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Androgene können Bereicherung der therapeutischen Palette sein

"Die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit einer Androgensubstitution in der Peri- und Postmenopause der Frau ist Gegenstand kontroversieller Diskussionen", konstatiert Prof. Dr. Wolfgang Urdl von der Geburtshilflich-Gynäkologischen Universitätsklinik, Graz.

Positive Wirkungen der Androgene

"Die Ovarialfunktion der Frau in der Postmenopause (PMP) ist charakterisiert durch die deutliche Abnahme der ovariellen Östrogenproduktion. Das dominierende, zirkulierende Östrogen ist nun das Östron. Dieses wird durch die extraglanduläre Konversion aus adrenalem (70%) und ovariellem (30%) Androstendion gebildet.

Durch den Produktionsausfall von Inhibin in den Granulosazellen des Ovars resultiert ein hypergonadotroper Status. Im Vordergrund der ovariellen Steroidproduktion steht nun die durch Gonadotropine gesteuerte Synthese von Androgenen. Besonders hinzuweisen ist auf die bei Frauen nach bilateralen Ovarektomie deutlich verminderte Produktionsrate von Androstendion und Testosteron", erklärt der Gynäkologe.

Androgenwirksame Steroide haben ein Reihe positiver Effekte etwa auf den Knochen, auf immunologische Prozesse, sie steigern die renale Erythropoetinsynthese und wirken antiatherosklerotisch durch Senkung erhöhter Lipoprotein-a-Spiegel sowie der Triglyceridspiegel

In der Haut fördert der wirksame Testosteron-Metabolit 5-Alpha-DHT die Kollagensynthese, reguliert die Schweißdrüsenaktivität, begünstigt die Reduktion des Unterhautfettgewebes mit gleichzeitiger Vernetzung der Bindegewebssepten und wirkt so der Entwicklung der so genannten "Cellulite" ("Peau d?range") entgegen. Topische Androgene haben eine exzellente Wirkung bei Pruritus vulvae und Lichen Sclerosus et atrophicus.

Wirkungen im Gehirn und auf Fettgewebe

Im Gehirn wird Testosteron zu 17-Beta-Östradiol metabolisiert. Somit werden Androgene im Zentralnervensystem indirekt, über Östrogene, wirksam und üben einen günstigen Einfluss auf Merkfähigkeit und Kombinationsgabe aus, vermögen Stimmungsschwankungen auszugleichen, vermindern die Rate an Depressionen und steigern die Libido.

Androgene wirken weiters synergistisch mit Wachstumshormonen lipolytisch und fördern die Apposition von Muskelgewebe. Über die gesteigerte Leptinsekretion führen sie zu einer Abnahme des Hungergefühls.

Auch unerwünschte Wirkungen

Zu den Risiken und unerwünschten Wirkungen einer Androgentherapie meint Urdl: "Es kann zu einem Anstieg des Gesamtcholesterins und der LDL- Cholesterinfraktion sowie einem Abfall der HDL-Cholesterinfraktion kommen, weiters zu einer Verschlechterung der Leberfunktion und Verstärkung einer Insulinresistenz. Diese negativen metabolischen Effekte sind insbesondere bei langfristiger, oraler Androgensubstitution zu erwarten und erhöhen das Atheroskleroserisiko.

In der Literatur gibt es Hinweise, dass bei Langzeitsubstitution mit Androgenen das relative Risiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken, erhöht sei. Hiezu fehlen jedoch die Ergebnisse prospektiv randomisierter Studien. Es kann zur Ausbildung von Hirsutimus, Alopezie, Akne, Klitorishypertrophie und zu allgemeinen Vermännlichungs-Erscheinungen wie auch einem Tieferwerden der Stimmlage kommen. Weiters sei die Möglichkeit der psychischen Abhängigkeit von androgenwirksamen Substanzen und eine eventuell unerwünschte Libidosteigerung in Betracht zu ziehen.

"Eine Androgensubstitutionstherapie ist bei Vorliegen einer Androgenmangelsymptomatik zu diskutieren, die sich in erster Linie bei Frauen mit Zustand nach beidseitiger Ovarektomie beziehungsweise bei Frauen mit vorzeitiger Menopause findet", präzisiert Urdl und meint abschließend: "Unter strenger Berücksichtigung von Nebenwirkungen, Risiken und Kontraindikationen stellen Androgene eine Bereicherung der therapeutischen Palette dar. "

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