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Nur mikroskopische Blitzdiagnose zu wenig

Die Pilzflora in den österreichischen Wäldern bleibt über die Jahre mehr oder weniger gleich. Die Erregerverteilung humanpathogener Pilze andererseits, speziell bei den Hefen, hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Hefepilze zählen generell nicht zur physiologischen Flora des Menschen.

Hefen befallen die Haut, das Nagelorgan, selten auch Haarfollikel, ebenso die Schleimhaut von Mundhöhle, Ösophagus, den Gastrointestinaltrakt, die Vagina und auch innere Organe. Die Vulvovaginalmykose gehört immer noch zu den am weitesten verbreiteten Krankheiten, mit denen Gynäkologen konfrontiert werden. Drei von vier Frauen erleiden zumindest einmal in ihrem Leben eine Vaginalmykose. Die Inzidenz der Vaginalmykosen ist stark steigend, besonders die chronisch rezidivierenden Formen sind im Zunehmen.

Non-albicans-Typen

Noch in den 70er-Jahren waren über 90 Prozent der Erreger von Vaginalmykosen Candida albicans. Die Erregerverteilung verschiebt sich immer mehr in Richtung exotischer Hefen. Gerade bei chronisch rezidivierenden Infektionen kommt es vermehrt zur Selektion von Candida-non- albicans-Typen wie Candida tropicalis, Candida krusei und Candida glabrata. Bei der chronisch rezidivierenden Candidose ergaben Untersuchungen eindeutig, dass orale Arzneimittelformen den lokalen überlegen sind.

Es hat sich aber auch gezeigt, dass in den letzten Jahrzehnten die Häufigkeit dieser non-albicans-Typen auch bei Primärinfektionen signifikant angestiegen ist. Bei der Therapie muss darauf geachtet werden, dass das Antimykotikum optimalerweise gegen das gesamte Candida-Spektrum wirksam ist. In-vitro-Empfindlichkeitsuntersuchungen ergaben, dass Itraconazol (Sporanox®) für sämtliche Candida-albicans- und Non-albicans-Typen (wie C. tropicalis, C.krusei, C. glabrata) die niedrigsten minimalen Hemmkonzentrationen benötigt und daher als einziges orales Antimykotikum eine effektive Behandlungsmethode sämtlicher Candidastämme darstellt.

Erregerdifferenzierung

Die genaue Erregerdifferenzierung ist in der Praxis nur mit Spezialverfahren möglich. Der gewohnheitsmäßige Blick ins Mikroskop lässt nicht mehr zu als die Aussage: "aha, ein Pilz". Ziel einer österreichischen Untersuchung war es, den aktuellen status quo bezüglich der Erregerverteilung bei Vaginalmykosepatientinnen zu erheben.

Dazu wurden österreichweit in den gynäkologischen Praxen Erregerdifferenzierungen bei Vaginalmykose-Patientinnen mittels Kulturen auf Chromagarmedien durchgeführt. Aufgrund der unterschiedlichen Färbung der einzelnen Candidastämme ist es möglich, Candida albicans, C. tropicalis, C. krusei und C. glabrata zu unterscheiden. C. albicans Kolonien färben sich grün, C. tropicalis metallischblau und C. krusei rosa mit einem weißlichen Rand.

Andere Hefen wachsen in ihrer natürlichen Farbe (cremefarben) oder werden violett gefärbt (z.B. C. glabrata). Aufgrund der unterschiedlichen Morphologie und Farben der Hefekolonien auf diesem Medium wird die Detektion von Hefemischkulturen in der Probe auf dem Medium erleichtert. Bei 716 Patientinnen wurden Erregerbestimmungen mittels Chromagarmedium durchgeführt, wovon etwa ein Drittel unter einer akuten Vaginalmykose, ein weiteres Drittel unter einer Vulvovaginalmykose sowie ein Drittel unter einer chronisch rezidivierenden vulvovaginalen Candidose litt. Nur 49% der Patientinnen haben eine reine Candida albicans Infektion.

Auch die nach den drei Diagnosen differenzierte Erregerverteilung zeigt, dass C. albicans nur in etwa der Hälfte der Fälle Ursache der Infektion ist. Erwartungsgemäß sind die exotischen Keime bei chronischen Vulvovaginalmykosen etwas stärker vertreten. Aber auch einfachere Vaginalmykosen werden fast zur Hälfte von C. krusei, C. glabrata, C, tropicalis und Mischinfektionen verursacht.

Bei 574 Patientinnen wurde neben der Pilzkultur auch eine mikroskopische Untersuchung durchgeführt. Von den 144 Fällen mit negativer Mikroskopie konnte in 102 Fällen mittels Kultur eine Candidainfektion nachgewiesen werden. Zusammenfassend ist zu bemerken, dass gegenwärtig auch bei einer einfachen oder erstmals bei einer Patientin auftretenden Candidose verstärkt mit exotischen Keimen gerechnet werden muss, und die Therapie diesen neuen Gegebenheiten angepasst sein sollte.

Dr. Karin Reischl, Ärzte Woche 39/2001

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