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Neuralrohrdefekte sind vermeidbar

In Österreich sind von Neuralrohrdefekten etwa 1,5 von 1.000 Geburten betroffen, das entspricht etwa 70 bis 80 Kindern pro Jahr - im Bereich der Häufigkeit von Fehlbildungen eine sehr hohe Zahl. Während man in Großbritannien bereits vor Jahren das Problem der Prävention von Neuralrohrdefekten in den Griff bekommen hat, wissen in Österreich viele ÄrztInnen kaum Bescheid, wie diese Missbildung effizient verhindert werden könnte. Deshalb startete die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie gemeinsam mit führenden KinderärztInnen und mit der Unterstützung des Grünen Kreuzes für Vorsorgemedizin einen neuen Anlauf, um durch ein Mehr an Aufklärung die Situation zu verbessern.

Erschütternde Studienergebnisse

Prim. Prof. Dr. Karl Zwiauer, Leiter der Kinderabteilung des Krankenhauses St. Pölten:
"Um das entsprechende Bewusstsein zu erheben, haben wir in zwei Untersuchungen auf Basis fragebogengestützer Interviews rund 540 Frauen befragt: Ziel war, zu sehen, ob sich nach den - in Österreich seit 1998 publizierten - Empfehlungen zur Folsäuregabe im Präventionsverhalten der ÄrztInnen etwas geändert hat." Die Ergebnisse waren geradezu erschütternd. Nur 1 bis 2 Prozent der Frauen erhielten rechtzeitig Folsäure. Im entscheidenden Zeitraum bis zur 4. Woche war sogar ein Rückgang festzustellen! Folat wird zwar nicht selten substituiert, aber meist zum falschen Zeitpunkt.

Ideale Folsäuregabe: Präkonzeptionell

Die ideale Gabe erfolgt präkonzeptionell, da sich das Neuralrohr in den ersten Wochen entwickelt. Nach der 5. Woche hat Folat auf Neuralrohrdefekte keinen Einfluss mehr! Empfohlen wird die Substitution mit einer Dosis von 4-5 mg pro Tag für Frauen, die schon ein Kind mit Spina bifida haben, und 0,4 mg pro Tag für Frauen, die keine belastende Vorgeschichte haben und schwanger werden wollen.
Auch der Leiter der Universitätskinderklinik in Wien, Prof. Dr. Arnold Pollak, greift das heiße Eisen an und beschreibt die Situation so: "Im Detail handelt es sich um folgende Fehlbildungen: Myelomeningozele, Spina bifida und Anenzephalie.
Werden die Fehlbildungen während der Schwangerschaft erkannt, erfolgt ein Schwangerschaftsabbruch aus medizinischer Indikation. Im individuellen Fall gerechtfertigt, kann dies kein generelles Konzept für eine Problemlösung darstellen."

Die Aussicht für jene Kinder, die mit einem Neuralrohrdefekt geboren werden, sind schlichtweg katastrophal. Sie sind meistens an beiden Beinen gelähmt, stuhl- und harninkontinent und enden als Menschen mit maximalem Handicap im Rollstuhl. Zusätzlich kommt es oft zum Hydrozephalus, der mittels Shunt entlastet werden muss.
Die Salzburgerin Claudia Dux, Sprecherin der Selbsthilfegruppe "Selbsthilfegruppe Spina bifida und Hydrocephalus", betonte die enorme Last, die ein solches Kind für die Eltern darstellt.

Dringender Handlungsbedarf

Die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe unter ihrem Präsidenten Prof. Dr. Norbert Pateisky hat den Handlungsbedarf erkannt und dieses Thema zu einem der diesjährigen Schwerpunkten ihrer Arbeit erklärt: "Unser vordringliches Ziel in dieser Sache ist es jetzt, diese Tatsache den Frauen und Familien nachhaltig zur Kenntnis zu bringen, damit der gezielte Folsäureersatz von Frauen mit Kinderwunsch entsprechend wahrgenommen wird."
Prof. Dr. Peter Schwärzler, Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Innsbruck, spricht ein weiteres Problem an - die Diagnostik. Laut Schwärzler dürfe man in der Ultraschall-Routinediagnostik nicht mit veralteten Messmethoden arbeiten, sondern müsse unbedingt die so genannte "Nackenfaltenmessung" durchführen.

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