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Überlebensvorteil

Lymphknoten bestrahlen statt entfernen.

In den letzten Jahren zeigte sich, dass die axilläre Dissektion keinen Vorteil in Bezug auf das Überleben von Brustkrebspatientinnen bietet. Eine neue Studie weist jetzt aber darauf hin, dass eine zusätzliche Bestrahlung der Lymphknotenstationen Überlebensvorteile bringt.

Die operative Entfernung der Lymphknoten bei Brustkrebs geht immer mehr zurück, da man beobachtet hat, dass damit kein Überlebensvorteil erzielt wird. „Indirekte Hinweise ließen uns aber vermuten, dass eine Bestrahlung der Lymphknotenstationen für bestimmte Patientinnengruppen Überlebensvorteile bringt“, berichtet Prof. Dr. Wilfried Budach, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Universitätsklinikum Düsseldorf.

Die lang erwarteten Ergebnisse einer europaweiten Studie (EORTC- 22922-10925) mit über 4.000 Patientinnen und 43 beteiligten Zentren scheinen dies nun zu bestätigen: Danach führt die zusätzliche Bestrahlung zu einem statistisch signifikanten besseren Gesamtüberleben.

Die Forscher um Philip Poortmans stellten die Ergebnisse der Studie auf dem European Cancer Congress (ECCO) im September vor. An der Studie nahmen Frauen teil, bei denen der Brustkrebs auch die Lymphknoten befallen hatte. Einschlusskriterien waren ein Lymphknotenbefall der Achsel und die Lage des Tumors. Nach brusterhaltender Operation – bei drei Viertel der Frauen – erhielten die Patientinnen eine Bestrahlung. Bei Frauen, denen die Brust komplett entfernt wurde, bestrahlten die Ärzte in 73 Prozent der Fälle die Brustwand. 99 Prozent der nodal-positiven Patientinnen und 66 Prozent der nodal-negativen Patientinnen erhielten zusätzlich eine Chemo- oder Hormontherapie, um gestreute Mikrometastasen im ganzen Körper zu erfassen. Die Hälfte der Frauen erhielt eine zusätzliche Bestrahlung der Lymphabflussregion oberhalb des Schlüsselbeins und neben dem Brustbein, die andere Hälfte bekam keine Bestrahlung der Lymphabflusswege.

Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 10,9 Jahren erhöhte sich durch die zusätzliche Bestrahlung der Lymphknoten das krankheitsfreie Überleben von 69,1 auf 72,1 Prozent (p=0,04), das metastasenfreie Überleben von 75 auf 78 Prozent (p=0,02) und das Gesamtüberleben von 80,7 auf 82,3 Prozent (p=0,056). Der Effekt der Lymphabflussbestrahlung auf das Gesamtüberleben war statistisch signifikant (p=0,03). Patientinnen, die eine Chemotherapie benötigten und zusätzlich eine Hormontherapie erhielten, profitieren am stärksten von der Lymphabflussbestrahlung.

Keine Herzschäden

„Eine wichtige und aufgrund der sehr langen Nachbeobachtungszeiten sichere Erkenntnis ist, dass es durch die zusätzliche Bestrahlung nicht zu mehr Herzschäden kommt“, betont Prof. Dr. Michael Baumann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden. Diese Befürchtungen seien zumindest in den ersten elf Jahren nach Strahlentherapie unbegründet.

Der relativ kleine Überlebensvorteil von derzeit 1,6 Prozent nach über zehn Jahren wirft die Frage auf, welche Patientinnen eine komplette Lymphabflussbestrahlung routinemäßig erhalten sollen. Dazu sind weitere Subgruppenanalysen erforderlich. Die neuen Erkenntnisse werden nach Einschätzung der Experten in die Leitlinien zur Behandlung des Mammakarzinoms einfließen müssen.

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