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HPV-Screening statt Pap-Screening

Test auf humane Papillomviren soll im Vergleich zur Zytologie stärker vor einem invasiven Zervixkarzinom schützen, wollen Forscher anhand einer Datenanalyse ableiten.

Kaum eine Früherkennungsmaßnahme hat sich als ähnlich erfolgreich erwiesen wie das zytologische Screening auf Zervixkarzinom. Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern plädiert dennoch dafür, auf ein HPV-Screening umzusteigen.

Never change a winning screening – Guglielmo Ronco vom Centro per la Prevenzione Oncologica in Turin und Kollegen aus fünf weiteren europäischen Ländern wollen diesen Satz nicht mehr für das zytologische Screening auf Zervixkrebs, den herkömmlichen Pap-Abstrich nach George Nicolas Papanicolaou, gelten lassen. Ihre gewagte Forderung, auf ein HPV-Screening umzusteigen, basiert auf den Ergebnissen eines im Median 6,5 Jahre währenden Follow-up von vier randomisierten Studien, in denen das HPV (Humane Papillomviren)-Screening mit dem zytologischen Screening verglichen worden war. Mehr als 170.000 Frauen im Alter von 20 bis 65 Jahren (aus Schweden, Niederlande, England und Italien) waren beteiligt .

Auf einen ersten Test folgte nach drei bis fünf Jahren ein zweiter. Frauen aus der HPV-Gruppe wurden in einer der Studien bei positivem Testergebnis sofort kolposkopiert. In den anderen Studien wurden sie auf der Grundlage der gleichzeitig erhobenen zytologischen Befunde zur Kolposkopie geschickt. Bei negativer Zytologie wiederholte man den HPV-Test. Persistierte der Infekt, folgte die Kolposkopie.

HPV-Test zeigt Vorteil bei Adenokarzinomen

Der HPV-Test schützte dabei im Vergleich zur Zytologie deutlich stärker davor, an einem invasiven Zervixkarzinom zu erkranken. Insgesamt erreichte das Inzidenzen-Verhältnis unter dem HPV-Screening gegenüber dem zytologischen Test einen Wert von 0,60.

Während der ersten zweieinhalb Jahre gab es dabei zwischen den beiden Gruppen keinen signifikanten Unterschied, wohl aber danach. Betrachtete man ausschließlich Frauen mit einem negativen ersten Screeningbefund, betrug das Verhältnis der Inzidenzen sogar nur 0,30. Die Quotienten für Adenokarzinome lagen niedriger als jene für Platteneptihelkarzinome (0,31 versus 0,78).

Die kumulative Inzidenz für invasives Zervixkarzinom über den Follow-up-Zeitraum hinweg lag in der HPV-Gruppe nach 3,5 bzw. 5,5 Jahren bei 4,6 bzw. 8,7 pro 10.000 Frauen. Für die Zytologiegruppe ergaben sich Raten von 15,4 bzw. 36,0/10.000.

60 bis 70 Prozent stärkerer Schutzeffekt

„Ein HPV-basiertes Screening bietet einen um 60 bis 70 Prozent größeren Schutz vor invasivem Zervixkrebs als der Pap-Test“, schreiben Ronco und sein Kollegenteam im Resümee ihrer wissenschaftlichen Untersuchung. Das Screening solle dabei im Alter von 30 Jahren beginnen, Intervalle von fünf Jahren seien ausreichend. Kürzere Intervalle gingen auf Kosten der Spezifität. Denn es würden dann viele Infektionen entdeckt, die sonst von selbst ausgeheilt wären. Darüber hinaus könne es auch zur Überdiagnostik von regressiven Formen zervikaler intraepithelialer Neoplasien kommen.

Originalpublikation: Ronco G et al. Efficacy of HPV-based screening for prevention of invasive cervical cancer: follow-up of four European randomized controlled trials. The Lancet 2013, online 3. November; doi: 10.1016/S0140-6736(13)62218-7

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 48/2013

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