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Schutz vor Brustkrebs: Oft gebären, lange stillen

Oxford. Je länger Frauen stillen, desto besser sind sie vor Brustkrebs geschützt. Zu diesem Ergebnis kommen jedenfalls britische Krebsforscher, die Daten von etwa 147.300 Frauen aus 47 epidemiologischen Studien ausgewertet haben. Die Wissenschaftler um Prof. Dr. Valerie Beral vom Krebsforschungs-Institut in Oxford in Großbritannien haben Daten von etwa 50.300 Frauen mit Brustkrebs und von etwa 96.970 Frauen ohne Mammakarzinom aus 30 Ländern weltweit analysiert (Lancet 360, 2002, 187).
Nach dieser Analyse ist das relative Brustkrebs-Risiko für Frauen pro geborenem Kind um jeweils sieben Prozent geringer im Vergleich zum Risiko von Frauen ohne Kinder, und zusätzlich um 4,3 Prozent geringer, wenn zwölf Monate gestillt wird.

Durchschnittlich stillten Frauen in Industrieländern insgesamt neun Monate, Frauen aus Entwicklungsländern 29 Monate. Und: An Brustkrebs erkrankte Frauen stillten im Mittel zehn Monate, Frauen ohne Brustkrebs 16 Monate.
Fazit der Forscher: Die Inzidenz von Brustkrebs in Industrieländern könnte mehr als halbiert werden, und zwar von derzeit 6,3 auf 2,7 pro 100 Frauen bis 70 Jahre, wenn Frauen in diesen Ländern ihre Kinder ähnlich lange stillten wie jene in Entwicklungsländern.

Doch sei es unrealistisch, anzunehmen, dass bei uns rasch die Brustkrebs-Inzidenz gesenkt werden kann, indem Frauen viele Kinder bekommen und so lange stillen, wie es vor Jahrhunderten hierzulande und bis vor kurzem in Entwicklungsländern üblich war, heißt es in einem Kommentar zur Studie in der deutschen ÄRZTEZEITUNG. Das Rad der Geschichte kann nicht mehr zurückgedreht werden, die Zeiten haben sich geändert. Das sehen auch die Studien-Autoren so.

Was können Ärzte Frauen also empfehlen, die fragen, wie sie Brustkrebs vorbeugen können? Sind die Frauen in einem Alter, in dem sie Kinder kriegen können, sollten sie ermutigt werden, möglichst lange zu stillen, weil sie damit nicht nur ihren Kindern etwas Gutes tun, sondern auch sich selbst. Auch eine gesunde Lebensweise mit wenig Alkohol, viel Gemüse und Obst sowie Sport kann, wie Studien ergeben haben, das Brustkrebs-Risiko senken - Faktoren übrigens, deren Einfluss in der aktuellen Analyse nicht untersucht wurden.
Wenn eines Tages bekannt ist, wodurch Stillen vor Brustkrebs schützt, wird man die Schutzmechanismen vielleicht für die Entwicklung einer Therapie nutzen können, die dann auch kinderlosen Frauen zur Verfügung stehen könnten.

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