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© Vadim Kozlovsky / shutterstock.com
 
Gynäkologie und Geburtshilfe 27. September 2013

Wie nennen - Krebs oder Läsion?

Die Wortwahl beeinflusst die Therapieentscheidung.

Nicht alles, was Karzinom heißt, ist aggressiv bösartig. Sollte man daher manchen Brustkrebs gar nicht als Krebs bezeichnen?

Frauen, die erfahren, dass sie Brustkrebs haben, möchten den Tumor rasch und vollständig loswerden. Das ist verständlich, obzwar es nicht immer nötig wäre. Bei einem präinvasiven duktalen Carcinoma in situ (DCIS) mit niedrigem Malignitätsgrad wäre abwartendes Beobachten eine sinnvolle Alternative. Doch da das Gewächs nun einmal Krebs heißt, neigen Betroffene zu radikalen Maßnahmen – jedenfalls glaubt das eine Gruppe von Forscherinnen um Zehra Omer vom Massachusetts General Hospital in Boston. Sie haben deshalb untersucht, was geschieht, wenn man in solchen Fällen die Vokabel „Krebs“ vermeidet ( Omer et al.: JAMA Intern Med 2013 ).

Die Autorinnen konfrontierten 394 gesunde Frauen ohne Brustkrebs in der Vorgeschichte mit drei Szenarien. Im ersten Szenario war das DCIS als „nicht-invasiver Brustkrebs“ beschrieben, im zweiten als „Brustläsion“ und im dritten als „abnorme Zellen“. In jedem der drei Fälle konnten sich die Frauen für drei verschiedene Therapieoptionen entscheiden: Chirurgie, Arzneitherapie oder aktives Überwachen. Risiken und Nutzen wurden dabei für alle drei Szenarien identisch dargestellt.

Die verwendete Bezeichnung führte zu signifikanten Unterschieden in der Wahl der Behandlung (p<0,001). Im Fall von „Brustkrebs“ entschieden sich 47% der Frauen für die Operation, 20% für die Medikation und 33% fürs Abwarten. Die Zahlen für das Wort „Brustläsion“ lauteten 34%, 18% und 48%. Der Ausdruck „abnorme Zellen“ ließ noch 31% der Frauen das chirurgische Vorgehen wählen, 21% wollten Medikamente einnehmen und 48% beobachten.

„Wir schließen daraus, dass sich die Wahl der Terminologie für die Beschreibung des DCIS erheblich darauf auswirkt, wie Patientinnen die Behandlungsalternativen wahrnehmen“, schreiben Omer et al.. Wer daher den Ausdruck „Krebs“ in dem Mund nehme, müsse gewissenhaft dafür sorgen, dass die Patientinnen den Unterschied zwischen DCIS und invasivem Krebs verstehen. Wie die Resultate nahelegten, würden knapp zwei Drittel der Frauen nicht-chirurgischen Optionen zuneigen, sofern DCIS nicht als Krebs, sondern als Hoch-Risiko-Erkrankung dargestellt wird.

springermedizin.de, Ärzte Woche 39/2013

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