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Angst vor einer Geburt muss nicht sein

"Die Geburtsvorbereitung, wie wir sie kennen, gibt es erst seit etwa 70 Jahren", erklärte Dr. Hans Neumann, Vorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatik in der Gynäkologie und Geburtshilfe, beim Symposium "Gebären - Lust und Leid" Anfang März in Linz. Ein wesentlicher Aspekt war schon immer der Umgang mit dem Schmerz bei der Geburt. Heute gebe es dazu eine Vielzahl gut dokumentierter medizinischer und komplementärer Methoden: vom Kreuzstich über Akupunktur bis hin zum Einsatz von Aromaölen.

Auseinandersetzung mit dem Thema Geburt

"Eine moderne Geburtsvorbereitung soll Frauen und ihren Lebensgefährten helfen, bewusst zwischen den verschiedenen Angeboten entscheiden zu können", fordert Neumann. Voraussetzung dafür sei zum einen Information, zum anderen die Auseinandersetzung mit dem Thema Geburt, mit Atmungs- und Entspannungstechniken. Schon der bekannte französische Gynäkologe Dr. Frédérik Leboyer betonte: "Weder Frauen noch die betreuenden Hebammen und Ärzte sollten vor der Angst vor Schmerzen, vor Schwierigkeiten bei der Geburt davonlaufen." Auch Neumann ist überzeugt, dass die Vielzahl an Methoden zur Schmerzreduktion nicht die Auseinandersetzung mit dem Schmerz ersetzen kann.

Geplante Sectio ist umstritten

Als weiteren Aspekt, der eine intensive und einfühlsame Aufklärung erfordert, nannte Prof. Dr. Peter Husslein, AKH Wien, die geplante Sectio: "Diese mag manchmal als der einfachere, unkompliziertere Weg erscheinen, und es wird entsprechend positiv darauf hingewiesen." Der Verlust des natürlichen Geburtserlebnisses könne aber psychische Folgen für die Mutter haben. "Eine Sectio vorzunehmen, nur weil sie eben weniger Arbeit zu verursachen scheint, ist auf keinen Fall ein guter Weg der Auseinandersetzung mit dem Geburtsschmerz", betonte Husslein. "Besteht der Wunsch nach einer geplanten Sectio, ist dieser ernst zu nehmen und eine gründliche Aufklärung anzubieten."

Ausbildungsmanko bei Geburtsvorbereitung

Neumann sieht sowohl bei Allgemein- als auch Frauenärzten ein Ausbildungsmanko hinsichtlich Geburtsvorbereitung. Er regt deshalb an, mit Schwangeren und deren Lebenspartnern Kontakt zu pflegen bzw. einen Erfahrungsaustausch zwischen werdenden Müttern und Vätern gezielt zu fördern. "Dabei müssen alle Fragen erlaubt sein", betont der Gynäkologe.

In der Geburtsvorbereitung wie in der Wochenbettbetreuung empfiehlt er der Kollegenschaft, intensiv mit Hebammen, Phy- siotherapeuten, Krankenschwestern beziehungsweise geprüften Still- und Laktationsberaterinnen zu kooperieren: "Die Vorbereitung darf sich nicht nur auf den unmittelbaren Vorgang der Geburt konzentrieren. Es geht dabei auch um eine Auseinandersetzung mit Gesundheits- und Pflegethemen, mit der neuen Rolle als Eltern sowie um die ganzheitliche Gestaltung der ersten Wochen nach der Geburt. Auch im Mutter-Kind-Pass sollte auf die Bedeutung der Geburtsvorbereitung hingewiesen werden.

"Nach wie vor nehmen nur etwa ein Drittel der Schwangeren entsprechende Angebote an", bedauert Neumann. Zum Teil liege dies auch an der gebotenen Bandbreite. In ländlichen Regionen könne Geburtsvorbereitung für Ärzte durchaus als Zuverdienst interessant sein. Außerdem werde damit ein spezielles und dezentrales Service für werdende Eltern geboten und langfristige Kontakte zu jungen Familien aufgebaut.

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