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Werdende Eltern frühzeitig beruhigen

Im Jahr 2003 wurden in Österreich 75.898 Kinder geboren. Die Frühgeburtenrate liegt bei etwa sieben Prozent. In den meisten Fällen verlaufen Schwangerschaft und Geburt glücklicherweise unkompliziert. Risikoschwangerschaften sollten bereits in der Praxis als solche identifiziert und interdisziplinär betreut werden, fordert der Salzburger Gynäkologe Doz. Dr. Horst Steiner.

„Bei Risikoschwangerschaften ist jedoch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Allgemeinmedizinern und Fachärzten beziehungsweise Klinik von ganz besonderer Bedeutung“, betont Doz. Dr. Horst Steiner, Univ.-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Paracelsus Medizinische Pri-vatuniversität Salzburg, beim Allgemeinmedizin-Kongress in Graz. Der Mutter-Kind-Pass stellt nur mehr den Mindeststandard der Schwangerenbetreuung dar. „Vor allem bei einer Risikoschwangerschaft sind diese Vorgaben aber völlig unzureichend“, sagt der Experte. „Risikoschwangerschaften sollten bereits in der Praxis als solche identifiziert und dann in der Regel gemeinsam mit dem Facharzt oder einer pränatalmedizinisch versierten Abteilung betreut werden.“ Durch die moderne pränatale Diagnostik können immer früher gesundheitliche Beeinträchtigungen des Ungeborenen erkannt werden. Jeder Arzt ist verpflichtet, Schwangere, die am errechneten Geburtstermin des Kindes 35 Jahre oder älter sind, über die Möglichkeiten einer genetischen Abklärung aufzuklären und zu beraten. Dies gilt auch bei erhöhtem genetischem Risiko, unabhängig vom Alter. Ziel ist jedoch keine Rasterfahndung durch Gynäkologen, sondern die frühzeitige Beruhigung der werdenden Mutter beziehungsweise Eltern. „Durch das ‚First Trimester Screening’ können bereits in der 11. bis 14. Schwangerschaftswoche bis zu 90 Prozent der Chromosomenanomalien und zahlreiche andere Entwicklungsstörungen entdeckt werden“, berichtet Steiner.

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Die höchste Sensitivität für abnorme Genetik weist der „Com­bined Test“ auf. Dabei wird aus der Messung der fetalen Nackentransparenz mittels Ultraschall, der Bestimmung des freien beta-hCG und des PAPP-A (Pregnancy Associated Plasma Protein A) im maternalen Blut, dem Gestationsalter, dem „Altersrisiko“ der werdenden Mutter und der geburtshilflichen Anamnese die individuelle Wahrscheinlichkeit einer kindlichen Chromosomenanomalie errechnet. Das Ergebnis liegt beim OSCAR-(One Stop Clinic for Assessment of Risk) Konzept in einer Stunde vor.

Was tun bei erhöhtem Risiko?

Bei erhöhtem Risiko (über 1:300) können die Schwangeren gezielt und frühzeitig einer invasiven Diagnostik wie Amniocentese oder Chorionbiopsie zugewiesen werden. Das ist ein großer Fortschritt, vor allem für Schwangere über 35 Jahre, denen bisher immer zu einer Punktion geraten wurde. „Es ist von größter Relevanz, auch jene Schwangeren herauszufiltern, bei denen sich im Verlauf der Schwangerschaft ein Problem entwickeln kann“, so Steiner. Das können unter anderen Schwangerschafts-induzierte Hypertonie, Präeklampsie, Gestationsdiabetes (GDM) oder fetale Wachstumsstörungen sein. Zu einer Frühgeburt neigen insbesondere Schwangere mit Mehrlingsgravidität, St.p. Cervix-OP, Frühgeburts-/Spätabort-Anamnese und vaginalen Infektionen (Therapie siehe Tabelle). Auch Mütter mit einer chronischen Erkrankung in der Anamnese sind gefährdet. Diese „Risikoschwangeren“ bedürfen einer besonderen Betreuung. Eine leichte Hypertonie liegt bei einem systolischen RR von 140-155 mmHg bzw. bei einem diastolischen RR zwischen 90-105 mmHg und einer Proteinurie von >0,3g und <5g/24 h vor, eine schwere Form bei RR syst. ≥160 mmHg, RR diast. ≥110 mmHg, Proteinurie >5g/24 h und einer Oligurie <400ml/24 h. Sofern nicht mütterlicherseits dringlich indiziert (Vorbeugung Plazentalösung, Hirnblutung), sollte keine rasche Blutdrucksenkung erfolgen. Steiner: „Zur langfristigen Therapie können Methyldopa, Dihydralazin oder Labetalol eingesetzt werden.“ Das „Austrian Gestational Diabetes Project“ hat Empfehlungen zur Stratifizierung der Schwangeren nach hohem, mittlerem und niedrigem Risiko für die Entwicklung eines GDM entwickelt. „Es wäre hilfreich, wenn sie über die Homepage der Österreichischen Diabetes Gesellschaft abrufbar wären“, regte Steiner an.

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