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Gestationsdiabetes: Wie screenen, wie behandeln?

Unter Gestationsdiabetes versteht man eine Kohlehydratintoleranz, die erstmals in der Schwangerschaft diagnostiziert wird - "sofern die entsprechenden Untersuchungen überhaupt stattfinden. Das Screening hilft bei der Vermeidung mütterlicher und fetaler Risiken, ist jedoch im Mutter-Kind-Pass nicht vorgeschrieben", bemängelt Dr. Heinz Scholz, Universitätsklinik für Frauenheilkunde Graz.

Screeningmethoden

Der orale Glukose-Toleranz- Test (oGTT) sollte in der 26. bis 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden: die Schwangere erhält 75 g Glukose, gelöst in 250 ml Wasser. Der kapillare Glukosewert wird nüchtern sowie ein und zwei Stunden nach der Belastung gemessen. Die oberen Grenzwerte liegen bei 90 - 160 - 140 mg %. Die Inzidenz erhöhter Werte liegt im deutschen Sprachraum bei drei bis fünf Prozent der Untersuchten.

Bei allen Patientinnen mit erhöhten Werten sollte in der 30. Schwangerschaftswoche das Fruchtwasserinsulin mittels Amniozentese festgestellt werden.

Zu diesem Zeitpunkt hat das kindliche Pankreas bereits genügend Kapazität, um auf ein erhöhtes Glukoseangebot mit Hyperinsulinismus zu reagieren und damit eine dauerhafte Schädigung seiner Beta-Zellen zu erleiden. Andererseits besteht - im Gegensatz zur Frühschwangerschaft - praktisch kein Risiko für Mutter oder Kind durch die Amniozentese. Die Punktion kann ambulant durchgeführt werden. Die Akzeptanz durch die Mütter sei nach entsprechender Aufklärung hervorragend, so Scholz. Als oberer Grenzwert wurden 8 uE/ml empirisch ermittelt.

Bei 84 Prozent der Patientinnen mit herabgesetzter Toleranz (BZ nach 1 Stunde über 160 mg%) ist das Fruchtwasserinsulin normal (Klasse A) , bei 11 Prozent erhöht (Klasse B). Nur bei 5 Prozent liegt bereits der Nüchternwert über 130 mg% (Klasse B null), sie brauchen Insulin aus mütterlicher Indikation.

Zur Indikationsstellung der Insulintherapie aus kindlicher Indikation kommt nur die Fruchtwasseruntersuchung in Frage, da meist eine schlechte Korrelation zwischen mütterlicher Blutglukose und fetaler Stoffwechsel-Situation besteht. Die Ursachen liegen im Einfluss der Plazenta und der fetalen Stoffwechselvarianten. Außerdem kann es durch "fetalen Glukose-Diebstahl" zu einem Absinken der mütterlichen Werte kommen. Auch eine im Ultraschall festgestellte fetale Makrosomie ist ein zu unspezifisches Zeichen: nur 5 Prozent sind diabetogen.

Therapiemöglichkeiten

Als Basisbehandlung jedes Gestationsdiabetes wird eine modifizierte Diabetesdiät mit mäßiger Kalorienreduktion vorgeschlagen: 30 bis 35 kcal pro kg Idealgewicht, aufgeteilt auf 5 bis 6 Portionen. 50% der Kalorienmenge sollten aus langsam resorbierbaren Kohlehydraten bestehen.

Der Eiweißbedarf wird durch Milchprodukte und mageres Fleisch gedeckt. Erweist sich Insulin als nötig, gibt man 20 bis 30 Minuten vor dem Essen einen Basis-Bolus. Der Bedarf kann nur empirisch ermittelt werden mit einem Beginn von 8/4/4/8 E und schrittweiser Anhebung innerhalb von 5 bis 7 Tagen, wobei die Ersteinstellung meist stationär erfolgt.

Quelle: Vortrag im Rahmen des "V. Update in der Frauenheilkunde", 15./16.März 2001, Wien

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