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Lieber Fruchtsaft als Wein im Glas - das fetale Alkoholsyndrom ist vermeidbar. Beratung von Schwangeren nützt.
 

Kurzintervention zur Prävention des fetalen Alkoholsyndroms erfolgreich

Ein HTA-Bericht des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) zeigt: Beratung verringert Alkoholschäden bei Neugeborenen.

Das fetale Alkoholsyndrom (FAS) ist die häufigste vermeidbare Behinderung bei Neugeborenen. Alleinige Ursache ist Alkohol während der Schwangerschaft. Wissenschaftler haben jetzt im Auftrag des DIMDI entsprechende Präventionsmaßnahmen analysiert und bewertet. Sie stellen fest, dass bereits mehrmalige kurze Beratungsgespräche die Abstinenz von Schwangeren steigern.



Ihre Ergebnisse fassen die Autoren in einem HTA-Bericht zusammen (Health Technology Assessment, systematische Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien). Der Bericht ist kostenfrei auf den Webseiten des DIMDI abrufbar (siehe Links unten).

Beratung als Kurzintervention erfolgreich


Um Ungeborene besser vor Alkohol zu schützen, empfehlen die Autoren sogenannte Kurzinterventionen. Gemeint sind mehrmalige kurze Beratungsgespräche für Schwangere. Darin erhalten sie Informationen und praktische Hinweise zu Verhaltensänderungen. Diese Sensibilisierung für die Problematik könne ihren Alkoholgenuss während der Schwangerschaft verringern, wie die im Bericht betrachteten Studien zeigen.

FAS unheilbar, aber vermeidbar

Schwangere können ein FAS ihres Babys leicht verhindern, indem sie ganz auf Alkohol verzichten. Eine vollständige Heilung bereits betroffener Kinder ist jedoch nahezu unmöglich. Einzelne Symptome des FAS lassen sich zwar gut therapieren, etwa durch Medikamente oder Operationen. Psychische Defizite z.B. bedürfen jedoch meist einer intensiven und langfristigen Betreuung und bleiben häufig bis in das Erwachsenenalter bestehen.

Erst wenige Daten zur Prävention

Die Autoren betonen, dass eine erfolgreiche Prävention daher besonders gefährdete Frauen einbeziehen müsse. Dies seien Frauen, die schon vor einer aktuellen oder in vorangegangenen Schwangerschaften zu viel Alkohol getrunken haben.


Fazit der Autoren

Deutschland sieht bei Vorsorgeuntersuchungen von Schwangeren vor, ihr Trinkverhalten routinemäßig z.B. über einfache Fragebögen zu erfassen. Um die Frauen anschließend effektiv beraten zu können, empfehlen die Autoren, Gynäkologen und anderen Multiplikatoren Weiterbildungen anzubieten. So könnten diese stärker für das Thema sensibilisiert werden.
Der HTA-Bericht basiert größtenteils auf US-Studien. Diese Studienergebnisse sind jedoch nur eingeschränkt übertragbar. So gelten in Deutschland eher ältere Frauen der sozialen Oberschicht als Risikogruppe, während die US-Studien vorwiegend sozial benachteiligte Gruppen untersuchten.

Medizinischer Hintergrund

Das fetale Alkoholsyndrom (FAS) beschreibt vorgeburtlich entstandene Schäden von Kindern durch Alkohol. Das können sein: Minderwuchs und Untergewicht, Kleinköpfigkeit und Entwicklungsstörungen wie Sprach-, Hör- und Koordinationsstörungen. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung spricht von etwa 10.000 Kindern pro Jahr, die durch den Alkoholkonsum ihrer Mütter während der Schwangerschaft geschädigt werden.

Literatur

HTA-Bericht: Prävention des fetalen Alkoholsyndroms; Barbara Fröschl, Charlotte Wirl, Sophie Brunner-Ziegler, Schriftenreihe Health Technology Assessment (HTA) in der Bundesrepublik Deutschland

Links:

HTA-Bericht: Volltext (PDF, 472kB)

HTA-Bericht: Kurzfassung (PDF, 28kB)

PA DIMDI / IS, springermedizin.at

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