zur Navigation zum Inhalt
© Cleo / shutterstock.com
 

Jetzt und hier leben

Was Frauen mit metastasiertem Brustkrebs brauchen – und was nicht.

Zwischen den Diagnosen „Brustkrebs“ und „metastasierter Brustkrebs“ liegen Welten. Denn letzterer ist nach wie vor unheilbar: Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei zwei bis vier Jahren. Was Frauen in dieser Situation wirklich nicht brauchen, sind Vorwürfe.

An und für sich ist Brustkrebs ein „Vorzeigekrebs“ der Onkologie. Verbesserte Diagnosemöglichkeiten und moderne Therapieverfahren haben dazu geführt, dass heute – bei früher Diagnose – die Heilungschance bei 80 Prozent liegt. Allerdings wird etwa jeder sechste Brustkrebs erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Und bei jeder dritten Patienten schreitet die Erkrankung trotz früher Diagnose und Behandlung voran. Im Endeffekt sind es etwa 1.500 Frauen, die pro Jahr in Österreich mit der Diagnose „metastasierter Brustkrebs“ konfrontiert sind.

Andere Therapieziele

„Für Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs gibt es keinen allgemein gültigen Therapiestandard“, sagt Prof. Dr. Michael Gnant, Leiter des Brustgesundheitszentrums an der MedUni Wien. „Was nicht heißt, dass wir nichts mehr tun können. Nur ist das Therapieziel ein anderes. Es heißt nicht mehr Heilung, sondern: Zeit gewinnen und diese Zeit so gut wie möglich zu gestalten.“ Dazu gehören nicht nur medizinische Behandlung sondern auch psychologische und soziale Unterstützung.

Die gute Nachricht: Es gibt keine „austherapierten“ Patientinnen mehr: „Wir haben mittlerweile verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung, um den betroffenen Frauen eine Therapie anbieten zu können, sofern sie es wünschen“, so Gnant. Klinische Studien bieten außerdem die Möglichkeit, frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsoptionen zu erhalten, die in der Praxis noch nicht verfügbar sind.

Die Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern bzw. zu verzögern ist also ein Therapieziel, die Symptome zu lindern und Schmerzfreiheit zu erreichen ein anderes. Die häufigsten Symptome sind: Kurzatmigkeit, Knochenschmerzen, Kopfschmerzen sowie Gewichts- und Appetitverlust.

Was brauchen Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs …

Neben der medizinischen Versorgung benötigen Betroffene dringend auch soziale und psychologische Unterstützung. In einer europaweiten Umfrage (Insight Research Group: Here & Now European patient and carer survey 2013) geben 37 Prozent der Patientinnen an, aufgrund der Erkrankung ihre „Zuversicht und persönliche Identität verloren“ zu haben. 75 Prozent beklagen, nicht mehr genug Zeit zu haben, um sich um die Familie zu kümmern.

Dazu kommen bei etwa der Hälfte der Patientinnen Einkommensverluste aufgrund beruflicher Einschränkungen . Dabei wären Kündigungen oder Frühpensionierungen gar nicht immer notwendig, wie Gnant betont. Er appelliert an Arbeitgeber, aktive motivierte Mitarbeiterinnen nicht aufzugeben.

… und was brauchen sie nicht?

Die Lebensqualität von Frauen mit metastasiertem Brustkrebs wird nicht nur durch die Erkrankung selbst, sondern vielfach auch durch Vorurteile, Scham und Schuld beeinträchtigt. Betroffene Frauen leiden unter dem, was Psychologen den „Privacy-Verlust“ nennen. „Plötzlich mischen sich alle in das Privatleben ein“, erklärt die Psychoonkologin und Strahlentherapeutin Dr. Tilli Egger. Mit gutgemeinten Ratschlägen, aber auch mit Vorwürfen: „Hättest du gesünder gelebt! Wärst du öfter zum Arzt gegangen“. Solche Aussagen verursachen Schuldgefühle. „Das Umfeld gibt einem oft das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben“, bestätigt Gabriele Herzog, die an metastasiertem Brustkrebs erkrankt ist. Nicht zuletzt deswegen halten viele Frauen ihre Erkrankung lange Zeit geheim.

Auch Ratschläge von Bekannten und Verwandten, so gut sie auch gemeint sein mögen, können zur Belastung werden: „Warum hast du das noch nicht gemacht? Ich habe dir doch gesagt, du sollst dieses und jenes tun – solche Forderungen schränken die Kreativität der Betroffenen ein, mit der neuen Situation umzugehen und ihr Leben selbst zu gestalten“, sagt Egger.

Here & Now

Um das Verständnis für Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs und ihre Bedürfnisse zu verbessern, hat das Unternehmen Novartis Oncology die europaweite Initiative „Here & Now“ ins Leben gerufen. Die Kampagne untersucht die Auswirkungen von fortgeschrittenem Brustkrebs auf persönlicher und sozialer Ebene, um letztlich die Unterstützung und Versorgung von Patientinnen verbessern zu können.

Quelle: Pressegespräch „Leben im Hier & Jetzt“: Tabuthema metastasierter Brustkrebs“, Wien, 12. November 2013

C. Lindengrün, Ärzte Woche 49/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben