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Sexualhormone in der kosmetischen Dermatologie

Vom Säuglingsalter bis in die Postmenopause werden zahlreiche Hautfunktionen und damit das äußere Erscheinungsbild wesentlich von der Wirkung der Sexualhormone an den einzelnen Strukturen der Haut mitbestimmt. Prof. Dr. Jolanta Schmidt, Abt. für spezielle Dermatologie und Umweltdermatosen, Universitätsklinik für Dermatologie Wien: "Die Effekte der Androgene, deren stimulierender Einfluss auf die Talgdrüsen zur Seborrhoe führt und damit Akne initiieren kann, sind nicht nur in der Pubertät relevant, sondern können auch in der Perimenopause in einer ersten Phase relativer Imbalance zwischen Androgenen und Östrogenen zu Seborrhoe oder Effluvium führen." Beachtenswert ist auch die Rolle der Gestagene für den Hautzustand.

Auswahl der Gestagene in einer HRT wichtig

Talgdrüsenaktivierende Wirkungen und die Aggravierung von Effluvien werden gelegentlich als Nebenwirkungen der Gestagenkomponent einer Hormonsubstitution (HRT) beobachtet. Der Auswahl der Gestagenkompenente der HRT kommt deshalb gerade bei anamnestisch disponierten Frauen besondere Bedeutung zu. Andererseits fördern Gestagene durch Hemmung der kollagendegradierenden Metalloproteinasen die im Hautalterungsprozess reduzierte Hautdicke. Schmidt: "Vor allem sind es aber die Wirkungen der Östrogene, die den Hautzustand von Frauen in der Peri- und Postmenopause beeinflussen." Ein Leitkriterium des Hautalterns ist die Reduktion der Hautdicke.

Hautdicke nimmt signifikant zu

Signifikante Korrelation zwischen reduzierter Knochendichte und reduzierter Hautdicke, die bereits wenige Monate nach der Menopause nachweisbar ist, reflektieren die fehlenden Wirkungen der Östrogene auf die Epidermis und das dermale Stützgewebe. Andererseits nimmt die Hautdicke bereits nach sechs Monaten HRT signifikant zu - ein Hinweis auf die restaurierenden Effekte der Östrogene auf die Haut. Schmidt: "Klinisch manifestiert sich das postmenopausale Hautalter besonders in der Zunahme der Hauttrockenheit und im Verlust der Hautfestigkeit, welcher unter anderem zum Verlust einer klaren Gesichtskontur und absackenden Gesichtszügen, aber auch zum Verlust der Hautfestigkeit am Körper im Abdominalbereich, an Oberarmen, Gesäß und Oberschenkel führt." Internationale Studien zeigen die benefiziellen Wirkungen der HRT auf den Hautzustand postmenopausaler Frauen, die sich vor allem in Zunahme der Hautfeuchtigkeit und Hautfestigkeit zeigen.

Östrogencreme reduziert Faltentiefe

"Östrogencremen für die Lokaltherapie der Gesichtshaut bewirken darüber hinaus in vielen Fällen auch Reduktionen der Faltentiefe, die sich bei systematischer HRT allerdings nur in katamnestischen Langzeit-Untersuchungen nachweisen ließ", erklärt Schmidt. Bei der lokalen Behandlung der Gesichtshaut mit Hormoncremen sollten die Östrogen-Konzentrationen und die Applikationsmengen beachtet werden, um systemische Hormonnebenwirkungen zu vermeiden.

Bei hormonellem Hautaltern können Östrogencremen mit überwiegend gutem Erfolg eingesetzt werden, um innerhalb einiger Monate eine Besserung von Hautfalten zu erzielen.
Die Langzeit-Hormonsubstitution bessert ebenfalls Symptome des hormonellen Hautalterns, ihre Effekte für die Haut sind aber vor allem in der Langzeitprophylaxe zu sehen, wie der europäische Vergleich der Haut von Patientinnen, die seit vielen Jahren HRT erhalten, mit hormonell unsubstituierten Frauen zeigt.
"Die Haut hormonell substituierter Frauen ist im Alter wesentlich glatter und jugendlicher", so Schmidt.

Quelle: Vortrag am Menopause-Andropause-Kongress in Wien

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