Salzburg betreut. Diese stellt sicher, dass sich speziell ausgebildete Psychologen und Psychotherapeuten einfühlsam der Sorgen und Problemen der Anruferin annehmen. Vor allem an Wochenenden, Feiertagen und nachts wird Pro Mente über die Krisenhotline eine Anlaufstelle für Frauen in akuten Not- und Krisensituationen sein. 

Alle Maßnahmen werden durch eine groß angelegte Informationskampagne begleitet - in diese sind alle Partner der Aktion einbezogen: Ärzte, Beratungsstellen, Spitäler sowie Apotheken, Schulen, Familienbeauftragte in Gemeinden, Bürgerservicestellen usw. Ein spezieller Folder liegt in vier Sprachen vor und enthält alle wichtigen Adressen sowie Basisinformationen zum Thema und zu Bereichen wie Adoption.Eingerichtet wurde weiters eine eigene Web-Site mit ähnlichen Inhalten: www.babynest-salzburg.at. Auch die wichtigsten Salzburger Medien haben eine Unterstützung der Aktion zugesagt. Ein gutes Beispiel dafür, wie eine interdisziplinäre gemeinsame Vorgehensweise zu einem ganzheitlichen Problem aussehen kann.

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