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Gynäkologie und Geburtshilfe 26. September 2013

Petrol Ribbon

Nach dem Vorbild der Pink-Ribbon-Aktion für Brustkrebs-Awareness startete vor Kurzem die Petrol-Ribbon-Initiative gegen Unterleibskrebs.

Unterleibskrebs – das bedeutet Eierstock-, Gebärmutterhals-, Gebärmutterkörper- und Schamlippenkrebs – ist als Tabuerkrankung nur wenig bekannt, betrifft aber ca. 2.500 Frauen pro Jahr in Österreich. Ziel der Aktion ist es, noch nicht betroffene Frauen über den „Unterleibskrebs“ aufzuklären, zum Besuch beim Frauenarzt zu motivieren, über weitere empfohlene Vorsorgeuntersuchungen zu informieren, die besten Therapiemöglichkeiten aufzuzeigen und den Kontakt zu Spezialisten zu ermöglichen.

In Österreich werden jährlich ca. 2.500 Fälle von Unterleibskrebs diagnostiziert. Dieser Gruppe von Tumoren ist gemeinsam, dass ihre Heilungschancen bei über 90 Prozent liegen, wenn sie in einem frühen Stadium entdeckt und die therapeutischen Maßnahmen entsprechend rasch eingeleitet werden. Hat sich die Erkrankung jedoch weiter ausgebreitet und bereits Metastasen gebildet, liegt die Chance auf eine völlige Genesung bei weniger als 25 Prozent.

Endometriumkarzinom

Das Endometriumkarzinom (=Gebärmutterkrebs) ist eine Krebserkrankung der Gebärmutterhöhle. Betroffen sind vorwiegend Frauen in oder nach den Wechseljahren, wobei der Häufigkeitsgipfel zwischen dem 60. und dem 75. Lebensjahr liegt.

Die Erkrankung entwickelt sich meist über einen Zeitraum von etwa ein bis zwei Jahren. Leider kann das Endometriumkarzinom nicht immer durch Vorsorgeuntersuchungen entdeckt werden, es macht sich allerdings durch irreguläre Blutungen bemerkbar. Jede abnorme Blutung (unregelmäßige Zwischenblutungen vor dem Wechsel oder auch nur eine leichte Blutung bei älteren Frauen) muss ernst genommen und abgeklärt werden. Treten Schmerzen auf, ist dies meist schon ein Hinweis auf einen fortgeschrittenen Tumor.

Ovarialkarzinom

Das Ovarialkarzinom (=Eierstockkrebs) ist eine bösartige Erkrankung der Eierstöcke, die sich innerhalb weniger Monate entwickeln kann. In Österreich erhalten jährlich etwa 900 Frauen mit durchschnittlich 60 Jahren diese Diagnose. Ovarialkarzinome treten familiär gehäuft auf. So gibt es gewisse genetische Konstellationen, bei denen die Wahrscheinlichkeit, einen Eierstockkrebs zu erleiden, bei ca. 60 Prozent liegt. Wie bei Brustkrebs spielen auch in diesem Fall die beiden Gene BRCA 1 und BRCA 2 eine Rolle. Die genetische Komponente sollte jedoch nicht überbewertet werden, denn nur etwa zehn Prozent aller Ovarialkarzinome sind genetisch bedingt. Ob Krebs entsteht oder nicht, hängt auch mit der Anzahl der Eisprünge zusammen. Daher bieten orale Kontrazeptiva und häufige Schwangerschaften eine gewisse Schutzfunktion, da sie die Eierstöcke „ruhigstellen“.

Zervixkarzinom

Der Gebärmutterhalskrebs rangiert weltweit gesehen an zweiter Stelle der bösartigen Tumorerkrankungen bei Frauen. In Österreich wird dank effizienter spezifischer Vorsorgeuntersuchungen (PAP-Test beim niedergelassenen Gynäkologen) der Großteil aller Zellveränderungen am Gebärmutterhals als gutartige Vorstufen erkannt und im Zuge eines kleinen operativen Eingriffs entfernt.

Die Krebserkrankung wird vielfach zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr diagnostiziert, erreicht jedoch im Alter zwischen 65 und 75 seinen zweiten Häufigkeitsgipfel. Gutartige Vorstufen des Zervixkarzinoms können bereits bei jungen Frauen zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahrzehnt auftreten. Während die Anzahl der bösartigen Tumoren am Gebärmutterhalskrebs durch die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen gesenkt werden konnte, verzeichnen die Vorstufen eine steigende Tendenz.

Beinahe 100 Prozent aller Zervixkarzinome werden durch die Infektion mit bestimmten Typen des humanen Papillomvirus (HPV) verursacht, wobei die Erkrankung schleichend, oft über mehrere Jahre verläuft und sich durch keinerlei Anzeichen bemerkbar macht. Treten Symptome auf, befindet sich der Krebs mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits in einem fortgeschrittenen Stadium.

Eine Infektion mit dem humanen Papillomvirus findet größtenteils bereits im Jugendalter durch die ersten Sexualkontakte statt. Den einzig wirksamen Schutz bietet die HPV-Impfung. Gynäkologen raten vor allem jungen Mädchen aber auch Knaben, sich bereits vor dem ersten Geschlechtsverkehr schutzimpfen zu lassen.

Sind bereits HPV-bedingte Zellveränderungen am Gebärmutterhals aufgetreten, hat die Impfung keinen heilenden Effekt. In diesem Fall müssen andere medizinische Schritte gesetzt werden.

Vulvakarzinom

Krebs an Scheide und Scham wird in Österreich jährlich etwa bei 200 Frauen neu diagnostiziert. Dahinter können sich verschiedene Tumoren verbergen, die von unterschiedlichen Zellen der Genitalregion ausgehen. Am häufigsten sind die großen Schamlippen betroffen. Als auslösende Faktoren gelten Infektionen mit HPV vom Typ 16 und 18, aber auch chronische Erkrankungen, die mit einer Entzündung, Verhornung und Austrocknung im Bereich der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane einhergehen. Vulvakrebs ist eine Erkrankung des Alters. Er verzeichnet ab dem 70. Lebensjahr einen deutlichen Häufigkeitsanstieg.

Diagnostik und Therapie

Gerade die Diagnostik und Therapie von Gebärmutter- und Eierstockkrebs bedarf spezialisierter Einrichtungen und ausgebildeter Spezialistinnen und Spezialisten. Je häufiger eine bestimmte Erkrankung an einer Abteilung behandelt wird, desto besser sind die Überlebenschancen der betroffenen Frauen. International ist eine Zahl von mindestens 100 behandelten gynäkologischen Krebserkrankungen pro Jahr die Grundlage für ein hoch-qualitatives gynäkologisches Krebszentrum.

Aktion Petrol Ribbon

Brustkrebs ist nicht zuletzt durch die Pink Ribbon Aktion bereits gut im Bewusstsein der Bevölkerung verankert. „Unterleibskrebs“ ist weniger bekannt. Das Wissen über diese Krebserkrankungen in der Bevölkerung ist marginal. Durch die Petrol Ribbon-Initiative soll das geändert werden. Die Initiative möchte über Unterleibskrebs aufklären, über Prävention, Vorsorge (HPV-Impfung) und Früherkennung informieren, zu einer stärkeren Wahrnehmung und Enttabuisierung des Themas Unterleibskrebs beitragen, zum regelmäßigen Frauenarztbesuch und zur Beachtung bestimmter körperlicher Signale motivieren (Frühsymptome wie irreguläre Blutungen, Unterleibsschmerzen, unerklärliche Zunahme des Bauchumfangs oder andauerndes Völlegefühl müssen ernst genommen und abgeklärt werden) und über die besten Therapiemöglichkeiten aufklären.

Ins Leben gerufen wurde die Petrol Ribbon-Initiative von Doz. Dr. Lukas Hefler. Als Leiter der Gynäkologischen Abteilung im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz ist es ihm ein besonderes Anliegen, das Thema Unterleibskrebs aus der Tabuzone zu holen.

Anstatt zu Vorträgen einzuladen, will man „zu den Frauen gehen“. Ein Petrol Ribbon Experten-Team wird vorerst in Linz Station machen. In den nächsten Jahren ist eine landesweite Promotion Tour geplant.

Neuerkrankungen in Österreich

Endometriumkarzinom ca. 950/Jahr

Ovarialkarzinom ca. 900/Jahr

Zervixkarzinom ca. 450/Jahr

Tumoren der Scheide und Scham ca. 200/Jahr

 

Termine und nähere Informationen:

www.petrolribbon.at

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