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Geschichte der Phytoöstrogenforschung

"Die Erforschung der Pflanzenöstrogene begann bereits zwischen 1926 und 1933 in Deutschland", berichtet Prof. Dr. Christian Lauritzen aus Ulm. "Aus Pflanzen isoliert werden konnten Estron, Estradiol, Estriol, und vor allem aus Soja Genistein, Daidzein, Formononetin, Coumestrol, Biochenin A und B, Zearalenon und Sitosterol, Metairesinol, Secoisolariciresinol."

Die Substanzen gehören zu den Isoflavonen oder Liganen und zeigen Triterpen- und Stilbestrol-ähnliche Strukturen. Sie werden zum Teil als Vorstufe aufgenommen und im Darm durch die Mikroflora zu stärker wirksamen Substanzen verstoffwechselt. Die Ausscheidung geschieht im Stuhl und Urin als Enterolakton und Enterodiol (Lignanen) und als Equol-Angolensin und p-Ethylphenol (Isoflavone).

In westlichen Ländern nimmt man mit der üblichen gemischten Nahrung etwa 40 bis 50qg Estronäquivalent auf. In Ländern mit hohem Pflanzen- und Sojaverzehr in der Nahrung beträgt diese Menge das Sechs- bis Zehnfache. Ein eindrucksvolles Beispiel für die Bedeutung des Verzehrs pflanzlicher Östrogene sind Bevölkerungen in Ländern mit geringer Inzidenz von Atherosklerose und Mammakarzinom, wie die Bantu-Stämme in Afrika und die Studien an Japanern, die nach Hawaii oder Australien auswanderten und dort einen westlichen Lebensstil annahmen.

Keine Blutungen

Lauritzen: "Pflanzenöstrogene haben eine schwache Wirkung auf die typischen klimakterischen Beschwerden, bewirken eine östrogene Proliferation der Vagina und haben eine schwache günstige Wirkung auf die Lipide und die Knochendichte." Die antiatherotische Wirkung wurde auch am Cynomolgus-Menschenaffen nachgewiesen.

Da Daidzein und Genistein vor allem an die ß-Estrogen- Rezeptoren binden, werden Endometrium und Brustepithel nicht stimuliert. Sie verursachen daher keine uterinen Blutungen und es wird vermutet, dass sie eine präventive Wirkung auf die Entwicklung von Endometrium- und Mammakarzinom haben könnten. Es liegen inzwischen klinischen Studien über positive Wirkungen einer Soja-Diät auf die klimaterische Symptomatik vor. Von der Pharmaindustrie wurde eine Reihe wirksamer Phytoöstrogen- Präparate entwickelt, die eine wirksame Behandlung ermöglichen.

"Künftige Untersuchungen müssen zeigen, ob es sich hier um eine echte Alternative für Frauen handelt, die pflanzliche Präparate vorziehen, Kontraindikationen gegen die herkömmlichen Östrogene haben, ein hohes Risiko für ein Genital- oder Mammakarzinom aufweisen oder eine Hormonsubstitution nach einer Krebsbehandlung benötigen", betonte Lauritzen.

Vortrag im Rahmen des Kongresses "Menopause - Andropause 2001" vom 11.-13.10 in Wien.

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