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Mehr kontrazeptives Wissen durch Facebook
 

Verhütungsaufklärung: Broschüre versus Facebook

Social Media punkten: Die Informationen bleiben besser im Gedächtnis.

Es ist nicht immer einfach, jungen Frauen klar zu machen, worauf sie bei der Verhütung achten sollten. Besser als mit einer trockenen Broschüre klappt das offenbar mit einer peppigen Facebook-Seite.

So mancher Gynäkologe kennt das Problem: Da nickt die junge Dame bei allem fleißig, was die Ärztin oder der Arzt ihr zum Thema Verhütung erzählt, hängen bleibt davon aber nicht viel. Das mag zum einen an der geringen Zeit liegen, die Ärzte für die Beratung aufwenden, an den geringen Grundkenntnissen der Patientinnen oder an mangelnden kommunikativen Fähigkeiten der Gynäkologen. Das vermuten Frauenärzte um Dr. Jason Kofinas von der Columbia-Universität in New York. Untersuchungen hätten jedenfalls ergeben, dass nach solchen Beratungsgesprächen die Kenntnisse zu Vor- und Nachteilen der einzelnen Verhütungsmethoden immer noch sehr lückenhaft waren.

Multimedialer Auftritt versus altbackene Broschüre

Da nun jede Generation ihre eigenen Kommunikationswege kennt, haben die Forscher um Kofinas getestet, ob sich mit einem multimedialen Auftritt in gesellschaftlichen Netzwerken mehr kontrazeptives Wissen in die Gehirne der Digital Natives schaufeln lässt als mit einer altbackenen Broschüre.

Dazu haben die US-Gynäkologen 143 Frauen in zwei Gruppen aufgeteilt: Alle wurden zunächst von einem Arzt 15 Minuten lang über die unterschiedlichen Methoden zur Kontrazeption sowie ihre Vor- und Nachteile aufgeklärt. Die Hälfte bekam anschließend zum Nachlesen eine Broschüre in die Hand, in der wesentliche Fakten erläutert wurden, die übrigen durften sich auf einer Facebook-Seite tummeln, die letztlich die gleichen Informationen enthielt, allerdings multimedial aufbereitet, mit Videos, Diagrammen und Spiele-ähnlichen Formaten.

Infos bleiben bei Jung und Alt besser hängen

Die Frauen hatten nun 30 Minuten Zeit, sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen, anschließend wurden ihre Kenntnisse mit einem Fragebogen (25 Fragen) geprüft. Für jede richtige Antwort gab es einen Punkt. Denselben Fragebogen mussten die Frauen auch schon vor der Beratung ausfüllen, sodass die Forscher den Wissenszuwachs durch die Intervention messen konnten.

Das Ergebnis: Wurde das Wissen per Facebook vermittelt, blieb deutlich mehr davon hängen als bei Frauen mit der Broschüre. Hatten die Frauen mit dem analogen Medium vor der Intervention im Schnitt sieben Fragen richtig beantwortet, so waren es danach zwölf Fragen. In der Facebook-Gruppe stieg die Zahl von sechs auf 15 Fragen.

Die Facebook-Frauen konnten also neun Fragen mehr richtig beantworten als zuvor, die mit Broschüre nur fünf. Der Unterschied war statistisch signifikant. Erstaunlicherweise war das Alter der Frauen nicht von Bedeutung, in der Altersgruppe der 36- bis 45-Jährigen war der Unterschied ähnlich groß wie bei den 18- bis 25-Jährigen.

Facebook verleitet zu Implantat statt Pille

Wurden die Frauen anhand einer Zehn-Punkte-Skala gefragt, wie gut sie mit der Beratung zufrieden waren, so gaben diejenigen in der Facebook-Gruppe die maximale Zahl von zehn Punkten. Diejenigen mit der Broschüre waren wohl eher etwas gelangweilt: Sie verteilten im Schnitt nur sechs Punkte.

Schließlich hatte die Art des Mediums auch einen Einfluss auf die präferierte Kontrazeptionsmethode. Ein Drittel der Frauen mit der Broschüre sprach sich für die Pille zur Verhütung aus, aber nur halb so viele in der Facebook-Gruppe. Diese setzten dafür zwei- bis dreimal häufiger auf Implantate und intrauterine Kontrazeptiva.

Für die Gynäkologen um Kofinas ist die Studie ein Hinweis, dass es sich lohnt, über neue Methoden der Wissensvermittlung bei der Verhütung nachzudenken. Ob das allerdings auch in der Praxis so gut funktioniert wie in der Studie, darf bezweifelt werden. Schließlich weiß niemand, wie viele Frauen bereit sind, sich zuhause freiwillig eine Webseite mit Verhütungsinfos anzusehen. Mit dem Hinweis „Schau mal auf Facebook nach!“ wird der Arzt seine Verpflichtung zu einer umfassenden Beratung jedenfalls so schnell nicht los.

Originalpublikation:

Kofinas JD et al.: Adjunctive Social Media for More Effective Contraceptive Counseling; Obstet Gynecol 2014; 123 (4): 763–770

springermedizin.de/mut, Ärzte Woche 15/2014

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