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Leukämie und endokrine Tumoren sind auffallend hoch bei Kindern, deren Mütter sich einer Infertilitätsbehandlung unterzogen haben. lia.com
 

Fertilitätsprobleme: erhöhtes Krebsrisiko beim Nachwuchs

Unklar ist noch, ob Infertilität oder Therapie als mögliche Ursache für die Krankheitsentstehung verantwortlich ist.

Haben Frauen Probleme, Kinder zu bekommen, dann hat der Nachwuchs ein erhöhtes Risiko für Leukämie und endokrine Tumoren. Absolut betrachtet ist das Tumorrisiko bei solchen Kindern aber dennoch gering.

Bei neuen Infertilitätsbehandlungen wie In-vitro-Fertilisation (IvF) stellt sich immer auch die Frage, ob die Methoden für den Nachwuchs gefährlich sein können. So wird gerade bei der IvF immer wieder ein erhöhtes Krebsrisiko für die künstlich gezeugten Kinder diskutiert. Dieses Risiko muss aber von einem möglicherweise generell erhöhten Risiko bei Frauen mit Fruchtbarkeitsproblemen abgegrenzt werden.

In einer dänischen Registerstudie hat jetzt ein Team um Dr. Marie Hargreave vom Krebsforschungszentrum in Kopenhagen untersucht, ob sich bei Kindern von Müttern mit Fruchtbarkeitsproblemen insgesamt eine erhöhte Krebsrate beobachten lässt. Dazu haben die Forscher Angaben zum Nachwuchs von 126.000 Müttern ausgewertet, die aufgrund von Fruchtbarkeitsproblemen ärztliche Hilfe gesucht hatten. Die Daten verglichen sie anschließend mit denen von 2,7 Millionen gleich alten, gleichgeschlechtlichen Kindern mit demselben Geburtsjahr aus Familien ohne Fruchtbarkeitsprobleme. Die Kinder waren alle in der Periode von 1964 bis 2006 geboren worden, die Daten umspannten also einen Zeitraum von fast 40 Jahren.

4 bis 9 zusätzliche Erkrankungen pro 100.000 Kinder

Insgesamt war das Krebsrisiko bei Kindern aus Familien mit Fruchtbarkeitsproblemen deutlich erhöht, und zwar um 18 Prozent bei Kindern im Alter von 0–19 Jahren und um 22 Prozent bei Kindern ab 20 Jahren. Eine signifikant erhöhte Rate fanden die dänischen Wissenschaftler vor allem für Leukämie (plus 30 Prozent) und endokrine Tumoren (plus 170 Prozent). Die Raten relativieren sich allerdings, wenn man die absolute Zahl dieser bei jungen Menschen doch recht seltenen Tumoren betrachtet. So übersetzen sich diese Raten in nur vier zusätzliche Tumoren bei 100.000 Kindern und in neun zusätzliche bei 100.000 jungen Erwachsenen aus Familien mit dokumentierten Fruchtbarkeitsproblemen.

Direkte Assoziation unklar

Unklar bleibt allerdings weiterhin, ob die erhöhten Krebsraten direkt mit den Fertilitätsproblemen assoziiert sind oder mit den unzähligen Therapien, die im Laufe der vergangenen 50 Jahre dagegen ausprobiert wurden. Dies lässt sich insofern nicht herausfinden, da es kaum Angaben dazu gibt, welche Mütter womit behandelt worden waren. Aber immerhin kann bei jeder neuen Therapie nun geprüft werden, ob die Krebsraten damit deutlich von denen der vergangenen 50 Jahre differieren.

 

basierend auf: Hargreave M et al. Increased risk for cancer among offspring of women with fertility problems. Int J Cancer 2013; online 25. März. DOI: 10.1002/ijc.28110

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 19/2013

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