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Allergische Reaktion auf Suxamethonium während eines Notfall-Kaiserschnitts und Pseudocholinesterase Mangel bei einer und derselben Patientin

Eine allergische Reaktion während eines Kaiserschnitts kann für Mutter und Fötus schädlich sein. Unsere Patientin musste sich einer dringenden Kaiserschnitt Operation unterziehen, da eine fötale Hypoxie drohte. Postoperativ führten wir eine verlängerte mechanische Beatmung durch. Die Narkose war mit Thiopental und Suxamethionium eingeleitet worden. Obwohl es bei der Anwendung von Suxamethonium sehr häufig zu allergischen Reaktionen kommt, gilt es wegen seiner neuromuskulär blockierenden Wirkung als Mittel der Wahl bei Notoperationen. Zehn Minuten nach der Narkoseeinleitung fiel der systolische Blutdruck plötzlich während der Operation auf 67 mmHg, die Herzfrequenz stieg auf 145 Schläge/Minute und die Sauerstoffsättigung fiel auf 60 %. Differentialdiagnostisch zogen wir eine allergische Reaktion, eine obstetrisch bedingte Pulmonalembolie beziehungsweise ein akutes Herzversagen in Erwägung. Das Kind kam prompt und in guter Kondition auf die Welt. Innerhalb von 10 Minuten normalisierten sich alle Vitalzeichen wieder. Die Operation konnte ohne weitere Komplikation fortgeführt werden. Während der Aufwachphase wurde die Patientin unerwartet dyspnoisch, ein Laryngospasmus trat ein und die Sauerstoffsättigung fiel erneut. Es trat ein ausgeprägtes Gesichts- und Zungenödem auf. Eine dringende Reintubation musste durchgeführt werden. Die Laboruntersuchungen ergaben erhöhte Werte der Mastzell-Tryptase und einen signifikanten Pseudocholinesterase Mangel. Zwei Monate später konnte immunologisch eine Thiopental beziehungsweise Latex Allergie ausgeschlossen werden. Es wurde daher angenommen, dass Suxamethonium der auslösende Faktor war. Die respiratorische Insuffizienz unserer Patientin wurde durch zwei von einander unabhängigen pathologischen Mechanismen ausgelöst: eine biphasische allergische Reaktion und eine durch Pseudocholinesterase Mangel bedingte verlängerte neuromuskuläre Blockade.

Gordana Brozović, Branka Mazul Sunko, Tomislav Hafner, Ivanka Bekavac, Wiener klinische Wochenschrift 13/14/2014

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