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Die Menopause ist keine Krankheit

Schlaflosigkeit, Müdigkeit, depressive Verstimmung, Schweißausbrüche und ähnliche Symptome werden im Allgemeinen dem klimakterischen Syndrom zugeordnet und dementsprechend behandelt. Die Beschwerden sind jedoch häufig nicht ausschließlich hormonell bedingt, sondern von den Lebensumständen mitgetragen und dann medikamentös schwer zu beeinflussen.

„Die erste zu beantwortende Frage ist die Definition des mittleren Lebensalters der Frau“, räsonierte Doz. Dr. Katharina Schuchter, Gynäkologische Abteilung, SMZ-Ost, Wien, anlässlich einer Tagung zum Thema „Menopause aus interdisziplinärer Sicht“ in Wien. „Ein Vergleich der letzten zwei Jahrtausende zeigt, wie relativ der Begriff ,Alter’ ist und wie sehr er sich gewandelt hat.“ So lag die durchschnittliche Lebenserwartung im Römischen Reich bei 25 Jahren, heute liegt sie bei 80 Jahren. Das durchschnittliche Lebensalter für die Menopause ist allerdings in dieser Zeit mit etwa 50 bis 52 Jahren gleich geblieben.
In der Geburtshilfe galt eine Gebärende mit 35 Jahren bis vor wenigen Jahren bereits vielfach als „alt“. In jüngster Zeit relativiert sich allerdings diese Einschätzung, nicht zuletzt aufgrund veränderter sozioökonomischer und gesellschaftlicher Faktoren sowie besserer pränataler Untersuchungs- und Diagnoseverfahren. Während heutzutage manche Frauen erst beginnen, sich mit dem Gedanken an Kinderwunsch zu beschäftigen, werden andere bereits Großmütter. Die jeweiligen Probleme einer Frau sind also eher abhängig von der persönlichen Lebenssituation und dem Gesundheitszustand als von einem kalendarischen Lebensalter. „Diese verschiedensten Aspekte sollten in der Betreuung von Frauen vermehrt Beachtung finden“, forderte Schuchter.

Ein Lebensabschnitt voller Veränderungen

Gynäkologisch betrachtet befindet sich eine Frau etwa zum Zeitpunkt um die Menopause im mittleren Lebensalter. Schuchter: „Neben der allgemeinen Problematik des Älterwerdens kommen auf die Frauen in diesem Lebensabschnitt körperliche und gesundheitliche Veränderungen sowie oft auch soziale, familiäre und berufliche Probleme zu.“ Die verschiedenen somatischen und psychischen Veränderungen in den Wechseljahren werden als klimakterisches Syndrom zusammengefasst, dessen kausale Ursache in der Abnahme der Ovarialfunktion zu sehen ist. „Dies ist in erster Linie ein natürlicher Prozess und darf nicht zu einer Krankheit gemacht werden“, betonte Schuchter. Besonders häufig kommt es zu Gewichtszunahme, die sich vor allem aus dem veränderten Grundumsatz erklärt. Dieser beträgt bei einer 20-Jährigen etwa 2.200 bis 2.500 Kilokalorien pro Tag, bei älteren Frauen liegt er zwischen 1.800 und 2.000 Kilokalorien. Diesem Umstand ist physiologischer Weise durch eine Veränderung des Essverhaltens Rechnung zu tragen.
Gegen eine Pathologisierung der Menopause sprach sich auch Prof. Dr. Marianne Kremser-Springer aus. Viele der als typisch angesehenen menopausalen Symptome seien nicht in erster Linie hormonell bedingt, sondern eine Folge der Lebensumstände. Kremser-Springer zitierte eine aktuelle Studie von Greene et altera, in der Frauen und Männer mittleren Lebensalters in vergleichbaren Lebenssituationen (Arbeit, Familie et cetera) untersucht wurden. Das Ergebnis: Die Beschwerden von Frauen und Männern in ähnlichen Verhältnissen unterschieden sich kaum. Kremser-Springer wandte sich daher entschieden gegen eine „Medikalisierung“ der Menopause ohne wissenschaftlich begründbare Indikationsstellung. Selbstverständlich können aber auch einzelne Störungen unmittelbar oder in der Folge Krank-heitscharakter annehmen.„In dieser Zeit ist es besonders wichtig, die Frauen individuell, interdisziplinär und mit entsprechendem Zeitaufwand zu beraten und zu behandeln“, schloss Schuchter.

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