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„Jede Verhütung ist besser als keine“

Neben dem Wunsch nach Familienplanung sollte auch immer die jeweilige Lebenssituation in die Entscheidungsfindung miteinbezogen werden.

„Fruchtbarkeit und Sexualität sind wesentliche Grundbedürfnisse des Menschen. Der Wunsch nach oder die Angst vor einem Kind auf der einen, das Bedürfnis nach sexueller Befriedigung auf der anderen Seite – diese konflikthaften Bereiche greifen tief in die seelisch-körperliche Befindlichkeit ein“, erinnert Dr. Marianne Stögerer, Gynäkologin und Ärztin für Psychosomatik in Graz, beim 35. Kongress für Allgemeinmedizin Ende November. Die fertile Phase von Frauen beträgt durchschnittlich 40 Jahre. „Die Beratung kann und muss daher immer individuell erfolgen. Und: Jede Kontrazeption ist besser als keine“, betont die Expertin.

Das erste Mal

Das berühmte erste Mal passiert überwiegend spontan. Jedes 10. Mädchen hat im Alter von 14 Jahren Geschlechtsverkehr, jedes 4. Mädchen im Alter von 15 Jahren. Dass die Verhütungsverantwortung in einer erotischen Situation gerade für Jugendliche schwer kommunizierbar ist, zeigt sich in dem Umstand, dass nur ein Viertel ausreichend verhütet. Mittel der Wahl sind niedrig dosierte orale Hormonpräparate (OH) in Kombination mit Kondomen. Mit dem Verhütungspflaster und dem hormonhältigen Vaginalring gibt es zuverlässige Alternativen zur Pille. „Reine Gestagenpräparate sind wegen der schlechten Zykluskontrolle für Jugendliche kaum geeignet“, sagt Stögerer. Depot-Gestagene kommen wegen der verzögert einsetzenden Fertilität nur bei ausgeprägter Unzuverlässigkeit in Frage. Intrauterinpessare sind wegen des Infektionsrisikos weniger zu empfehlen. Wenn aber OH kontraindiziert sind oder nicht akzeptiert werden, ist die Spirale (IUP) einer weniger zuverlässigen Methode vorzuziehen. Die Levonorgestrel-hältige Hormonspirale (IUS) kann sowohl Blutungsstörungen, Dysmenorrhoen als auch Infektionen vorbeugen.

Sicherheit geht vor

Natürliche Fruchtbarkeitswahrnehmung ist aufwändig, erfordert Disziplin und ist bei Jugendlichen unsicher. „Die Anwendung von Spermiziden allein ist zu unsicher“, betont die Frauenärztin. „Barrieremethoden in Kombination mit Spermiziden stellen eine brauchbare Alternative dar. Vor allem bietet das Kondom einen zuverlässigen Schutz vor Infektionen.“ Nach einer Entbindung besteht ein besonderes Bedürfnis nach sicherer Kontrazeption. Bei der Auswahl der Methoden sind temporäre gegenüber permanenten Methoden abzuwägen, wobei die Frage des Stillens eine wichtige Rolle spielt. Wird nicht gestillt, kommt es bereits bis zur 6. postpartalen Woche bei der Hälfte der Frauen zur Ovulation. „Wegen des erhöhten Thromboserisikos sollte mit einer hormonellen Kontrazeption nicht vor der vierten postpartalen Woche begonnen werden“, empfiehlt Stögerer. Reine Gestagenpräparate können dagegen bereits kurz nach der Geburt angewendet werden. Das Mittel der Wahl, neben Kondomen, ist die kupferhältige Spirale oder – alternativ – die Hormonspirale. Wird während des Stillens doch eine hormonelle Kontrazeption gewünscht, sollten reine Gestagen-Präparate angewandt werden.

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