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© iStock / Marcela Barsse
 

Mehr Nutzen als Schaden

Richtig eingesetzte Hormontherapie senkt das Herzinfarktrisiko und reduziert die Mortalität.

Bis vor etwa zehn Jahren galten sowohl die Östrogen-Ersatztherapie als auch die kombinierte Östrogen-Gestagen-Ersatztherapie als sicher und zuverlässig. Dann lösten die ersten Daten der Women’s Health Initiative (WHI) große Verunsicherung in der Ärzteschaft aus, die dazu führte, dass Frauen oft prinzipiell von einer Hormonersatztherapie abgeraten wurde.

Aus heutiger Sicht war diese Reaktion zwar verständlich, aber nicht gerechtfertigt. „Die Angst vor einer postmenopausalen Hormontherapie ist unbegründet“, sagt Prof. em. Dr. Martin Birkhäuser, ehem. Präsident der Schweizerischen Menopausengesellschaft. Die Daten, die in den letzten zehn Jahren aus der WHI gewonnen werden konnten, zeigen nun eindeutig: Die menopausale Hormontherapie ist und bleibt die wirksamste Methode zur Behandlung von klimakterischen Beschwerden. „Zudem ist die Hormongabe innerhalb des günstigen Zeitfensters die Methode der Wahl zur Osteoporoseprävention“, so Birkhäuser. Das günstige Zeitfenster liegt innerhalb der ersten zehn Jahre nach der Menopause und bis zum Alter von 60 Jahren. „In dieser Altersgruppe hat die Östrogengabe einen signifikant positiven Einfluss auf die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität sowie auf die Gesamtmortalität.“

Für das Brustkrebsrisiko ist die heutige Datenlage ähnlich: In der WHI-Studie stieg das Risiko unter alleiniger Östrogentherapie bis zur maximalen Beobachtungszeit von 11,8 Jahren nicht an. Auch unter kombinierter Östrogen/Gestagen-Therapie erhöhte sich bis zum Ende der Beobachtungszeit von sechs bis sieben Jahren das Brustkrebsrisiko nicht. Bei längerer kombinierter Östrogen-Gestagengabe scheint das Risiko vom verwendeten Gestagen abzuhängen. „Somit ist bei kombinierter Hormontherapie – in Hinblick auf das Brustkrebsrisiko – die sorgfältige Auswahl des richtigen Gestagens wesentlich“, betont Birkhäuser.

Neuer Name: MHT

In Anbetracht der neuen Datenlage haben sich die wichtigsten internationalen Gesellschaften für Menopause, Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, allen voran die International Menopause Society (IMS), auf einen Konsensus zur Hormontherapie geeinigt (de Villiers TJ et al. : Global consensus statement on menopausal hormone therapy; Climacteric 2013; 16: 203-4). Unter anderem wird in diesem Konsensus eine neue einheitliche Bezeichnung der Hormontherapie festgelegt: In Zukunft sollte man stets von der „Menopausalen Hormontherapie“ (MHT) sprechen.

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