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Bei übergewichtigen Frauen wird die Pille schwach

Die Negativliste des Übergewichts muss erweitert werden: Ab einem BMI von 27,3 beziehungsweise 74,8 Kilogramm Körpergewicht verlieren orale Kontrazeptiva stark an Wirkung.

In einer Fall-Kontroll-Studie wurden 248 Frauen, die zwischen 1998 und 2001 trotz regelmäßiger oraler Kontrazeptiva schwanger wurden, mit 533 altersgleichen Kontrollen, die im gleichen Zeitraum ebenfalls Hormone zur Verhütung einnahmen und regelmäßigen Geschlechtsverkehr hatten, verglichen. Der Vergleich von Kontrollen und Fällen in den drei unteren Quartilen des Bodymass-Index (BMI) ergab keinen Unterschied. Aber in der obersten Quartile (BMI über 27,3 Kilogramm/Quadratmeter) stieg das Risiko einer Schwangerschaft um 60 Prozent, bei einem BMI über 32,2 sogar um 70 Prozent an. Bei einer Analyse von Frauen, die sich genau erinnern konnten, keine einzige Dosis vergessen zu haben, lag der Unterschied sogar deutlich über 100 Prozent.
Auf das Körpergewicht bezogen ergab sich das gleiche Bild: Schwangerschaftsrisiko um 70 Prozent beziehungsweise das Doppelte erhöht bei einem Gewicht über 74,8 beziehungsweise 86,2 Kilogramm. Starkes Übergewicht verringert also den Schutz durch orale Kontrazeptiva vor einer Schwangerschaft. Die Daten lassen einen Schwelleneffekt erkennen. In den untersten drei Quartilen zeigt sich noch kein Unterschied, aber ab einem BMI von 27,3 Kilogramm pro Quadratmeter beziehungsweise einem Gewicht von 74,8 Kilogramm steigt das Risiko von ungewollten Schwangerschaften erheblich. Verschiedene biologische Mechanismen, ein schnellerer Abbau der Hormone bei Übergewicht infolge gesteigerten Stoffwechsels oder erhöhter Clearance in der Leber, evt. auch der größere Verteilungsraum kommen als Ursachen in Frage.

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