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Schiffsfahrten in der Schwangerschaft gelten als ungefährlich.

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Was ist erlaubt? Reiseberatung für Schwangere

Die Entscheidung, ob eine Schwangere verreisen kann, ist abhängig vom Zeitpunkt der Gestation, von präexistenten Erkrankungen und von der derzeitigen klinischen Situation.

Um eine schwangere Frau, die verreisen möchte, ausgiebig und angemessen zu beraten, bedarf es einer genauen und individuellen Risikoabschätzung. Besondere Vorsicht ist geboten bei ausgeprägter maternaler Anämie, bekannter Hypertonie, Diabetes mellitus, Thrombose/Embolie sowie bei einer Thromboseneigung in der Vorgeschichte, bei extrauterinen Schwangerschaften, Mehrlingsschwangerschaft, Plazentainsuffizienz, vaginalen Blutungen, vorzeitigem Blasensprung bzw. vorzeitiger Wehentätigkeit und Zervixverkürzung.

Die meisten Frauen können ohne Probleme reisen. Allerdings bedarf es, wie bei allen Situationen während der Schwangerschaft, etwas Planung und die Einhaltung von Vorsichtsmaßnahmen um die Sicherheit der schwangeren Frau und ihres ungeborenen Kindes zu gewährleisten. Prinzipiell lassen sich mögliche Komplikationen unterteilen in:

• Komplikationen in Abhängigkeit der Reisemodalitäten (z. B. Flugreisen, Busreisen)

• Schwierigkeiten bezüglich Versicherungsstatus, Zugang zum Gesundheitssystem und zu medizinischer Versorgung während der Reise und am Reiseort

• spezielle Risiken im Reisegebiet (z.B. endemische Infektionserreger, hygienische Standards oder Ernährungsgewohnheiten)

Der richtige Zeitpunkt

Von gesunden Frauen, deren Reisepläne zeitlich flexibel gestaltet werden können, werden Ärzte oft gefragt, wann der beste Zeitpunkt für eine Reise ist. Die meisten Frauen haben nur ein geringes Risiko, sodass Komplikationen während einer Reise nicht zu erwarten sind. Allerdings kann es aus medizinischer Sicht notwendig sein, von einer Reise abzuraten, vor allem wenn Risiken vorhanden sind. Jedes Trimenon hat spezifische Risiken und Konstellationen, die bedacht werden müssen.

Erstes Trimenon. Eine Reise scheint wahrscheinlich das Risiko einer extrauterinen Gravidität oder eines Abortes nicht zu beeinflussen. In einer Metaanalyse wurde ein erhöhtes Risiko für einen Abort bei Flugbegleiterinnen im Vergleich zur Kontrollgruppe beschrieben [29]. Allerdings waren die vorhandenen analysierten Untersuchungen von eingeschränkter Qualität, sodass daraus keine konkrete Stellungnahme abgeleitet werden kann.

Zweites Trimenon. Schwangerschaftsassoziierte Komplikationen sind im zweiten Trimenon im Vergleich zum ersten und dritten seltener. Das zweite Trimenon scheint die beste Zeit für eine Reise zu sein [3]. Allerdings sollten Frauen mit einem erhöhten Frühgeburtsrisiko Flugreisen vermeiden und die Verfügbarkeit von spezialisierten Zentren am Reiseort eruieren. Dabei ist natürlich zu bedenken, dass vor allem bei Auslandsreisen eine Frühgeburt häufig nicht von der Versicherung getragen wird bzw. solche spezialisierten Zentren nicht überall optimal sind.

Drittes Trimenon. Die Inzidenz einer Frühgeburt ist in verschiedenen Regionen und Ländern sehr unterschiedlich. Während in den USA etwa 12-13 Prozent der Schwangeren vorzeitig gebären, liegt die Inzidenz in Europa und anderen entwickelten Ländern zwischen 5 und 9 Prozent [15, 30, 33]. Das Risiko einer vorzeitigen Entbindung vor der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) war bei normalen Flugpassagieren im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant höher, aber nicht im Vergleich zu schwangeren Flugbegleiterinnen [29]. Allerdings sind die wenigen vorhandenen Untersuchungen eher retrospektive Kohortenstudien und somit nur eingeschränkt beurteilbar.

Mit dem Flugzeug

Strahlenexposition. Eine Strahlenexposition kann vor allem während der fetalen Organogenese im ersten Trimenon zu fetalen Schädigungen führen. Eine häufige Frage ist demzufolge, ob das ungeborene Kind einer erhöhten Strahlung ausgesetzt ist und es dadurch zu Komplikationen kommen kann.

Die Strahlenbelastung im Rahmen der Sicherheitsüberprüfung am Flughafen scheint nicht von Bedeutung für das ungeborene Kind, trotz der anfänglichen Bedenken hinsichtlich Leukämie und Krebs. Allerdings kann die Schwangere aufgrund eines eigenen erhöhten Sicherheitsbedürfnisses eine manuelle Durchsuchung statt der Sicherheitskontrolle durch die Flughafensicherheitsgeräte vorschlagen.

Im Durchschnitt führt die kosmische Strahlung am Boden aufgrund der schützenden Atmosphäre zu einer effektiven Dosis von etwa 0,3 mSv pro Jahr. In der Luft ist die kosmische Strahlung höher. Daher sind Flugpersonal und -passagiere einer erhöhten kosmischen Strahleneinwirkung ausgesetzt.

Aborte, fetale Malformationen oder andere strahlenbedingte Schwangerschaftskomplikationen sind bis zu einer Dosis von 50 mSv sehr unwahrscheinlich [4]. Die umweltbedingte Strahlenbelastung beträgt im Schnitt etwa 2,2–2,35 mSv pro Jahr. Eine konventionelle Röntgenuntersuchung des Thorax führt zu einer Strahlenexposition von 0,1 mSv pro Untersuchung. In Abhängigkeit von der Flughöhe und der geographischen Breite ist innerhalb eines Flugzeuges in 10–12 km Höhe mit einer typischen Dosisbelastung von 0,005 mSv pro Stunde zu rechnen. Somit wird bei einem 10-Stunden-Flug die Strahlenexposition auf 0,05 mSv geschätzt [8]. Demzufolge erscheint das Risiko einer Komplikation für das ungeborene Kind aufgrund einer Strahlenbelastung während eines einzelnen Fluges vernachlässigbar. Allerdings können Flugbegleiterinnen und schwangere Frauen, die beruflich häufig fliegen, die empfohlenen Maximalwerte erreichen.

Luftdruck und Sauerstoffsättigung. Der niedrige Luftdruck in einer Flugzeugkabine hat nach heutigem Wissen nur einen geringen Effekt auf den Fetus. Während des Fluges wird der Druck automatisch angepasst. Die Mutter und das ungeborene Kind haben zwar im Vergleich zur Erdoberfläche weniger Sauerstoff im Blut, doch der Körper adaptiert sich sehr schnell [3, 23]. Allerdings kann es theoretisch zur kurzfristigen Beeinträchtigung der Schwangerschaft kommen.

Der partielle Sauerstoffdruck in der Flugzeugkabine ist geringer als der auf der Erde. Der Körper adaptiert sich an diese relative Reduktion des eingeatmeten Sauerstoffes, indem er mit einer erhöhten Herzschlagfrequenz, erhöhtem Blutdruck und einer Verringerung der arteriellen Sauerstoffsättigung reagiert [23]. Das fetale Hämoglobin hat eine größere Affinität für Sauerstoff im Vergleich zum Erwachsenen. Aus diesem Grund kann der Fetus eine höhere Sauerstoffsättigung während einer Flugreise aufrechterhalten [23]. Die meisten gesunden Schwangeren werden keine Probleme bei einer Flugreise haben. Allerdings sind kardiovaskuläre Erkrankungen, maternale Anämie oder Sichelzellanämie Risikofaktoren [3, 6, 22].

Schwangere Frauen mit einer bekannten Anämie sollten vor dem Antritt einer Reise darauf hingewiesen und das Hämoglobin normalisiert werden. Schwangere Frauen mit einer ausgeprägten Anämie sollten die Reise verschieben.

Thrombose und Embolie. Eine Thrombose tritt bei Schwangeren zehnmal häufiger auf als bei nichtschwangeren Frauen und beeinflusst eine von 1.000 Schwangerschaften [2, 28]. Obwohl eine Thrombose während der gesamten Schwangerschaft auftreten kann, treten etwa 50 Prozent der Ereignisse in den ersten 20 SSW auf [19].

Obwohl das absolute Risiko gering ist, dürfte die Gefahr durch Flugreisen aufgrund der länger andauernden Immobilität, der gestationsbedingten Endothelveränderungen und durch die (relative) mechanische Obstruktion des vergrößerten Uterus, erhöht sein [3, 21]. Allerdings ist die Inzidenz einer Thrombose während der Schwangerschaft bei Langstreckenflügen noch weitgehend unklar. Bei nichtschwangeren, reisenden Frauen mit einem erhöhten Risiko eines thromboembolischen Ereignisses, zeigten 4-5 Prozent der untersuchten Patienten eine tiefe Beinvenenthrombose (TVT; [10]). Es scheint, dass Langstreckenflüge von mindestens 8 Stunden bei Personen mit zusätzlichen Risikofaktoren mit einem erhöhten TVT-Risiko einhergehen [1]. Eine große Kohortenanalyse zeigte, dass Flugreisen mit einem zwei- bis vierfach erhöhten Risiko einer neuen Thrombose assoziiert sind [26, 27]. Allerdings beziehen sich diese Daten nur auf nicht schwangere Frauen.

Wahrscheinlich verringert das Tragen von elastischen Kompressionsstrümpfen während eines Fluges (und einige Tage danach) das Risiko eines thromboembolischen Ereignisses [9, 11]. Allerdings gibt es keine Untersuchungen zur Verwendung solcher Stützstrümpfe bei Schwangeren, die deren prophylaktische Wirksamkeit belegen könnten. Die alleinige medikamentöse Vorsorge mit Acetylsalicylsäure sollte aufgrund der eingeschränkten Effektivität und möglicher hämorrhagischer Komplikationen nicht durchgeführt werden [16, 17]. Bei Frauen mit einem erhöhten Risiko eines thromboembolischen Ereignisses sollte eine Prophylaxe mit niedermolekularem Heparin durchgeführt werden [9, 16, 17].

Bestimmungen von Fluggesellschaften.Jede Fluggesellschaft hat eigene Richtlinien in Bezug auf Schwangerschaft und Fliegen. Falls eine Flugreise geplant ist, ist es äußerst sinnvoll, sich frühzeitig mit der jeweiligen Fluggesellschaft in Verbindung zu setzen, um ihre Richtlinien und Formalitäten zu erfahren. Prinzipiell sind Kurzstreckenflüge bis zur 36. SSW möglich [3]. Bei Interkontinentalflügen besteht häufig eine Beschränkung zwischen der 32. bis 35. SSW. Allerdings ist dies abhängig von der jeweiligen Fluggesellschaft. Ein ärztliches Attest ist bei einigen Fluggesellschaften meist ab der 28. SSW vorzulegen. Dies sollte in den meisten Fällen maximal zwei Wochen vor Reisebeginn vom Arzt (bzw. Hebamme) ausgestellt sein.

Für schwangere Flugbegleiterinnen und Pilotinnen bestehen abhängig von der jeweiligen Fluggesellschaft gesonderte Vorgaben, die zu beachten sind.

Mit dem Auto

Autofahrten gelten während der Schwangerschaft als ungefährlich. Es sollte darauf geachtet werden, dass bei längeren Reisen regelmäßige Pausen eingelegt werden. Schwangere sollten sich in diesen Zeiträumen bewegen. Ebenfalls sollten Reisen vermieden werden, die länger als sechs Stunden dauern. Motorradfahrten werden während der Schwangerschaft nicht empfohlen.

Es sollte immer ein Sicherheitsgurt getragen werden. Um bei einem Unfall den optimalen Schutz für Mutter und Feten zu gewährleisten, sollte der Gurt zwischen den Brüsten und unterhalb des Bauches verlaufen. Das Fruchtwasser kann den Druck des Gurtes sehr gut abfedern. Je weiter die Schwangerschaft vorangeht, umso eingeschränkter wird die Bewegungsfreiheit, sodass es ab einem bestimmten Zeitpunkt sinnvoll ist, sich fahren zu lassen. Im Falle eines Verkehrsunfalls sollte die Schwangere ein möglichst nahegelegenes perinatologisches Zentrum aufsuchen, um die Intaktheit der Schwangerschaft und mögliche weitere Risiken abzuschätzen.

Bus und Bahn

Auch bei Reisen mit Bus oder Bahn sollte in regelmäßigen Abständen für etwas Bewegung gesorgt werden. Während man bei Bahnfahrten häufiger aufstehen und gehen kann, sollte man bei Busreisen jeden Halt für etwas körperliche Aktivität nutzen. Die Bewegungen des Zuges oder des Busses verursachen keine schwangerschaftsrelevanten Komplikationen, wie zum Beispiel vorzeitiger Wehenbeginn oder auch vorzeitiger Blasensprung.

Mit dem Schiff

Schifffahrten gelten während der Schwangerschaft als ungefährlich. Die meisten Reisenden mit dem Schiff klagen über Übelkeit während der Fahrt, sodass entsprechende Vorkehrungen getroffen werden sollten. Hinzu kommt, dass einige Schifffahrtsgesellschaften Einschränkungen hinsichtlich des Transports von Schwangeren haben. Vor Antritt der Reise sollte die jeweilige Gesellschaft kontaktiert werden, um die Beschränkungen und Formalitäten zu erfragen. Die Schwangere sollte auch darauf hingewiesen werden, dass die medizinische Versorgung auf Schiffen sehr eingeschränkt ist und geburtshilfliche Notfälle nur selten adäquat behandelt werden können.

Beratung

Eine Reise beinhaltet kein spezielles Risiko für gesunde schwangere Frauen oder deren ungeborene Kinder. Trotzdem gibt es einige grundlegende geburtshilfliche Situationen, die erhöhte Risiken beinhalten:

• ausgeprägte maternale Anämie

• Hypertonie oder Diabetes mellitus

• Thrombose/Embolie sowie bekannte Thromboseneigung in der Vorgeschichte

• extrauterine Schwangerschaften

• Mehrlingsschwangerschaft

• Plazentainsuffizienz

• vaginale Blutungen

• vorzeitiger Blasensprung bzw. vorzeitige Wehentätigkeit

• Zervixverkürzung

Die Lokalisation einer Frühschwangerschaft sollte sonographisch vor einer Reise festgestellt werden. Falls pathologische Symptome, z. B. vaginale Blutung oder abdominale Krämpfe, auftreten, sollte die Reise verschoben werden. Aus diesem Grund sollte vor einer geplanten Reise eine genaue Risikoabschätzung erfolgen. Andere schwangerschaftsbedingte Komplikationen, z. B. Präeklampsie oder, falls es zur Frühgeburt kommt, Nabelschnurvorfall und verstärkte Blutung, sind sehr schwierig vorherzusagen.

Die meisten körperlichen Beschwerden einer reisenden Schwangeren unterscheiden sich nicht von denen jeder anderen schwangeren Frau. Sodbrennen, Verdauungsstörungen und Obstipation gehören ebenso dazu wie vaginaler Ausfluss, häufige (Bein-)Krämpfe, erhöhte Miktionsfrequenz und hämorrhoidale Beschwerden. Vor einer geplanten Reise kann demzufolge jede schwangere Frau bestimmte Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um die Reise so angenehm wie möglich zu gestalten (z. B. Vermeidung von gasproduzierenden Getränken oder Nahrungsmitteln kurz vor Linienflügen, regelmäßige Bewegung der Beine usw.). Zu empfehlen ist ferner die Reservierung eines Sitzplatzes am Gang, so dass ausreichende Beinfreiheit besteht und es bequemer möglich ist, die Toilette aufzusuchen oder sich im Gang zu bewegen.

Zusätzlich sollten alle Schwangeren über das Risiko einer möglichen Thrombose beraten werden, wobei es derzeit unklar ist, ob die Schwangerschaft wirklich ein zusätzliches Risiko bei Reisen, insbesondere bei Flugreisen, darstellt. Prophylaktische Maßnahmen können in diesem Zusammenhang empfohlen werden. Vor allem die richtige Anwendung von Stützstrümpfen kann das Risiko einer Thrombose, wenigstens in der Normalbevölkerung, reduzieren. Allerdings gibt es keine Daten für die Effektivität dieser Maßnahme während der Schwangerschaft. Frauen mit bekannten kardiovaskulären Problemen, ausgeprägter Anämie oder bekannter Sichelzellanämie sollten Flugreisen vermeiden.

Versicherungsstatus und medizinische Versorgung

Ein häufig vernachlässigter Aspekt einer Reise ist sicherlich die Prüfung des Versichertenstatus. Vor allem schwangere Frauen sind angehalten, vor der Reise mit ihrer Versicherung den aktuellen Versicherungsstand für das Ausland zu besprechen. Dabei sind folgende Aspekte zu beachten:

• Im Fall einer Behandlung am Reiseort sollte geklärt werden, welche Leistungen von der Krankenversicherung im Ausland übernommen werden. Vor allem bei einer Frühgeburt entstehen erhebliche Kosten, die viele Versicherungen bei einem Auslandsaufenthalt nicht tragen.

• Auch die Rücktransportkosten im Krankheitsfall sollten mit der Versicherung besprochen werden. Falls die Krankenversicherung diese nicht trägt, wäre über den Abschluss einer separaten Reiseversicherung nachzudenken.

• Im Falle eines Aufenthaltes im europäischen Ausland sollte geprüft werden, welche Unterlagen mitgenommen werden müssen, sodass eine Krankenversorgung am Reiseort gewährleistet ist.

• Im Falle eines außereuropäischen Auslandsaufenthaltes sollte eine Versicherungspolice auf Englisch geholt werden.

Vor dem Reiseantritt sollte ebenfalls bedacht werden:

• Falls eine pränatale Kontrolle am Reiseort nötig sein sollte, sollte vor Beginn der Reise geklärt werden, wo bzw. von wem diese durchgeführt werden kann.

• Die medizinische Versorgung bzw. die medizinischen Einrichtungen am Reiseort sollten im Vorfeld bekannt sein.

• Frauen mit einem erhöhten Frühgeburtsrisiko sollten Flugreisen vermeiden und die Verfügbarkeit von spezialisierten Zentren am Reiseort eruieren.

Impfungen

Auch am Ziel einer Reise können zahlreiche Risiken für eine schwangere Frau bestehen. Das Wissen über solche Risikosituationen ermöglicht meist eine effektive Prophylaxe. Die häufigsten Probleme in diesem Zusammenhang sind selbstverständlich endemische Infektionserreger und hygienische Standards.

Die effektivste Prophylaxe gegenüber Infektionserkrankungen stellt die Impfung dar. In Abhängigkeit des Reiseortes sind häufig bestimmte Impfungen nützlich bzw. vorgeschrieben. Ganz allgemein sind Impfungen während der Schwangerschaft möglich. Allerdings sollten Lebendvakzine vermieden werden (für eine detaillierte Darstellung siehe Neumann G.: Impfungen in der Schwangerschaft; Der Gynäkologe 2013).

Höhengebiete

Die Effekte von Höhenaufenthalten auf die Schwangerschaft wurden bei Einheimischen zwar ausreichend untersucht, allerdings gibt es nur wenige Daten für schwangere Besucher. Ein Aufenthalt in großen Höhen hat eine relative Sauerstoffsättigung zur Folge, die vermutlich auf die maternale und fetale Oxygenierung Einfluss hat. Allerdings sind diese Reaktionen sehr eingeschränkt zu beobachten, vor allem aber im Zusammenhang mit einer körperlichen Tätigkeit. Bekannte Vorerkrankungen (wie z. B. Hypertonie, Präeklampsie, Wachstumsretardierung) werden als Kontraindikationen für Reisen in großen Höhen angesehen. Auch sollte auf eine langsame Akklimatisierung an die veränderten Umgebungsumstände geachtet werden, sodass eine Höhenerkrankung vermieden werden kann [31, 35].

Es gibt keine Untersuchungen, die auf ein erhöhtes Risiko für das ungeborene Kind durch Aufenthalt in großen Höhen hinweisen. Allerdings sollte jeder Schwangeren bewusst sein, dass in Höhengebieten der Zugang zu medizinischer Versorgung häufig eingeschränkt ist und das Risiko einer fetalen Schädigung bei Höhenaufenthalten noch weitgehend unklar ist. Von einigen Fachgesellschaften wird daher meistens angeraten, Höhenausflüge, Wanderungen oder Bergsteigen auf über 3.500 m zu vermeiden [25].

Malariagebiete

Eine Malaria während der Schwangerschaft ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die Mutter und das ungeborene Kind. Schwangere haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, von einer Mücke gestochen zu werden (wahrscheinlich durch die höhere nächtliche Miktionsfrequenz und die erhöhte Körpertemperatur), wodurch es zur Malaria-Infektion kommen kann [12, 32]. Neben der erhöhten maternalen Mortalität kann es auch zu einer Frühgeburt, Abort oder Totgeburt kommen, wenn sich das Vollbild einer Malaria manifestiert [12, 34].

Reisen von schwangeren Frauen in Malariagebiete sollte möglichst vermieden werden. Allerdings kann es in Einzelfällen nötig sein, eine solche Reise zu unternehmen. Das Ansteckungsrisiko wird durch die Einnahme einer Malariaprophylaxe sowie durch Schutzmaßnahmen gegen Insektenstiche verringert [5, 20, 24, 34].

Bei Reisen in Malariaendemiegebiete sollte eine ausführliche Beratung durch einen Tropenmediziner erfolgen.

Für schwangere Frauen, bei denen Reisen in Gebiete mit Chloroquin-sensitiven Plasmodium-falciparum-Stämmen unausweichlich sind, kann Chloroquin als Prophylaxe gegeben werden. Chloroquin gilt als sicheres Medikament, das schon seit Jahrzehnten angewandt wird und für das keine Fälle einer fetalen Schädigung dokumentiert sind. Bei Reisen in Gebieten mit Chloroquin-resistenten Plasmodium-falciparum-Stämmen kann Mefloquin als Chemoprophylaxe empfohlen werden. Derzeit gibt es keine Anhaltspunkte, dass Mefloquin einen Abort oder angeborene fetale Fehlbildungen verursachen kann [18, 24, 36].

Entwicklungsländer

Bei Reisen in Entwicklungsländer sind selbstverständlich auch die jeweiligen lokalen hygienischen Gegebenheiten zu beachten. Generell ist von Reisen in tropische Länder mit niedrigem hygienischen Standard und schlechter medizinischer Betreuung abzuraten. Schwangere, die in ein Entwicklungsland reisen wollen, sollten sich vor Reisebeginn über die dortigen Umstände informieren.

Eine der häufigsten Probleme bei Reisen in Entwicklungsländern ist die reisebedingte Diarrhö. Reisende in tropischen oder subtropischen Regionen zeigen in 10-60 Prozent der Fälle eine reiseassoziierte Diarrhö [14]. Bis zur Hälfte der europäischen Reisenden hat nach einem mindestens zweiwöchigen Aufenthalt in Entwicklungsländern eine Diarrhö. Selbstverständlich ist die wichtigste Maßnahme zur Prophylaxe einer reiseassoziierten Diarrhö das Vermeiden von kontaminierten Nahrungsmitteln bzw. Wasser [14, 37]. Bei Reisen in Entwicklungsländern sollte strikt darauf geachtet werden, die Maßnahmen einzuhalten. Zu den allgemeinen Maßnahmen zur Vermeidung einer Durchfallerkrankung ist natürlich das Waschen der Hände nach jedem Toilettenbesuch, nach Kontakt mit möglicherweise kontaminierten Gegenständen sowie bei der Zubereitung der Mahlzeiten von großer Bedeutung. Auch wenn das Händewaschen nicht zur vollständigen Beseitigung der Erreger einer Durchfallerkrankung führt, so reduziert es doch die bakterielle Konzentration an den Händen [7, 13, 37]. Bei entsprechender Indikation (z. B. Reisen in Endemiegebiete) kann gegen Cholera geimpft werden.

Besonders unsichere Nahrungsmittel in Entwicklungsländern sind nicht ausreichend gekochtes Fleisch und Geflügel. Meeresfrüchte, rohe Früchte und Gemüse können ebenfalls mit Enteritiserregern kontaminiert sein. Leitungswasser, Eis und nichtpasteurisierte Milch bzw. Milchprodukte bergen ebenfalls ein höheres Risiko für eine reiseassoziierte Diarrhö. Somit sollten Schwangere nur ausreichend gekochtes Fleisch essen und pasteurisierte Milch trinken. Abgepackte Salate sind zu vermeiden. Entscheidend ist ebenfalls, dass potenziell kontaminiertes Wasser angemessen abgekocht wurde [13].

Die therapeutischen Prinzipien bei Durchfällen in der Schwangerschaft unterscheiden sich im Grundsatz nicht von denjenigen außerhalb der Gravidität. Da Schwangere auf Wasser- und Elektrolytverluste sehr sensibel reagieren können, sollte auf eine ausreichende Substitution geachtet werden. Erscheint eine antibiotische Therapie notwendig, ist die Gabe von Makroliden (z. B. Erythromycin) oder Cephalosporinen der dritten Generation möglich [6, 13].

Der vollständige Originalartikel inklusive Tabellen und Literaturnachweise ist erschienen in: Gynäkologe 2013; 46: 299-306

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Autor: Prof. Dr. Ioannis Mylonas ist an der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Ludwig-Maximilians-Universität München, tätig.

I. Mylonas und K. Friese, Ärzte Woche 26/2013

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