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© Klaus Rose
 

Endometriumsdicke als Kennwert

Ziel ist es, maligne Läsionen zu erkennen und überflüssige Hysteroskopien zu vermeiden.

Frauen nach der Menopause mit vaginalen Blutungen, deren Endometrium auf vier Millimeter oder mehr verdickt ist, tragen ein erhöhtes Risiko für Malignome. Gilt aber diese Millimetergrenze auch für Frauen, die keine Symptome aufweisen?

Ein Ärzteteam um Luca Giannella vom Cesare-Magati-Krankenhaus in Scandiano, Italien, hat im Rahmen einer Studie 268 asymptomatische Frauen mit einer sonografisch gemessenen Endometriumsdicke von ≥ 4 mm hysteroskopisch untersucht. Alle Befunde wurden histologisch aufgearbeitet. Die Forscher wollten herausfinden, wie die diagnostische Genauigkeit der Hysteroskopie mit der Dicke des Endometriums zusammenhängt.

Mit dem Einschlusskriterium von 4 mm Dicke wurde nur bei drei Prozent der Hysteroskopien eine prämaligne oder maligne Veränderung entdeckt. Zur bestmöglichen Aufdeckung pathologischer intrauteriner Befunde – neben Malignomen auch Polypen, Myome und Hyperplasien – reichte ein Schwellenwert von 8 mm aus. Die Spezifität lag für diese Endometriumsdicke bei 92,1 Prozent, die Sensitivität betrug 79,3 Prozent. Verglichen damit führte ein Dickenwert von 4 mm zwar zu 100-prozentiger Sensitivität, die Spezifität erreichte aber nur 0,01 Prozent.

Will man sichergehen, keinen Fall von Endometriumskrebs zu übersehen, genügt laut der Ergebnisse von Giannella und Kollegen sogar eine Grenze von 10 mm: Ab hier lag die Malignomrate bei 6,25 Prozent, unterhalb von 10 mm war bei den studienhalber vorgenommenen Hysteroskopien kein Karzinom festzustellen gewesen.

8 mm – pathologischer Schwellenwert

„Alle diese Ergebnisse zeigen, dass es nicht effizient ist, symptomatische und asymptomatische Frauen in der Postmenopause dem gleichen diagnostischen Muster zu unterwerfen, schreiben die italienischen Gynäkologen. Zwar sei es fraglos wichtig, keine bösartigen Geschwülste zu übersehen. In einer Population mit niedriger Prävalenz müsse es aber auch ein Ziel sein, unnötige Untersuchungen zu vermeiden. Beides lasse sich vereinen, wenn man sich eines Schwellenwerts von 8 mm für die Endometriumsdicke bediene: Rechnerisch sinke damit die Zahl überflüssiger Hysteroskopien um 37,4 Prozent, prämaligne oder maligne Läsionen würden bei diesem Grenzwert für asymptomatische Frauen nicht übersehen.

 

basierend auf: Giannella L. et al. Eur J Obstet Gynecol 2014, online 12. April; doi: 10.1016/j.ejogrb.2014.03.025

springermedizin.de, Ärzte Woche 17/2014

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