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Sectio nach Geburtseinleitung

Laut einer Metaanalyse ist die Einleitung einer Geburt nicht mit einem erhöhten Risiko für eine Schnittentbindung assoziiert.

Die Wahrscheinlichkeit, dass bei Schwangeren ein Kaiserschnitt erforderlich ist, ist offenbar bei Frauen, bei denen die Geburt eingeleitet wird, niedriger als bei jenen, bei denen ein abwartendes Management vorgezogen wird.

Immer wieder gab es Spekulationen, dass die Geburtseinleitung mit einem erhöhten Risiko für eine Schnittentbindung assoziiert sei. Mehrere Studien konnten das allerdings nicht bestätigen – eher das Gegenteil. Unter anderem haben britische Ärzte und Gesundheitsforscher eine Metaanalyse durchgeführt, um Klarheit zu gewinnen. Mehr als 150 Vergleichsstudien von insgesamt fast 3.000 Studien genügten den Kriterien für die Berücksichtigung in der Analyse. Unter anderem musste es sich um randomisierte, kontrollierte Studien mit Schwangeren handeln, die keine Mehrlinge, sondern nur ein Kind erwarteten. Die Befunde von mehr als 31.000 Schwangeren ließen sich auswerten.

Risiko für Kaiserschnitt um zwölf Prozent vermindert

Wurden bei der Auswertung alle 157 Studien einbezogen, ergab sich durch die Berechnung ein relatives Risiko (RR) von 0,88 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,84 und 0,93) für eine Sectio nach einer Geburtseinleitung im Vergleich zu einer abwartenden Haltung. Das bedeutet, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kaiserschnitt erforderlich ist, ist bei Schwangeren mit der Einleitung um zwölf Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe. Nach Angaben der Wissenschaftler war der Unterschied nur bei Schwangeren mit Frühgeburten nicht signifikant. Der RR-Wert lag bei einem Gestationsalter zwischen 37 und 42 Wochen bei 0,87 (113 Studien) und über 42 Wochen (14 Studien) bei 0,82.

Oxytocin ohne Vorteil

Auch in mehreren Subgruppen konnte ein verringertes Sectio-Risiko bei Schwangeren mit Geburtseinleitung belegt werden, zum Beispiel bei Frauen, denen zur Einleitung Prostaglandin-E-Analoga wie Prostaglandin E2 oder Misoprostol verabreicht worden waren (RR: 0,90 bei Berücksichtigung von 67 Studien bzw. 0,62 bei elf Studien). Weder Oxytocin noch die Amniotomie waren in diesem Zusammenhang von Vorteil.

In insgesamt 33 Studien mit unkomplizierten termingerechten Schwangerschaften lag keine medizinische Indikation für eine Geburtseinleitung vor. Das relative Risiko für einen Kaiserschnitt lag in dieser Subgruppe um 19 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe (RR: 0,81; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,70 und 0,93).

Schließlich errechneten die Wissenschaftler bei Berücksichtigung von 60 Studien ein relatives Risiko von 0,50 für fetalen Tod und von 0,86 für eine intensivmedizinische Versorgung des Neugeborenen, wenn, statt abzuwarten, die Geburt eingeleitet wird. Den Angaben der Forscher zufolge könnten die Ergebnisse der Metaanalyse helfen zu entscheiden, welche Schwangere eine Geburtseinleitung benötigt und bei welcher diese eher ein Risiko ist.

Die Wissenschaftler ergänzen, dass sie noch im Februar 2014 die Studiendaten aktualisiert haben, indem sie 336 neue Studien durchforsteten, von denen allerdings nur zwei mit 636 Schwangeren (2 % der Gesamtstudiengruppe) die Einschlusskriterien für die Metaanalyse erfüllten. Das Gesamtergebnis der Metaanalyse sei durch die Zusatzdaten nicht verändert worden.

 

 

Originalpublikation: Mishanina E et al. CMAJ 2014 ; online 28. April;
doi: 10.1503/cmaj.130925 (http://bit.ly/1sicMHe)

springermedizin.de, Ärzte Woche 22/2014

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