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Extrem kleine Frühchen

Aufgrund einer deutliche Zunahme der extremen Frühgeburten werden Goldstandards bei der Betreuung der Geburt notwendig. Eine Prognose für die Säuglinge ist kaum möglich.

"In den letzten zehn Jahren ist die Neugeborenenzahl mit einem Geburtsgewicht unter 1.000 Gramm um mehr als 50 Prozent angestiegen", erklärte Prof. Dr. Heinrich Salzer bei einer Veranstaltung im Kongresszentrum Wilhelminenberg.
Die Ursachen sind meist vaginale Infektionen, PROM (Premature Rupture of Fetal Membranes), Mehrlingsschwangerschaften, Cervixinsuffizienz, Gestose, HELLP-Syndrom und Tumore. Von einer Frühgeburt spricht man von der 24. + 0 Schwangerschaftswoche (SSW) bis zur SSW 33 + 6.
Vor diesem Zeitraum werden die Frügeburten nach einer Empfehlung der Schweizerischen Gesellschaft für Neonatologie wegen der hohen Gefahr einer schweren Behinderung nicht intensivmedizinisch, sondern nur palliativ behandelt. Säuglinge mit einem Geburtsgewicht zwischen 800 und 1000 g haben Chancen, bei Erreichen des Volksschulalters keinen Rückstand gegenüber normalgeborenen Kindern aufzuweisen.

Anzeichen einer Frühgeburt

Bei einer drohenden oder in Gang befindlichen Frühgeburt muss die Situation und der fetale Zustand rasch eingeschätzt werden. Zu den Charakteristika der drohenden Frühgeburt gehören neben der Wehentätigkeit, einer Cervixverkürzung unter 25 Millimeter, ein sich öffnender Muttermund und Abgang von Blut beziehungsweise Fruchtwasser. Zusätzliche Hilfe leisten CTG, Doppler und Biometrie sowie blutchemische Daten.
Die Therapie umfasst Tokolyse über 48 Stunden mittels Betamimetika oder Oxytocin-Antagonisten, fetale Lungenreifung durch Betametason und Antibiotikagabe. Falls die Zeit noch bleibt, ist ein vorgeburtlicher Transport in ein entsprechendes Zentrum anzustreben. Ist es dafür zu spät, ist zwischen SSW 24. + 0 und 24. + 6 das Vorgehen individuell zu regeln. Ab der 25. SSW sollte der erfahrenste Geburtshelfer unter standby des Neonatologen eine Sectio durchführen.

Bewegungshäufigkeit

Die korrekte Gefahreinschätzung einer fetalen Retardierung mit kleinen Biometriemaßen ist nicht möglich, da diese nicht mit einem besonders kleinen Geburtsgewicht einhergehen müssen. Bei fetalen Mangelzuständen kann es vorerst zu einer Phase der Adaptation und erst später zur Wachstumseinstellung kommen. Einen Anhaltspunkt bietet die Beobachtung der Häufigkeit von den Bewegungen des Kopfes, der Arme und der Beine.
Das kleinste Frühchen, ohne bleibende Schäden, war ein Mädchen mit einem Geburtsgewicht von nur 420 Gramm. Der Entwicklungsverlauf sehr kleiner Frühgeborener ist durch zahlreiche Risikofaktoren gefährdet. Im Mittelpunkt stehen häufig kardiale und pulmonale, aber auch neurologische Probleme. Das Outcome in der kognitiven und sozio-emotionalen Entwicklung ist völlig unterschiedlich.

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