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Projekt "Frühlingskind" - Hilfe zur Selbsthilfe bei Frühgeborenen

"Es ist uns eine Herzensangelegenheit, für alle Kinder, die krank, gesund, behindert oder sonstwie in Not sind, da zu sein", sagt Andrea Schwarz, Vorsitzende des 1999 gegründeten gemeinnützigen Vereins MOKI (Mobile Kinderkrankenpflege). Ende August wurde das neueste Projekt "Frühlingskind" vorgestellt. Diplomierte Kinderkrankenschwestern stehen den Eltern von Frühchen zu Hause in der Betreuung der Neugeborenen mit Rat und Tat zur Seite.

Im Jahr 1999 erblickten in Österreich 7.621 Kinder zu früh das Licht der Welt. Davon wogen 297 bei ihrer Geburt unter 1.000 Gramm. "Diese "Frühlingskinder² bedürfen sowohl im Krankenhaus als auch danach einer besonderen Betreuung", erklärt die Expertin. Die meisten von ihnen müssen sehr hart und sehr lange um ihr Leben kämpfen.

Tiefe Verunsicherung

Doch irgendwann kommt die Entlassung, und Mutter und Vater übernehmen die alleinige Verantwortung. "Besonders bei wochenlangen Krankenhausaufenthalten sind die Eltern zutiefst verunsichert und trauen sich die Betreuung ihres Kindes einfach nicht mehr zu", berichtet die oberösterreichische Krankenschwester Judith Sturm- berger- Sambs aus der täglichen Praxis. Gerade zu Beginn würden sie aber Hilfe bei der Pflege sowie jederzeit erreichbare, kompetente Ansprechpartner bei Problemen benötigen, bestätigt Barbara Kumpf, Pflegedirektorin an der Landeskinderklinik Linz.

Ziele dieses bundesweiten Projektes sind die Schaffung optimaler Bedingungen für zu früh geborene Kinder im elterlichen Umfeld, die Senkung von Betreuungskosten, z.B. durch verlängerte Krankenhausaufenthalte, und in weiterer Folge eine Entlastung der Spitäler. Die mobilen Kinderkrankenschwestern ergänzen die ärztliche Betreuung. Sie können entweder über den Arzt zu einem kranken Kind gerufen oder "vorsorglich" für die Beratung in Säuglings- und Ernährungsfragen angefordert werden.

Der Idealfall

"Selbstverständlich können uns auch besorgte Eltern verständigen. Im Idealfall kontaktiert uns das Krankenhaus bereits vor der Entlassung eines Kindes", berichtet Schwarz. Gemeinsam erfolge dann die Erstellung eines Pflegeplanes sowie die Festlegung des Betreuungsumfanges. Das Projekt "Frühlingskind" gibt es bisher in Wien, NÖ, OÖ und dem Burgenland. Geplant ist, diesen Dienst bis Ende 2001 österreichweit anzubieten. "Im Sinne der Kinder würden wir gerne intensiver mit niedergelassenen Ärzten zusammenarbeiten", betont Schwarz. Die Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern (Univ.- Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde Wien, KH Mödling, Landeskinderklinik Linz, KH der Barmherzigen Brüder Eisenstadt) bezeichnet sie als hervorragend.

"MOKI" stellt noch andere Unterstützungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung, wie Beratung und Hilfe bei behinderten, chronisch kranken oder krebskranken Kindern sowie Hilfe bei Pflegetätigkeiten nach Spitalsaufenthalten und ambulanten Eingriffen. Interessenten können, die Koordinatorinnen unter den unten angeführten Telefonnummern bzw. per E-Mail kontaktieren.

Die Hilfe der mobilen Kinderkrankenschwestern kann in den ersten drei Monaten nach dem Spitalsaufenthalt in Anspruch genommen werden. Danach dienen sie einmal pro Monat als Ansprechpartner. "Erfahrungsgemäß schaffen es die Eltern in dieser Zeit, Boden unter den Füßen zu bekommen und wieder ihrer eigenen Kompetenz zu trauen", berichtet Sturmberger- Sambs.

Selbstkostenanteil

Die Raiffeisen Versicherung unterstützt die Initiative mit einem Hilfsfonds. Dadurch beträgt der Selbstkostenanteil für Eltern nur ATS 50,- pro Stunde. "Wir erachten es für äußerst wichtig, dass viele Betroffene die Dienste der Aktion ±Frühlingskind² in Anspruch nehmen können", betont Mag. Hans-Georg Mayer das Engagement seiner Firma. Im Gegensatz zu den USA sei "Social Sponsoring" bei uns noch nicht sehr verbreitet. "Für uns", so Mayer, "ist es eine Verpflichtung."

Dr. Sabine Schneider, Ärzte Woche 38/2001

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