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Natürlich durch die Menopause

Das Klimakterium ist für Frauen eine einschneidende Lebensphase. Die meisten kommen damit ohne größere Probleme zurecht, ein Drittel hat mit irgendeiner Form von Beschwerden zu kämpfen. Um hier Linderung zu schaffen sind - vor allem bei milden Formen - Mittel aus der Naturheilkunde empfehlenswert. Auch Entspannungsverfahren, ausgewogene Ernährung und regelmäßiges körperliches Training haben sich bewährt. 
Im klimakterischen Alter zwischen 45 und 60 Jahren befinden sich knapp 30 Prozent der weiblichen Bevölkerung. Die meisten dieser Frauen scheinen mit dem Älterwerden keine Probleme zu haben, ein Drittel äußert jedoch in irgendeiner Form Beschwerden. 

Günstig scheinen eine Haltung zu sein, die körperlichen Beschwerden nicht zu viel Bedeutung beimisst, und ein positives Körperbild, das auch durch das Altern nicht zu erschüttern ist. Werden die Frauen danach gefragt, was sie als Ursache für die klimakterischen Beschwerden ansehen, dann werden zwei Antworten am häufigsten genannt: 55 Prozent der Frauen glauben, dass die persönliche - negative oder positive - Einstellung zum Klimakterium entscheidend ist. 54 Prozent sehen die Beschwerden als hormonell bedingt an. Zu je etwa einem Drittel werden Komponenten wie Lebensstil, Lebensbelastung oder Medikamenteneinnahme genannt. 

Klimakterische Beschwerden verändern sich mit dem Alter: Jüngere Frauen klagen meist über vasomotrische Symptome und depressive Verstimmungen. Bei den älteren Frauen leidet die Lebensqualität eher durch Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Libidoverlust und den Verlust der körperlichen Attraktivität. 
Als Östrogenentzugssymptome sind Hitzewallungen und die atrophische Vaginitis anzusehen. Diese Symptome sind mit einer hormonellen Substitutionstherapie gut zu lindern. Als Alternative - besonders bei milden Formen des klimakterischen Syndroms - und bei Frauen, die eine Hormonersatztherapie ablehnen, sind Mittel aus der Naturheilkunde empfehlenswert. 
Hierzu gehören: 

  • Extrakte aus dem Wurzelstock von Cimicifuga racemosa (Traubensilberkerze), 

  • Sojaprodukte 

  • Extrakte aus Agnus castus (Mönchspfeffer) und 

  • Kälbermilzdialysat.

Traubensilberkerze

Extrakte aus dem Cimicifuga-Wurzelstock enthalten Phytoöstrogene. Diese ähneln in ihrer Struktur den Östrogenen und/oder haben östrogenartige Wirkungen. Phytoöstrogene binden an Östrogenrezeptoren und senken die LH-Ausschüttung der Hypophyse. Durch die regelmäßige Einnahme der Präparate können Hitzewallungen gemildert werden. 
Mit einem Wirkungseintritt ist nach vier bis acht Wochen zu rechnen. Es gibt keine Einwände gegen eine Langzeittherapie. Da die Hitzewallungen oftmals wieder nachlassen, kann durchaus ein Auslass-versuch nach ein bis zwei Jahren Behandlungsdauer erfolgen. 
Bei Frauen mit depressiver Symptomatik der klimakterischen Beschwerden kann die fixe Kombination aus Cimicifuga- und Johanniskrautextrakt hilfreich sein: Damit lassen sich nicht nur die vegetativen, sondern auch die psychischen Symptome lindern. 

Sojaprodukte

Phytoöstrogene finden sich auch in hoher Konzentration in manchen Lebensmitteln: Lignane in Leinsamen und Isoflavone in Sojabohnen. Die empfohlene Tagesmenge an Isoflavonen beträgt etwa 75 mg, was etwa einer Tasse Tofu, einer Tasse frische Sojabohnen oder einer halben Tasse getrockneter Sojabohnen entspricht. 
Zur Wirkungsweise von Lignanen und Isoflavonen gibt es allerdings kaum kontrollierte Studien. Aus epidemiologischen Studien ist aber bekannt, dass asiatische Frauen weniger unter Hitzewallungen leiden als europäische. Dies könnte auch mit den unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten zusammenhängen. 

Mönchspfeffer

Beim Mönchspfeffer (Agnus castatus) werden Extrakte aus den Früchten therapeutisch genutzt. Sie wirken dopaminerg, über diesen Mechanismus dann prolaktinsenkend in der Hypophyse und in mesolimbischen Strukturen. Außerdem wird dem Mönchspfeffer eine Hemmung von FSH mit gleichzeitiger Stimulation von LH zugeschrieben. Daher werden sie bei den prä- und perimenopausalen Blutungsstörungen eingesetzt, die infolge einer Corpus-lueum-Insuffizienz entstehen. 
Präparate aus Vitex agnus castus werden auch zur Behandlung von Frauen mit leichtem bis mittelschwerem prämenstruellen Syndrom eingesetzt. Damit lassen sich prämenstruelle Symptome wie Gereiztheit, Stimmungsschwankungen, Kopfweh und Brustspannen deutlich lindern.

Kälbermilzdialysat

In der Perimenopause ist auch eine Behandlung mit eiweißfreiem Kälbermilzdialysat möglich. Es enthält unter anderem Peptide, die, solange die Ovarien noch stimulierbar sind, eine vermehrte Östrogenproduktion auslösen.
Entspannungsverfahren und Sport lindern die Symptomatik
Bei psychischen Symptomen des Klimakteriums wie Schlaflosigkeit, Depression, Reizbarkeit, Passivität, Schwindel, Palpitationen und Erschöpfungszustände haben sich außer der medikamentösen Therapie und ausführlichen Gesprächen auch Entspannungsverfahren bewährt. Mit Autogenem Training, der Muskelrelaxation nach Jacobsen, Yoga, Meditation können stressbedingte Symptome gelindert werden. 
Ein wichtiger Aspekt ist dabei, dass im Erlernen der Methoden den Patientinnen Mittel zur Selbsthilfe an die Hand gegeben werden, was an sich schon zur psychischen Stabilisierung beiträgt. Auch ausgewogene Ernährung und regelmäßiges körperliches Training (etwa dreimal wöchentlich für jeweils 45 Minuten) sind einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen zur Unterstützung des körperlichen Wohlbefindens.

Quelle: "Forschung und Praxis"/ Dr. Friederike Siedentopf, Berlin

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